zur Navigation springen

Jübek Open Air : Insolvenz und neue Hoffnung

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nachdem das Festival dieses Jahr abgebrochen werden musste, hat die Jübek Open Air GmbH Insolvenz angemeldet – aber es gibt Hoffnung.

„Als wir das Festival wegen des starken Windes aus Sicherheitsgründen abgebrochen haben, wussten wir sehr genau, dass harte Zeiten auf uns zukommen würden.“ In den knapp zwei Wochen seit dieser Aussage musste Mit-Veranstalter Martin Purwin schmerzhaft erfahren, wie recht er mit seiner Einschätzung hatte. In dieser Woche hat die Jübek Open Air GmbH Insolvenz angemeldet.

Das Ende des Festival aber muss das nicht sein, denn es handelt sich um eine sogenannte Planinsolvenz – die Gesellschaft wird nicht aufgelöst, sondern arbeitet zusammen mit dem Insolvenzverwalter an einem Plan, um die Gläubiger zu befriedigen. Diese müssen zustimmen. Zu dieser geplanten Insolvenz haben sich die Verantwortlichen der Jübek Open Air GmbH entschlossen, nachdem sie sich einen Überblick über die finanzielle Situation nach dem Desaster verschafft hatten. „Wir waren zwar versichert, hatten aber keine Ausfallversicherung abgeschlossen“, bekennt Martin Purwin. Grund dafür seien die hohen Kosten gewesen. „Wenn wir von einem Budget von 300.000 Euro für die Veranstaltung ausgehen, hätten wir davon zehn bis zwölf Prozent für diese Versicherung hinlegen müssen.“

Einige der Musikgruppen wurden bezahlt, andere erhielten einen Vorschuss – Geld, das durch die Eintrittskarten nicht wieder eingespielt wurde. Die Bühne muss bezahlt werden, Besucher verlangen Entschädigung für die entgangene Musik. Und dann sind da noch die eingeplanten Eintrittsgelder vom Sonnabend und Sonntag, die nicht in die Kasse geflossen sind. Insgesamt hat der Abbruch des Festivals ein großes Defizit hinterlassen, das die Gesellschaft in ihrer Existenz bedroht.

Durch die Versicherungen würde sich zwar möglicherweise ein Teil der Verbindlichkeiten abdecken lassen, aber das kann noch eine ganze Zeit dauern. „Wir müssen ein Zertifikat des Deutschen Wetterdienstes vorlegen, um belegen zu können, dass unsere Absage richtig und nicht zu vermeiden war“, berichtet Purwin. Bis das Gutachten vorliegt, können allerdings bis zu fünf Monate vergehen. So lange halten jedoch die Geschäftsführer nicht durch – deshalb der Insolvenzantrag.

Purwin ist trotz der Schwierigkeiten mehr denn je überzeugt, dass es richtig war, das Festival nach knapp anderthalb von drei geplanten Tagen zu beenden. „Wir haben mit einem geeichten Gerät 9,8 Windstärken gemessen“, sagt er. „Die Sicherheit von Mitarbeitern, Musikern und Besuchern war gefährdet. Und das geht nun einmal vor.“ Zurzeit werden von der GmbH die Regressansprüche der Gläubiger und der Besucher abgearbeitet. „Wir müssen in jedem Einzelfall entscheiden“, so Purwin. „Das können Shirts oder Pullover sein, die Umwandlung der Tickets in VIP-Pakete für das nächste Jahr oder die Möglichkeit, mit der Jübek-Karte kostenlos das Schlagerwellen-Festival zu besuchen.“ Zu diesen Vorschlägen aber muss noch der Insolvenzverwalter seine Zustimmung geben.

Grundlage bei den Entscheidungen ist für Martin Purwin und seine Mitstreiter dabei der Gedanke, dass das Jübek Open Air im kommenden Jahr wieder stattfindet. „Das ist eine Marke, die dann seit 30 Jahren besteht, und die weit über 300.000 Besucher angezogen hat. Das ist der zentrale Punkt in unserem Sanierungsplan“, betont Purwin.

Am Anfang der Planungen für 2015 stand eine schonungslose Analyse der eigenen Schwachpunkte. „Wir ziehen beispielsweise keine Festival-Touristen an. Zu Rock am Ring kommen die Menschen aus ganz Europa, zu uns nur die aus der Region“, sagt Purwin. Ein Problem seien auch die Preise: „Bisher haben wir so kalkuliert, dass wir die Kosten decken konnten. Keine Rücklagen, kein Verdienst.“ Das rächt sich jetzt. Die Idee ist es, im kommenden Jahr ein Festival anzubieten, das alle Altersklassen anspricht – einschließlich der Altfans, die schon vor 30 Jahren dabei waren.

zur Startseite

von
erstellt am 20.Aug.2014 | 12:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen