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Holzdorf : In zehn Tagen ist Bürgerentscheid

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Beim Thema Windpark Maasleben standen Vertreter von Prokon kurz vor dem Bürgerentscheid Rede und Antwort.

Der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde, Gerd Boll, stellte das Ziel des Abends vor: „Es geht nicht um Polarisierung. Es geht darum, dass jeder wissen soll, wie er sich beim Bürgerentscheid entscheidet.“ Knapp 40 Zuhörer hörten seine Worte – 40 von 711 stimmberechtigten Holzdorfern, die am Sonntag, 10. Mai, zur Abstimmung gerufen werden. Folgende Frage wird ihnen vorgelegt: „Sind Sie dafür, dass der von der Gemeindevertretung Holzdorf am 25. September 2014 verabschiedete Aufstellungsbeschluss über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 2 „Windpark Holzdorf“ für das Gebiet zwischen den Gemeindestraßen Bösby und Staunerhütten sowie nördlich der Gemeindestraße Grünlund dahingehend ergänzt wird, dass die Höhen dieser Anlagen auf 100 Meter begrenzt und der Mindestabstand der Anlagen zur Wohnbebauung auf 650 Meter festgelegt wird?“ Wenige Tage vor diesem Bürgerentscheid hatte die Gemeindevertretung nun zu einer Infoveranstaltung geladen.

Vorhabenträger Hilmar Kellinghusen vom Gut Maasleben und die Firma Prokon aus Itzehoe planen die Aufstellung von vier Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von je 150 Metern. Als Abstände zur nächsten Wohnbebauung sieht Prokon unter anderem 452 Meter von der ersten beziehungsweise 488 Meter von der vierten Anlage zu Häusern in Archangel, 457 Meter zum Ortsteil Staunerhütten, 470 Meter zu Bösby und 472 Meter zu einem Einzelhaus zwischen Bösby und Bösbyfeld vor.

Schwerpunkte der Fragen aus dem Plenum waren die Themen Immissionsschutz, Befeuerung der Anlagen, Schutz der Gesundheit, Naturschutz, Wirtschaftlichkeit der Anlagen, Gewerbesteuer und Kosten für die Gemeinde. Gefragtester Mann des Abends war Projektentwickler Christoph Rosengarten, der für die Firma Prokon Rede und Antwort stand. Mit ihm am Podiumstisch saßen neben Kellinghusen unter anderem Holzdorfs Bürgermeister Dirk Radeck, Norbert Jordan (Leiter der Abteilung Bauen und Umwelt des Amtes Schlei-Ostsee) und Günter Koch (Vertreter der Initiatoren des Bürgerentscheids).

Der Radiologe Hilmar-L. Poser aus Sieseby stellte die Frage nach der Bewertung des Infraschalls, den die Windkraftanlagen verbreiteten. Norbert Jordans Antwort: Für den deutschen Raum gebe es keine wissenschaftlichen Studien hinsichtlich der Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit durch Infraschall. Jordan bestätigte damit die Aussage von Christoph Rosengarten, dass Infraschall laut Gesetzgeber kein relevantes Kriterium im Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen sei. Susanne Kirchhoff aus Holtsee stellte ihre Lärm-Erfahrungen mit den 150 bis 180 Meter hohen Windkraftanlagen in ihrer Gemeinde mit folgenden Worten dar: „Wir können nicht mehr schlafen.“ Sie räumte ein, vor Baubeginn ahnungslos angesichts des zu erwartenden Lärms gewesen zu sein. Nicht nur die Immissionswerte am heimischen Fenster müssten gemessen werden, auch die Tiefenfrequenzen im Haus seien eine echte Belastung: „Es brummt im Ohr“, so Kirchhoff. Auf die Frage nach dem Schutz des Seeadlers erklärte Rosengarten: „Der Windpark ist für den Seeadler keine existenzielle Bedrohung.“ Eine 70-tägige Untersuchung innerhalb eines Jahres durch zwei Biologen lasse diesen Schluss zu.

Nach der Errichtung der Anlagen plane Prokon die Gründung einer Bürgerstiftung für Holzdorf. Die anfallende Gewerbesteuer solle zu 100 Prozent der Gemeinde zukommen. Aber: „Was im Endeffekt hier wirklich ankommt, kann ich nicht sagen“, so Rosengarten. Hinsichtlich der Belästigung durch die Nachtbefeuerung machte er klar, dass Prokon bereit sei, das neue System der bedarfsgerechten Befeuerung zu installieren. Der Strom aus den Anlagen soll dann im Umspannwerk in Großwaabs über eine neue Leitung eingespeist werden.

Sollte der Bürgerentscheid eine Ablehnung der jetzigen Planung ergeben, müsse die Gemeinde nach Jordans Ausführungen eine Veränderungssperre erlassen und selbst die Bauleitplanung vornehmen, was mit Kosten verbunden sei. Das Projekt würde dann zunächst ruhen. Aber er gab zu bedenken, dass die Gemeinde laut Rechtsprechung keine Verhinderungsplanung betreiben dürfe und der Windkraft substanziellen Raum lassen müsse. Zum Schluss appellierte der Bürgermeister: „Gehen Sie zur Abstimmung, damit wir ein möglichst breites Meinungsbild bekommen“, sagte Dirk Radeck – gleichzeitig schränkte er aber ein: „Inwieweit das Ergebnis des Bürgerentscheids nachher zu berücksichtigen ist, vermag ich nicht zu sagen.“

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erstellt am 29.Apr.2015 | 12:30 Uhr

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