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Schlei-Bote

18. November 2017 | 17:06 Uhr

Kappeln : Integration mit Hafenblick

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Fünf syrische Flüchtlinge arbeiten im Restaurant von Ursula und Detlef Manke am Hafen.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 18:36 Uhr

Kappeln | Fünf Jahre Jura-Studium in Aleppo liegen hinter ihm. Dann kam der befürchtete Brief, den Marwan Alfahel schon erwartet hatte: der Einberufungsbescheid zum Militärdienst in der Armee von Baschar al-Assad. Das war 2013. Marwan Alfahel floh aus Syrien über die Türkei und Griechenland, zu Fuß durch Südeuropa bis nach Deutschland. Seit Dezember 2014 ist der heute 29-Jährige in Kappeln. Ein Jahr später war er als Flüchtling anerkannt. Seine Frau ist ein Jahr später gekommen, und gemeinsam erwarten sie in etwa zwei Wochen ihr erstes Kind, einen Sohn. Marwan Alfahel ist gut angekommen, fühlt sich wohl, lacht viel. Ganz wichtig dafür, dass es so gekommen ist: Er hat einen festen Job. Er arbeitet bei Ursula und Detlef Manke als Servicekraft im Restaurant „Meerestochter“ – und ist dafür offensichtlich dankbar.

Marwan Alfahel ist nicht der einzige syrische Flüchtling, der dort beschäftigt ist. „Es sind drei in Festanstellung und zwei, die als Spüler jobben“, berichtet Ursula Manke. Der Kontakt zu den Asylbewerbern entstand, als sie mit ihrem Mann noch das Café „Alte Schmiede“ betrieb. Rim Yassin, eine syrische Englischlehrerin, hatte dort als Sprachpraktikantin ausgeholfen und schnell Deutsch gelernt. Als Mankes im Mai das Restaurant „Meerestochter“ am Hafen eröffneten, brauchten sie Personal. „Wir wollten Rim anstellen, aber sie war schwanger und schickte uns stattdessen ihren Mann Fadi“, sagt Ursula Manke und lacht.

Auch Fadi Cheikh Youssef sollte zum Militärdienst eingezogen werden und floh 2014 über das Mittelmeer nach Europa. In Latakia hatte er eine lukrative Autowerkstatt, eine große Wohnung und eigenes Land mit rund 2000 Olivenbäumen. Heute lebt Fadi Cheikh Youssef mit seiner Frau und vier Kindern in Ellenberg. Im Restaurant „Meerestochter“ hilft er in der Küche aus, soll aber in Zukunft sein handwerkliches Geschick als Hausmeister in den angeschlossenen Ferienappartements anwenden können.

Zwei positive Beispiele. „Die Zuwanderungszahlen ebben ab, jetzt geht es darum, die Menschen, die hier sind, zu integrieren“, sagt Marko Wolter, Abteilung Regionale Integration des Kreises Schleswig-Flensburg. Sobald die Anerkennung durch sei, wechseln die Menschen den Rechtskreis und werden Kunden des Jobcenters. Sie dann zu vermitteln, daran arbeitet zum Beispiel Wolters Kollege, Urs Köhler vom Arbeitgeberservice. „Das A und O dabei ist immer die Sprache. Wenn die Verständigung nicht klappt, klappt es nicht im Job“, sagt er. Als optimal bezeichnet er es, wenn halbtägige Sprachkurse mit einem Praktikum kombiniert werden. In diesem Jahr konnten bisher 13 Flüchtlinge vermittelt werden. Insgesamt sind in Kappeln und der Region 212 als vermittelbar gemeldet, im gesamten Kreis sind es 1411.

Arbeitgeber Detlef Manke sieht die Zusammenarbeit mit seinen syrischen Mitarbeitern nicht als größere Herausforderung. „Ganz im Gegenteil, man merkt, dass sie gern arbeiten wollen. Es bringt Spaß mit ihnen.“ Mit anderen, die vom Arbeitsamt geschickt wurden, habe er schlechte Erfahrungen gemacht. Viele hatten keine Lust und seien nach wenigen Tagen wieder gegangen. „Wichtig ist, wie die Menschen aufeinander zugehen und dass es passt.“ Ursula Manke stimmt zu. „Wir haben alle eine soziale Verantwortung. Integration geht nur über die Arbeit und das Zusammenleben.“ Sie ist begeistert von Marwan Alfahels Einsatz im Service. „Er macht das so charmant.“ Und dass es auch mit ihren anderen syrischen Mitarbeitern passt, davon ist sie überzeugt. „Wir haben denselben Humor, sehr ähnliche Grundwerte und in vielen Dingen denselben Geschmack – außer bei Scholle, die hat ihnen zu viele Gräten“, wieder muss sie lachen.

Und die Sprache? Marwan Alfahel spricht schon ziemlich perfekt Deutsch. „Aber das war am Anfang schwierig, besonders die Artikel“, sagt er fröhlich. Inzwischen gehören sogar Wörter wie „Rübenmus“ zu seinem Repertoire. Alle versuchen, in der Küche auf Arabisch zu verzichten. Das ist für Fadi Cheikh Youssef etwas schwieriger, aber sein Kollege hilft ihm. Und nicht nur ihm: Marwen Alfahel wird manchmal von der Polizei angerufen und um eine Übersetzung gebeten. Fadi Cheikh Youssef werkelt auch in seiner Freizeit gern und hilft in der Fahrradwerkstatt aus. Dabei hat er inzwischen längst einen deutschen Führerschein und ein eigenes Auto.

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