Kappeln : Immobilien in Kappeln immer teurer

Kennt sich aus: Thomas Winkels betreibt seit den 80er-Jahren ein Immobilienkontor in Kappeln.l
Kennt sich aus: Thomas Winkels betreibt seit den 80er-Jahren ein Immobilienkontor in Kappeln.l

Makler Thomas Winkels beschreibt, warum es vermehrt Pensionäre an die Schlei zieht.

shz.de von
24. Juli 2018, 06:53 Uhr

Kappeln | Die Immobilienpreise in Deutschland steigen. Diese Tendenz spüren mittlerweile auch die kleineren Städte. Rückt für viele Deutsche der Traum vom Haus damit in weite Ferne? Die Zahl der Genehmigungen für Neu- und Umbauten sank 2017 bundesweit um 7,3 Prozent auf gut 348 000, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Einer, der sich in Kappeln auskennt, ist Thomas Winkels. Winkels betreibt seit Mitte der 80er-Jahre ein Immobilienkontor in der Stadt.

„Es gibt mehr und mehr Pensionäre und Rentner, die im Ruhrgebiet oder in Hamburg leben, sich ihren Lebensabend aber an der Schlei vorstellen können“, sagt der Fachmann. Häuser und Eigentumswohnungen seien in Kappeln und auf den Dörfern noch finanzierbar, während in einigen deutschen Großstädten die Quadratmeterpreise gerade explodieren. In München beispielsweise muss der Kunde derzeit bis zu 7500 Euro je Quadratmeter auf den Tisch legen.

Die bautechnischen Fragen der potenziellen „Einwanderer“ in Kappeln sind schnell aufgezählt. Winkels: „Viele ältere Menschen möchten nicht in einem klassischen Neubaugebiet im Umfeld der jungen Familien leben. Sie fragen nach dem ÖPNV, wollen im Winter schwimmen gehen, gern barrierefrei wohnen, möglichst die Ärzte und Apotheker in Reichweite haben.“ Was den Bahnanschluss angehe, müsse Kappeln indes Eckernförde oder Schleswig hier in Ostseenähe den Vortritt lassen. Dafür, so Winkels, sei Eckernförde rund 20 Prozent teurer als Kappeln. Schleswig hingegen hätte als „Beamtenstadt“ wiederum ein anderes Flair.

Ein weiterer Aspekt bei der Suche nach einem neuen Domizil sei die Infrastruktur der Nahversorger. Kappeln habe hier allerdings alles in „Rufweite“. Das große Plus sei die „Ruhe im Hinterland“ und die Nähe zur Ostsee. Winkels: „Schließlich muss man auch mal sagen – die Stadt hat die Entwicklung des Hafengebietes gut umgesetzt.“ Wer könne woanders schon vom Segelboot abends in die Kneipen stolpern oder morgens vom Brötchenholen in fünf Minuten zurück sein?

Einmal für die Region entschieden, seien vor Ort die bekannten Fragestellungen so geblieben wie vor 30 Jahren. „Gern mit Balkon oder Terrasse, nicht zwingend mit Keller, lieber ein Stellplatz“, so der Fachmann aus der Schmiedestraße. Etwas spät falle den Interessenten oft die Frage der Nachbarschaft ein. „Gerade bei Eigentumswohnungen kann es schon wichtig sein, wer auf der anderen Seite der Wand wohnt“, sagt Winkels. Typischer Aspekt: Hund nebenan? Die Entscheidung für oder gegen eine Wohnung und ein Haus würden übrigens mehrheitlich die Frauen in einer Paarbeziehung treffen. Die, so Winkels, schauen bei den Besichtigungen stärker nach der Küche und der Raumaufteilung, während die Männer einen Blick „unter die Haube“ des Gebäudes – Heizung, Fenster, Dach – werfen.

Ist der Standort Kappeln zudem eine Idee für Investoren, die Häuser als Anlageobjekte kaufen und vermieten? „Weniger, dazu gibt es zu wenig Wohnungsbau. Studentenwohnungen spielen ebenfalls keine Rolle, und die Nachfrage nach Resthöfen hält sich in Grenzen“, stellt Winkels klar. Da wäre ihm zuletzt eher aufgefallen, dass ab und an mal die Kinder von alt eingesessenen Kappelnern nach dem Studium zurück kommen, um die Arztpraxen der Väter und Mütter oder die elterlichen Handwerksbetriebe zu übernehmen.

Bliebe noch die Frage, wie die Menschen in der Region ihre Häuser und Wohnungen finanzieren. Direkt bezahlen oder per Kredit? Winkels: „Das hält sich die Waage. Ich funke bei der Finanzierung allerdings nicht dazwischen, das ist nicht mein Metier.“ Derzeit, so der langjährige Makler, liege der Kurs in Kappeln für eine hochwertige Immobilie – Neubau in Hafennähe – bei rund 5000 Euro je Quadratmeter. „Hochwertig wird es beispielsweise, wenn bereits ein Fahrstuhl eingebaut ist“, ergänzt Winkels.

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