Im Einsatz für Kappelns Kulturstätte

Sie machen sich stark, um Kappeln die Koslowski-Halle zu erhalten: Kerstin Meyn, Andreas Meyn, Michael Holzem und Ulrich David (von links). Foto: Nordmann
Sie machen sich stark, um Kappeln die Koslowski-Halle zu erhalten: Kerstin Meyn, Andreas Meyn, Michael Holzem und Ulrich David (von links). Foto: Nordmann

Initiative sammelt Unterschriften für den Erhalt der Koslowski-Halle / Bürgermeister hat Landrat um erneutes Gespräch gebeten

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01. Juni 2013, 03:59 Uhr

Kappeln | Den Niederdeutschen Literaturpreis am 8. November noch, dann soll Schluss sein. So hat es Rainer Koslowski für seine große Veranstaltungshalle im Bahnhofsweg angekündigt. Zu schwierig sind die Auflagen, etwa für den Lärmschutz, die er zu erfüllen hat. Das Bedauern über diese Entscheidung ist groß, jetzt haben sich erste Aktionen aus der Enttäuschung abgeleitet. Darunter eine mit dem Titel "Kultur in der Koslowski-Halle muss bleiben". Die Menschen dahinter heißen Kerstin und Andreas Meyn, Michael Holzem und Ulrich David. Getragen fühlen sie sich in ihrem Anliegen allerdings von deutlich mehr Bürgern: Innerhalb einer guten Woche hat die Initiative geschätzte 500 Unterschriften für den Erhalt der Halle gesammelt.

Kerstin Meyn legt als erste los. "Es kann einfach nicht sein, dass die Koslowski-Halle sang- und klanglos ihre Pforten schließt", sagt die Kappelnerin. Sie gehört zu denjenigen, die in der Vergangenheit häufig in der Halle zu Gast waren, sie hat Musik- und Comedy-Veranstaltungen besucht, Atmosphäre und Gastfreundlichkeit genossen. Alles andere als sang- und klanglos kommt daher nun ihre Initiative daher, denn, das sagt Michael Holzem: "Wir wollen diese Sache zumindest nicht undiskutiert hinnehmen." In den Geschäften der Innenstadt haben sie Unterschriftenlisten ausgelegt. Ihre Forderung richtet sich an Stadt und Kommunalpolitik, das Ende der Koslowski-Halle zu verhindern. Unterschrieben haben bereits mehr als 400 Menschen, darunter nicht nur Kappelner, sondern auch Bürger aus Gelting, Schönhagen, Kaltenkirchen, Süderbrarup, Winnemark. Hinzu kommen inzwischen weitere gut 180 virtuelle Unterzeichner einer Online-Petition. Andreas Meyn versichert außerdem, dass man den Großteil der Kappelner Geschäftsleute hinter sich wisse, die der bevorstehende Verlust der Halle ebenso beschäftige.

Es ist eine Mischung aus zwei Aspekten, die die Gruppe so verärgert und enttäuscht. Kerstin Meyn spricht zum einen von einer "Negativwelle", die zwei einzelne Personen, die sich in ihrer Ruhe gestört sehen, losgetreten hätten. Ulrich David, selbst Anwohner, sagt dazu: "Ohne den Schallschutz war es früher teilweise wirklich schlimm. Aber nachdem die Dämmung verbessert wurde, hört man nichts mehr. Mich stört es überhaupt nicht." Der zweite Punkt betrifft die nach Ansicht der Gruppe fehlenden Bemühungen der Verwaltung, die Koslowski-Halle zu unterstützen und ihr eine Stimme im Kampf mit den immer gravierenderen Auflagen zu verleihen. Eine Halle, die sie ja auch selber für die Verleihung des Niederdeutschen Literaturpreises und zur Eröffnung der Figurentheater-Tage nutzen würde. "Es gibt doch nichts Vergleichbares in der Stadt", sagt David. Und auch Kerstin Meyn ist erstaunt: "Man lässt sich so eine Attraktion einfach wegnehmen. Dabei hat Kappeln die Halle bitter nötig, um interessant zu bleiben. Wir können uns nicht auf dem Faktor Deekelsen ausruhen." Es wundert sie, dass man weder aus dem Rathaus noch etwa vom Profundus Kulturverein Äußerungen vernehme. Michael Holzem nennt das Verhalten "beschämend" und wünscht sich, dass man zumindest versuchen möge, zu vermitteln. Und Andreas Meyn resümiert: "Das Unverständnis über das Verhalten der Stadt ist größer als über das der Einzelpersonen."

Diesen Vorwurf lässt Bürgermeister Heiko Traulsen nicht gelten. Seit inzwischen zwei Jahren arbeite die Verwaltung daran, die Koslowski-Halle als Veranstaltungsraum rechtlich abzusichern. Und bis vor Kurzem habe man sich auf einem guten Wege befunden. Traulsen erinnert an den ursprünglich geplanten Hotel-Bau im alten Getreide-AG-Speicher am Südhafen, dessen Emissionen man mit denen der Koslowski-Halle abgestimmt habe. "Als dann feststand, dass aus dem Hotel nichts wird, war sofort klar, dass diese Abstimmung komplett hinfällig war", sagt der Bürgermeister. Dass die Stadt ein ausgeprägtes Interesse am Erhalt der Halle hat, verhehlt er nicht - "und zwar nicht nur aufgrund unserer eigenen Veranstaltungen, sondern vor allem wegen der hochkarätigen Kulturveranstaltungen". Er selber sei daher entsetzt und traurig über die aktuelle Entwicklung, kündigt aber an: "Wir tun wirklich alles, um die Koslowski-Halle am Leben zu erhalten." Dazu gehört auch ein erneutes Schreiben an den Landrat Dr. Wolfgang Buschmann, in dem Traulsen gemeinsam mit dem Wirtschaftskreis "Pro Kappeln" um ein Gespräch bittet - wohlwissend, dass auch eine Kreisverwaltung an gesetzliche Vorschriften zum Lärmschutz gebunden ist. Traul sen: "Ich möchte aber zumindest, dass der Ermessensspielraum - so klein er auch sein mag - wirklich ausgeschöpft wird." Eine Entscheidung strebt der Bürgermeister noch bis zur Sommerpause an.

Vorher werden ihm Ulrich David, Michael Holzem, Kerstin und Andreas Meyn aber noch einen umfangreichen Stapel an Unterschriften überreichen und darauf bauen, dass ihre frischgegründete Facebook-Gruppe "Kultur in der Koslowski-Halle muss bleiben" mit aktuell 834 Mitgliedern weiter angwachsen ist. Rainer Koslowski beobachtet indes diese Zahlen leise aus dem Hintergrund, schüttelt den Kopf, lächelt und sagt: "Das ist gewaltig, damit habe ich nie gerechnet."

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