In Maasholm kann "Damenwahl" teuer werden

Mit den Damen ihrer Wahl, Katharina Höper (links) und Merle Wald, absolvierten die Ältermänner Helge Hartmann (rechts) und Björn Scheppler den traditionellen Ehrentanz.  Foto: U. Köhler
Mit den Damen ihrer Wahl, Katharina Höper (links) und Merle Wald, absolvierten die Ältermänner Helge Hartmann (rechts) und Björn Scheppler den traditionellen Ehrentanz. Foto: U. Köhler

Eigentlich jeder eingeborene Maasholmer hat eine Gilde-Vergangenheit. Da hängt das Herz an der "Lustigkeit", dem Fest der Junge-Leute-Gilde. Bei dieser Veranstaltung darf man nicht fehlen - auch wenn ein Regel-Verstoß teuer werden kann.

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06. Januar 2009, 10:19 Uhr

Maasholm | Einmal im Jahr hat die Junge-Leute-Gilde von Maasholm in der Schleigemeinde das Sagen - und das bereits seit 1757. Seit nunmehr 252 Jahren gibt es diesen Zusammenschluss männlicher Junggesellen, die die überlieferten Traditionen hochhält: In den Tagen zwischen Weihnachten und dem Beginn des neuen Jahres weilten Fischer und Seefahrer stets daheim - für sie die einzige Möglichkeit, eine Frau zu finden und zu ehelichen.

So ist das heute zwar nicht mehr, aber dennoch: Bei der "Lustigkeit", einem Tanzfest, kommen sich nach wie vor die jungen Männer und die holde Weiblichkeit der Gemeinde sehr nahe. Allerdings haben sie strenge Regeln zu beachten. So besagen die Statuten, dass sich während dieses Festes die Männer im "Himmel" versammeln und beraten, die zum Fest geladenen Mädchen im Saal auf sie warten.

Und weil erst "Stimmabend", dann "Lustigkeit" und schließlich die "Richtigkeit" - sprich Kassensturz - Tradition haben, geht es bei allen drei Gelegenheiten stets hoch her.

Bei alledem müssen die strengen Statuten der Gilde, die seit vergangenem Jahr in einer neuen Lade verwahrt werden - die alte von 1757 hätte es nach den Worten des zweiten Ältermannes Björn Scheppler nicht noch einmal 250 Jahre gemacht - unbedingt beachtet werden. Wer gegen sie verstößt, muss Strafgeld bezahlen. Jeder Verstoß - dazu gehören das unerlaubte Entfernen aus "Himmel" und Saal ebenso wie das Verschütten von Branntwein - wird umgehend geahndet und kommt der Gilde-Kasse, aus der alle Fest-Kosten bestritten werden, zugute. Besonders lohnend ist der Ruf "Damenwahl" - dafür sind als Höchststrafe 30 Euro fällig.

Doch bevor das Fest "Lustigkeit" so richtig in Fahrt kam, marschierten die Gilde-Brüder - es sind rund zwei Dutzend - in "Schapptüch" und nach den Klängen des Maasholmer Spielmannszuges durch den Ort, um die eingeladenen Mädchen von Daheim abzuholen.

Während der "Lustigkeit" hatten "Öllermann" Helge Hartmann, seit 1991 im Amt, und sein Stellvertreter Björn Scheppler ihre Augen und Ohren überall, überwachten das Geschehen, damit ihnen nur ja kein "Fehltritt", wie der mit der "Damenwahl", entging.

Bevor die "Lustigkeit" richtig in Fahrt kam, hatte sich Helge Hartmann die 1967 vom damaligen Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein spendierte Gilde-Kette als äußeres Zeichen seiner Autorität umgehängt. Auch diesmal zeigten alle ein großes Stehvermögen. Schließlich ist nur einmal im Jahr "Lustigkeit".

Bevor sich gegen Mitternacht auf Beschluss der Gilde-Brüder "Himmel" und Saal vermischten, wurde dem üblichen Reihentanz gefrönt - immer schön der Reihe nach und den ausgelosten Tanznummern entsprechend, damit niemand sitzen bleibt. Diesmal waren drei neue Gildebrüder zur Mitgliedschaft "genötigt" worden. Doch gleichzeitig war ein Mitglied wegen Heirat ausgeschieden - er wird erst in vier Jahren wieder mit dabei sein können, wenn alle Ehemaligen zum "großen Fest" gebeten werden.

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