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Theater „op platt“ : Immer Ärger mit dem Testament

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

De Laienschauspeelers vun de VHS Kappeln präsenteert „Willem sien Willen“. Noch gifft dat Korten.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 07:30 Uhr

Was macht ein Arzt aus der Stadt in einer Praxis mitten auf dem Land? Immerhin kann die Umgewöhnung vom Stadtlicht zum Landei umgeben von Kühen, Treckern und schrulligen Patienten hürdenreich sein. Die Antwort darauf geben De Laienschauspeelers der VHS Kappeln in ihrem diesjährigen Theaterstück „Willem sien Willen“.

Seit nunmehr 46 Jahren begeistert die Schauspielgruppe um Irmgard Jacobsen Jahr für Jahr nicht nur ihr treues Stammpublikum. Der Grund dafür liege, davon ist die Regisseurin überzeugt, in der gründlichen Vorbereitung und der Disziplin der Darsteller. Jacobsen - seit 25 Jahren Speelbaas der Gruppe – erklärt: „Ab Anfang Oktober treffen wir uns zwei Mal in der Woche. Bis zur Premiere sind das bis zu 37 Proben.“ Aus etwa 30 Stücken wählte die 70-Jährige auch dieses Mal zwei aus, die den erforderlichen Kriterien entsprachen – „Es kommt mir auf die Situationskomik an“, sagt Irmgard Jacobsen entschlossen. Es sei aber nicht immer leicht, eine geeignete Komödie zu finden: „Es muss ja auch mit der Besetzung und dem Alter der Darsteller einigermaßen passen.“ Welches Stück schließlich auf der Bühne präsentiert werden soll, das entscheiden die zwölf Akteure anschließend demokratisch. Elke Horn achtete dabei vor allem auf eines: „Das Stück sollte einen aktuellen Bezug haben und die Menschen bewegen.“ Marion Lorenzen pflichtet ihrer Vorrednerin bei: „Ja, Geschichten aus dem Leben.“ Und Kuddel Jacobsen ergänzt: „Und es sollten keine platten Schenkelklopfer werden.“

Die Wahl fiel schließlich auf „Willem sien Willen“ von Ina Nikolai, ins Plattdeutsche übersetzt von Karl Otto Ragotzky. In dem Lustspiel in vier Akten geht es um den verstorbenen Landarzt Willem, der seine Praxis per Testament seinem Neffen vererbt. Dieser ist jedoch Stadtarzt und hadert so ein ums andere Mal mit den Eigenarten des Landlebens und seinen teilweise an starker Hypochondrie leidenden Patienten.

Stück für Stück arbeitete sich die Gruppe Woche für Woche durch den Text. Dabei geht es nicht allein ums Textlernen, betont Kuddel Jacobsen: „Wir machen immer wieder Stellproben, jeder Gang und jede Handbewegung werden einstudiert.“ Was kompliziert klingt, sei letztlich eine Erleichterung, weiß Kuddel Jacobsen: „Es macht einfach Freude, wenn jeder weiß, wo er zu stehen hat. Und es ist nur verwirrend, wenn plötzlich etwas anders ist, als in den Proben.“

Das Theaterstück sei das Produkt aller Beteiligten, sagt Gottfried Lotze: „Es wird von allen mitgetragen, jeder bringt sich ein. Das macht den Spaß aus.“ Trotzdem, da ist sich Marion Lorenzen sicher, sei insbesondere Irmgard Jacobsen der Motor der Gruppe: „Irmgard hat immer klare Vorstellungen von den Charakteren. Sie ist sehr fleißig und immer gut vorbereitet.“ Irmgard Jacobsen selbst ist stolz auf die gesamte Gruppe, die während der Probenphasen immer ein Stück weit zusammenrückten: „Wir verbringen eben sehr viel Zeit miteinander“, sagt die Regisseurin. Insgesamt fünf Vorstellungen geben De Laienschauspeelers jedes Jahr – „Und fünf Mal ist die Hütte voll“, sagt Jacobsen. „Für Kappeln ist das Theaterstück schon so etwas wie eine Kultveranstaltung.“

Die Aufregung, sagt Marion Lorenzen, komme erst kurz vor der Premiere am 18. März. Die Angst vor Texthängern und Versprechern sei nicht allzu groß, denn: „Die Pannen sind herrlich. Meistens geht bei unserem dritten Auftritt etwas schief“, so Lorenzen. Kuddel Jacobsen ergänzt: „Und wenn das Publikum es auch noch merkt, freuen sie sich und lachen. Dann wirken die Figuren so menschlich.“

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