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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 08:38 Uhr

Kosel : Im Segelboot ein Mal um die Erde

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Siegfried Hahn (65) aus Missunde legte in 15 Monaten 30.000 Seemeilen zurück.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2015 | 07:30 Uhr

Siegfried Hahn hat sich seinen Lebenstraum erfüllt: Er hat mit einem Segelboot einmal die Erde umrundet. Seit seinem zehnten Lebensjahr träumte der 65-Jährige davon und verschlang die Bücher der Weltumsegler Wilfried Erdmann und Rollo Gebhard. 54 Jahre später, am 11. Januar 2014, ging es los: Von Hafen Rodney Bay auf der karibischen Insel St. Lucia startete die World Atlantic Rally for Cruisers (World ARC) in einer Flotte von 42 Schiffen – mit dabei Siegfried Hahn, der zunächst auf der „Dinghy“, einer Dehler 39, anheuerte. Und der im Laufe der kommenden Monate in der Hängematte des Einsiedlers Tom Neale liegen konnte, jenem Freund seines großen Vorbildes Rollo Gebhard, den dieser immer wieder auf Suwarrow, einem Atoll im nördlichen Teil der Cookinseln, besucht hatte.

Die Reise führte Hahn durch den Panamakanal, über den Pazifik zu den berühmten Meeresechsen auf den Galapagos-Inseln, nach Französisch-Polynesien auf die Marquesas-Inseln, wo er die überschwängliche Gastfreundschaft der Einwohner genoss und Kindern begegnete, die ohne Angst mit Haien schwammen. Weiter ging es nach Tahiti und Bora Bora, und über die Cook-Inseln nach Samoa und zu den Fiji-Inseln. Auf dem australischen Kontinent führte es die Flotte nach Mackay Harbour und Darwin, wo sie ihre Schiffe einen halben Tag lang verlassen mussten, weil die Behörden Insektenschutzmittel darin versprühten. In Down Under erklomm Hahn auf Tanna, eine Insel der Neuen Hebriden, einen aktiven Vulkan. Danach segelten sie nach Bali in Indonesien, über den stürmischen indischen Ozean auf die Kokosinseln, wo Hahn zum zweiten Mal die Crew wechselte. Anschließend ging es nach Mauritius und Réunion, um das Kap der guten Hoffnung herum und über den südlichen Atlantis. Pünktlich zum Karneval erreichten sie Salvador in Brasilien und segelten an der brasilianischen Küste entlang und am Amazonas-Delta vorbei zurück zum Ausgangspunkt der 30.000 Seemeilen langen Reise.

Zwei Mal erhielt Hahn Besuch von seiner Frau Regine bei seinen Abenteuern in der Karibik. „Ich habe mich für ihn gefreut“, erzählt sie über die Teilnahme ihres Mannes an der Regatta. Da sie aber zur Seekrankheit neige, habe sie den größten Teil der Tour auf dem Globus von zu Hause aus beobachtet und über E-Mail mit ihm Kontakt gehalten.

Doch es gab auch kritische Situationen: Stürme mit Windstärke zehn und acht Meter hohen Wellen im Indischen Ozean. Ein Hai, der den Missunder nach einer Inselbesichtigung im Wasser verfolgte, weil er sich den Zeh blutig gestoßen hatte. Das Heimweh.

15 Monate auf See hinterlassen Spuren, hat Siegfried Hahn festgestellt. Gerade frisch im Ruhestand war er anfangs noch gestresst. Doch beflügelt durch den salzigen Wind ließ er die jahrelange Arbeit als Teilhaber einer großen Firma hinter sich. Nun sei er entspannt und sehr viel gelassener. Auch den anderen Seglern sei es so ergangen. Viele Teilnehmer hätten sich spontan entschlossen, an einem der Orte, wie zum Beispiel Neuseeland, länger zu bleiben. Vor Kurzem erst lief die Flotte – nunmehr noch aus 17 Yachten bestehend – wieder in der Rodney Bay ein. Der Abschied ist nur einer auf Zeit, denn die geknüpften Freundschaften sind innig, und einige wollen das Ereignis wiederholen.

Siegfried Hahn kam vier Tage später wieder in Deutschland an. Bereits am Flughafen empfing ihn die umständliche Bürokratie des Alltags und versetzte ihm einen kleinen Kulturschock. „Es wird dauern, bis ich mich wieder eingelebt habe“, sagt er. Noch spürt er aber die dauernden Bewegungen des Meeres und das Schwanken der Schiffsplanken in seinen Beinen. Seine Erinnerungen, die er in einem Logbuch festhielt, will er in einem Buch niederschreiben. Mit eindrucksvollen Fotografien seiner Abenteuer und dem glücklichen Wissen, sich seinen Lebenstraum erfüllt zu haben.

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