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Leben, wo andere Urlaub machen : Ihr Leben ist ein Ponyhof

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Agraringenieurin Marty Clausen sattelte vor 20 Jahren um und bietet seither Reitunterricht für Kinder und Jugendliche an.

„Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und mir einen Lebenstraum erfüllt.“ Das sagt Marty Clausen, ausgebildete Landwirtin und Diplom-Agraringenieurin mit dem Schwerpunkt Tierzucht und Tierhaltung. Sie schaltet und waltet auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb Mariental (Flurname) in Rabenkirchen und leitet den von ihr 1994 gegründeten Kinderferienhof für junge Reiter.

In mehreren umgestalteten Gebäuden dieser idyllisch gelegenen touristischen Einrichtung abseits der B 201 befinden sich Räumlichkeiten mit Quartieren für junge Besucher zwischen acht und 16 Jahren. Bei Vollbelegung finden dort 50 Reitschüler für eine Ferienwoche oder ein langes Wochenende Platz. In den angrenzenden Stallungen sind die vierbeinigen Mitarbeiter untergebracht: insgesamt 65 Ponys. Schon diese Zahlen lassen erkennen: In Mariental wird der Chefin genauso wie ihrer Köchin Svenja und dem Pferdepfleger Kalle ein arbeitsintensiver Einsatz abverlangt.

Die gebürtige Rendsburgerin schildert ihren ganz normalen Tagesablauf: „Morgens um 6 Uhr mache ich den ersten Rundgang, um zu sehen, ob sich die Ponys wohlauf befinden.“ Da die Tiere, wenn sie tagsüber nicht für Ausritte und Reitunterricht benötigt werden, auf den weitläufigen Koppeln toben, könnten sie sich an den Hufen verletzt haben. Manchmal haben sie sich beim Fressen auch eine Kolik zugezogen. Dann muss der Tierarzt kommen.

Nach diesem Check versorgt Marty Clausen ihre anderen Haustiere: vier Hasen, vier Meerschweinchen, drei Hunde und drei Ziegen sowie etliche Tauben - sozusagen einen halben Streichelzoo. Im weiteren Tagesverlauf kümmert sie sich um die kleinen Sorgen und Wünsche ihrer Reitschüler, fungiert als deren Ansprechpartnerin und hilft buchstäblich so manchem in den Sattel. Bei unserem Hofbesuch nimmt gerade die 13-jährige Jule aus Viersen in Nordrhein-Westfalen die Steigbügel-Hilfe in Anspruch. Ihr zugeteiltes Pony „Jean Claude“ rührt sich derweil nicht. Immerhin ist dieses Kleinpferd ein Profi – und mit 20 Jahren genauso alt wie der Reiterhof. Jule, deren Eltern mit dem Segelboot auf der Schlei unterwegs sind, hat hier zwei Tage zuvor zum ersten Mal in ihrem Leben ein Pferd bestiegen.

„Rund vier Stunden täglich verbringe ich am Computer“, erläutert die Betriebsleiterin. Sie schreibt gewöhnlich rund 100 E-Mails und antwortet auf jede Anfrage von reitinteressierten Kindern aus Norddeutschland – und darüber hinaus. „Diese Kontaktpflege ist wichtig“, sagt sie. „Die Kinder buchen meist selber.“

Bis in den späten Abend hinein ist Marty Clausen bemüht, ihren jungen Gästen im Urlaubsland Angeln einen bunten und abwechslungsreichen Aufenthalt zu bieten. Obwohl die stundenlangen Ausritte in Begleitung von freiwilligen Helferinnen im Vordergrund stehen, muss die Hausherrin für Abwechslung sorgen, Grillpartys und Lagerfeuer, Nachtwanderungen und Spielabende organisieren.

Ihre Leidenschaft zu Pferden begann, als Marty Clausen sieben Jahre alt war und von ihren Eltern ein Pony namens „Bobby“ geschenkt bekam, ein braun-weiß geschecktes Shetty. „Dieser Bazillus hat mich bis heute nicht losgelassen.“ Viel Überzeugungsarbeit in der Familie ihrer Schwiegereltern musste sie vor 20 Jahren leisten, um den alteingesessenen Bauernhof Mariental der neuen Nutzung zuführen zu können. Ferienkinder und Ponys statt Ferkel und Ackerbau – das war damals ein gewagter Schritt.

Dass heutzutage der Hof brummt, bedeutet aber auch Verzicht: Für den eigenen Urlaub mit ihrem Ehemann Dr. Nicolaus-Erik Clausen, der seinen Arbeitsplatz in Hamburg hat, bleiben pro Jahr nur 14 Tage Zeit für Reisen übrig. Doch beide bedauern das nicht. „Hier zu Hause macht die Arbeit großen Spaß , und es ist bei uns so schön, dass man eigentlich gar nicht wegzufahren braucht“, erklärt Marty Clausen.

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