Investitionsstau am Kappelner Hafen

Im Nord- und auch im Südteil des Hafens stehen kostspielige Sanierungsarbeiten an / Eigenbetrieb erwirtschaftet den geringsten Verlust seit fünf Jahren

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06. November 2013, 00:33 Uhr

Geld kann die Stadt mit dem Eigenbetrieb Hafen und Wasserwerk derzeit nicht verdienen. Im Gegenteil: Im Hafen stehen in absehbarer Zeit kostspielige Sanierungen an.

Der Eigenbetrieb Hafen und Wasserwerk bleibt für die Stadt ein Verlustbringer. Der Hauptausschuss beschloss auf seiner jüngsten Sitzung, den Jahresverlust für 2012 von rund 35 500 Euro durch Haushaltsmittel der Stadt im laufenden Haushaltsjahr auszugleichen. Dennoch sahen die Ausschussmitglieder dieses Ergebnis, das der Leiter der Eigenbetriebe, der Büroleitende Beamte Jörg Exner, vorstellte, einmütig als Erfolg an. Schließlich ist dies der geringste Verlust des Eigenbetriebs seit fünf Jahren. Zudem war der Haushaltsplan von einem Verlust in der Größenordnung von mehr als 60 000 Euro ausgegangen. Doch wie es nun mal so ist bei Erfolgen: Die Erwartungen steigen. Und als Exner für 2014 den voraussichtlichen Verlust auf 68 600 Euro bezifferte, da sah er sich von einem Ausschussmitglied flugs mit der Frage konfrontiert, warum der Jahresverlust das kommende Jahr wieder ansteige.

Dabei hatte Exner extra für die Hauptausschussmitglieder dieses Mal die nervenschonende Light-Version der Verlust-Bilanz präsentiert. Denn bei einer Sanierung der Hafenanlagen im Nord- wie im Südteil würden ganz andere Summe auflaufen. Die Fisch-Betonpier stehe beispielsweise auf Doppelträgern, die jeweils auf einem Flansch stünden und die erneuert werden müssten. „Das ist unsere Rader Hochbrücke II“, meinte der Büroleitende Beamte. Auf 600 000 Euro bezifferte Exner den Aufwand, dem stünden nur Mieteinnahmen von 5000 Euro gegenüber. Doch ohne die Fisch-Anlande-Pier seien die Existenzen der Fischerfamilien bedroht. Ein Ausweg aus der Misere böte die Neuauflage des Fischereifonds, mit dessen Hilfe 70 Prozent der Kosten förderfähig wären.

Und im Südhafen würde eine Komplettsanierung der Kaianlagen bis zu 1,5 Millionen Euro kosten. Da die Getreide AG aber erklärt hatte, die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit aus diesem Bereich abzuziehen und andererseits eine neue wirtschaftliche Nutzung noch nicht in Sicht ist, erübrige sich vorerst diese Komplettsanierung. „Das wollte ich Ihnen gar nicht erst zumuten“, sagte Exner in die Ausschussrunde.

Die Antwort auf die Frage nach den steigenden Verlusten im nächsten Jahr blieb der Leiter des Eigenbetriebs indes nicht schuldig. „Es sind verschiedene Faktoren, die zu einem Anstieg der Aufwendungen führen“, so Exner. Im Vordergrund stand dabei zunächst der Betriebszweig „Wasserwerk“. So habe das Land die Abgabe für entnommenes Grundwasser um einen Cent pro Kubikmeter angehoben, was bei einer halben Million Kubikmeter gefördertem Wasser zu einer Mehrbelastung von 5000 Euro führe. Dabei betonte Exner, dass die Wasserqualität in Kappeln sehr gut sei. „Und mit 1,14 Euro pro Kubikmeter ist der Preis auch klasse. In Eckernförde liegt der Preis für einen Kubikmeter bei über 1,40 Euro.“ Zu einem Anstieg der Kosten trägt laut Exner auch der Umstand bei, dass der Wassermeister nächstes Jahr in Rente geht. „Die Stellenausschreibung läuft schon. Hier wird es wegen des Wissenstransfers für ein bis drei Monate zu einer Doppelbesetzung kommen“, sagte der Büroleitende Beamte und bezifferte die Mehrkosten dafür auf 11 000 bis 13 000 Euro.

Aufgrund der Tarifentwicklung steigen laut Verwaltung zudem Löhne und Gehälter im gesamten Eigenbetrieb. Gleiches gelte für die Sozialabgaben und Aufwendungen zur Altersversorgung.

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) bedauerte, dass der Hafen trotz seiner schönen Lage nicht mehr Geld abwerfe. Ihr Stellvertreter Helmut Schulz (SPD) meinte, dass man den Hafen auch vor dem Hintergrund der Geschichte betrachten müsse: „Bei der Butterschifffahrt hat der Hafen ein dickes Plus gemacht. Seitdem die Duty-Free-Regelung weggebrochen ist, krebsen wir da unten herum. Doch ist es jetzt schon besser geworden als früher.“

Anschließend beschloss der Hauptausschuss einstimmig den Wirtschaftsplan 2014 für den Eigenbetrieb.

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