Premiere in Loose : Irrgarten aus Intrigen und Notlügen

Dem Wahnsinn nahe: Ehefrau Martina (Sieglinde Andersen), Taxifahrer Klaus Bruns (Manfred Peters) und Freund Ralf Gärtner (Fynn-Niklas Peters, von links).
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Dem Wahnsinn nahe: Ehefrau Martina (Sieglinde Andersen), Taxifahrer Klaus Bruns (Manfred Peters) und Freund Ralf Gärtner (Fynn-Niklas Peters, von links).

Premiere: Die Looser „Snutensnackers“ zeigen „Leev nah Stünnenplan“, und der Landesverband des Amateurtheaters feiert sein 50-jähriges Bestehen.

shz.de von
26. Januar 2015, 12:30 Uhr

Besonderer Auftakt zur Theatersaison in Loose: Auf der Bühne ein geheimnisvoller Koffer. Burkhard Römer, Mitglied der plattdeutschen Amateurbühne „Snutensnackers Loose“, lüftete das Geheimnis und begrüßte Anja Kowalik und den Jugendreferenten Lennart Hamann vom Landesverband des Amateurtheaters Schleswig-Holstein die Medienreferentin. Der Landesverband, dem die „Snutensnackers“ seit 24 Jahren angehört, feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag mit einer speziellen Aktion: Der große, alte Koffer begibt sich, stets von Mitgliedern des Verbandspräsidiums begleitet, auf eine Reise kreuz und quer durch das Land zu einzelnen Bühnen und sammelt Requisiten. Diese Sammlung wird im Anschluss für einen wohltätigen Zweck gespendet. Als Empfänger sind die Klinikclowns vorgesehen, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz kleinen und großen Patienten, auch in schweren Zeiten ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Mit der humorvollen Erzählung einer Fantasie-Geschichte aus dem Buch von Petra Blume „Een Buddel för Anna“ legte Burkard Römer „een Buddel“ in den Koffer. „So heff ik nu de groote Ehr de letzte Buddel „Neuaschofsheimer blauer Tannenkopf „von 1735 im geschätzten Wert von 100.000 Euro to stiften. Un dorto giv ik ju noch en Buddel von mien Huswin „Vine de Pays de Herrault“, denn dat is wenigstens wat Reelles“, sagte Römer.

Vörschnackerin Edda Rennwald eröffnete schließlich den Premiereabend „Leev na Stünnenplan“. Ein Irrgarten zwischenmenschlicher Beziehungen, gespickt mit viel, viel Humor, Turbulenzen und immer wieder neuen Höhepunkten und das alles in dem Charme der plattdeutschen Sprache – schöner kann Theater nicht sein. Lobeshymnen und immer wieder Zwischenapplaus kamen aus den Zuschauerreihen des vollbesetzten Saales der Bürgerbegegnungsstätte Loose. Mit dem Zweiakter „Leev nah Stünnenplan“ zeigte das Ensemble unter der Leitung von Winfried Langusch ihr schauspielerisches Talent. Die turbulente Komödie aus der Feder von Ray Cooney und ins Plattdeutsche übersetzt von Kay Kruppa hatte es in sich.

Frech und voller Harmonie lebt der Taxifahrer Klaus Bruns (Manfred Peters), nach einem festen Stundenplan mit zwei Ehefrauen. So tändelt er von Kiel-Kronshagen, nach Kiel-Schönkirchen und beglückt seine beiden „Schnuckelchen“ Martina (Sieglinde Andersen) und Beate (Nicole Pawel). Er ist mit seinem Leben rundum zufrieden: „ Is all’ns blot’s een Fraag vun n’gode Stünnenplan un de Potenz.“ Dann allerdings bringt eines Tages ein Unfall alles durcheinander. Seine besorgten Ehefrauen informieren unabhängig voneinander die Polizei. Nun beginnt eine turbulente Komödie, immer weiter verstrickt sich der wortgewandte Taxifahrer in ein Lügengespinst. Er versucht, die ermittelnden Polizeibeamten mit Hilfe seines Freunds und Nachbarn Ralf Gärtner (Fynn-Niklas Peters) in die Irre zu führen, damit sein Doppelleben nicht auffliegt. In seinem Stundenplan sind die Abkürzungen sein Fahrplan, „KTB“ steht für „Knuddeltag mit Beate“, „SNBFMM“ für „Späte Nacht mit Beate, früher Morgen mit Martina“, „KZM“ bedeutet „Katze zum Tierarzt“. Ein Lügengebäude ohne festes Fundament, in dem sich immer wieder neu ersonnene Personen einfinden – da blieb kein Auge trocken. Mit fantastischen Ausreden rettet der Taxifahrer sich immer wieder für kurze Zeit heraus. Mit vollem Einsatz von Gestik und Mimik schaffen die Spieler immer wieder neue Höhepunkte. Ehefrau Martina überzeugt in ihrer Rolle mit kräftigen hysterischen Anfällen. Die ermittelnden Kommissare Teuber (Christian Haber) und Pawlik (Winfried Langusch) sind dem Wahnsinn nahe als sich Klaus Bruns und Ralf Gärtner als homosexuelles Paar outen. Es scheint keinen Ausweg zu geben, eines ist am Ende sicher: Die Wahrheit kommt auf den Tisch.

Den Zuschauern Mariechen und Dieter Bauer, Annelotte und Dieter Wolf aus Rieseby, Margit und Werner Wigger aus Eckernförde sowie Martha und Helmuth Bödorn aus Borby standen jedenfalls die Lachtränen im Gesicht. Ihr Uhrteil war eindeutig: „ Einfach Klasse, verrückt und so voller Humor. Manche Dinge kann man auf Plattdeutsch einfach herzlicher sagen. Ein ganz, ganz toller Theaterabend. Großes Kompliment an die Spieler.“  

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