zur Navigation springen
Schlei-Bote

22. August 2017 | 20:51 Uhr

Kappeln : Immobilienmarkt stagniert

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

An Küstenorten erfahren Immobilien derzeit große Preissteigerungen, doch die Schleistadt hinkt der landesweiten Entwicklung hinterher. Experten sehen allerdings dennoch Potenzial für die Zukunft.

Von starken Preisschwankungen ist der Immobilienmarkt in Kappeln weit entfernt. Dennoch sind die Preise in diesem Jahr gegenüber 2011 durchweg gestiegen. Und vor allem sieht die LBS Bausparkasse Schleswig-Holstein-Hamburg in der Region Schwansen und Angeln viel Potenzial für die Zukunft.

In dieser Woche hatte die LBS eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Forschungsinstitut F+B veröffentlicht. Danach sind in fast allen Regionen am Wasser oder in Wassernähe (bis 30 Minuten zum Strand) die Immobilienpreise gestiegen. „Dass in begehrten Regionen wie Sylt, Föhr oder der Lübecker Bucht die höchsten Immobilienpreise zu finden sind, ist nicht ungewöhnlich“, hatte LBS-Vorstandsvorsitzender Peter Magel bei der Vorstellung der Studie erklärt. Überraschend sei vielmehr die unvermindert hohe Preisdynamik in den teuren Lagen.In der Spitze betrug die Teuerungsrate dabei bis zu 43 Prozent. Magel begründet dies mit dem historisch niedrigen Zinsniveau, das Baukredite begünstige. „In den Top-Regionen sehen wir nicht nur Wohnsitzwechsel als Hintergrund, sondern auch eine Kapitalflucht aus anderen Anlagen unter das krisensichere Reetdach einer Ferienimmobilie“, so Mager. Lage, das ist und bleibt beim Kauf das ausschlaggebende Kriterium, das enorme Preisunterschiede nach sich zieht. So kostet ein gebrauchtes 150 Quadratmeter großes Einfamilienhaus mit durchschnittlicher Ausstattung und Grundstück in Kappeln etwa 180.000 bis 190.000 Euro, in Kampen auf Sylt dagegen 2,7 Millionen Euro.

Für die nördliche Ostseeregion sind größere Preissteigerungen in den vergangenen zwei Jahren ausgeblieben. LBS-Pressesprecher Klaus-Günther Steinke, der für den redaktionellen Teil der Studie verantwortlich ist, zeigt sich dennoch optimistisch. „Ob Brebel, Loit, Struxdorf – in etlichen Gemeinden hat es in diesem Jahr nennenswerte Immobilien-Transaktionen gegeben“, so Steinke. Dabei kam es in einigen Orten auch zu deutlichen Preissteigerungen im Vergleich zum vorangegangenen Erhebungszeitpunkt vor zwei Jahren. In Langballig und Westerholz stieg der Quadratmeterpreis für ein gebrauchtes Ein- oder Zweifamilienhaus von 1300 auf 1626 Euro, eine Steigerung um 25,1 Prozent.

„Bei den Wohnlagen am Wasser passiert was“, meint der LBS-Pressesprecher. Je näher ein Haus am Wasser stünde, desto interessanter würde es. Kappeln als Ort biete dabei eine Menge, weil es hier auch viel an Infrastruktur gebe. Dazu seien größere Städte wie Flensburg oder Schleswig in der Nähe. „Das ist entscheidend, damit sich eine Region auch entwickeln kann“, so Steinke. In den Immobilienpreisen hat sich das allerdings noch nicht niedergeschlagen. 1364 Euro kostet durchschnittlich der Quadratmeter eines Ein- oder Zweifamilienhauses. Das sind gerade mal 2,5 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Anders steht da das Kappelner Umland dar. Hier betrug die Preissteigerung 4,9 Prozent. Mit 1333 Euro pro Quadratmeter hat das Umland nun das Preisniveau der Stadt Kappeln aus dem Jahr 2011 übertroffen. Interessanterweise liegt in Kappeln der Quadratmeterpreis für eine gebrauchte Eigentumswohnung mit 1537 Euro deutlich über dem eines Ein- oder Zweifamilienhauses. Eigenheime für den Erstbezug kosten hier etwa 3200 Euro pro Quadratmeter.

Der Kappelner Immobilienmakler Thomas Franke rät indes zur Vorsicht mit Statistiken, da diese immer durch Ausreißer beeinflusst würden. Im Falle von Langballig etwa seien 2011 wohl vor allem zentrumsnahe Häuser verkauft worden und in diesem Jahr eher wassernahe in Langballigau. Dann steige selbstverständlich auch der Preis. Dabei seien die Gebäude wegen ihrer unterschiedlichen Lage kaum vergleichbar. Die Preise in Kappeln nennt Franke ziemlich konstant. „Es geht immer mal zwei Prozent hoch oder runter, doch über zehn Jahre gesehen gab es fast keine Veränderung.“ Und laut dem Immobilienhändler ist auch kein Trend in Sicht. Zwar seien die Rahmenbedingungen günstig, doch die unterschiedliche Kreditvergabe würden die Nachfrage in Grenzen halten.

Das hat zur Folge, dass laut Franke eine Fülle von Objekten schon seit zwei oder drei Jahren auf dem Markt ist, weil die Eigentümer zu hohe Preisvorstellungen haben. „Derzeit hat der Käufer das Zepter in der Hand. Er bestimmt, wo es lang geht.“

In einem sind sich Steinke und Franke einig: Kappeln hat für die Zukunft noch Einiges an Potenzial. LBS-Pressesprecher Steinke sieht Kappeln als interessanten Ruhesitz für Senioren aus anderen Bundesländern, wie Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Wenn diese ihre Häuser in der alten Heimat verkaufen, könnten sie sich hier zu günstigeren Preisen ein neues Heim kaufen und hätten dazu noch ein gutes Auskommen. Immobilienmakler und -gutachter Franke sieht mittelfristig eine Entwicklung auf dem Kappelner Immobilienmarkt. „Die Schlei-Terrassen werden eine Sogwirkung ausüben.“ Hinzu komme, dass es jetzt auch in Olpenitz weitergehe. Doch bis dahin gelte es, realistisch zu sein. „Das so wichtige touristische Standbein von Kappeln muss besser werden. Doch das sehe ich erst in drei bis fünf Jahren.“

 

zur Startseite

von
erstellt am 19.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen