zur Navigation springen

Sozialarbeit : „Igel“-Gruppe macht Kinder stark

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Sozial-Forum in Kappeln bietet Eltern Hilfe an, um vernachlässigte Jungen und Mädchen zu fördern.

von
erstellt am 11.Okt.2014 | 17:15 Uhr

In der Schule sind sie meist verhaltensauffällig, können sich nicht konzentrieren. Zu Hause sitzen sie meist vor dem Fernseher, kommen selten raus, werden nicht gefördert. Kinder und Jugendliche, auf die dies zutrifft, haben es im Leben oft schwer. Meist stammen sie aus sozialschwachen Familien, in denen sich Vater und Mutter selbst durchs Leben kämpfen müssen. Das Sozial-Forum in Kappeln nimmt sich dieser Kinder an, und das schon, seit es existiert, seit über 25 Jahren.

Anfangs hatte das Angebot noch keinen speziellen Namen, hieß „soziale Gruppe“. Heute nennt es sich „Igel“: Intensive soziale Gruppenarbeit mit Elternarbeit. „Wir betreuen Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren in mehreren Gruppen, wollen helfen, Entwicklungsschwierigkeiten und Verhaltensprobleme zu überwinden“, erklärt Erzieherin und Erlebnispädagogin Wiebke Sell, die im Sozial-Forum arbeitet und das „Igel“-Projekt koordiniert.

Die „Intensivgruppe“ kommt an drei Tagen in der Woche im „Haus 23“ in Ellenberg zusammen, von mittags bis in den frühen Abend. Hier werden dann mit Mitarbeitern des Sozial-Forums erstmal die Hausaufgaben erledigt. „Das ist wichtig, denn wenn die Kinder abends nach Hause kommen, würde nichts mehr passieren“, sagt Sell. Danach werden Spiele gespielt, es wird gebastelt, gemeinsam gekocht und gegessen, auch mit Kräutern aus dem „Garten der Sinne“ nebenan. „Viele Kinder sind ganz begeistert, wenn sie etwas Handwerkliches machen können. Deshalb haben wir dort auch eine Werkstatt, in der sie etwas bauen können“, so die 27-Jährige. Richtig austoben können sich Kinder in zwei weiteren Gruppen auf dem Außengelände in Sterup. Auf dem dortigen Biohof in Bremholm, von dem das Sozial-Forum ein Stück Land gepachtet hat, wird erlebnispädagogische Arbeit geleistet – im angrenzenden Wald, auf einem Spielplatz, an und in einem Bauwagen mit Küche. Alle Kinder werden zu Hause abgeholt und dorthin gefahren. Sell weist darauf hin: „Bei uns gibt es natürlich in keiner Gruppe einen Fernseher, vor dem die Kinder sonst oft den ganzen Tag sitzen. Bei uns sollen sie lernen, sich mit sich selbst und anderen zu beschäftigen. Sie sollen merken: Gemeinsam kommt man am besten ans Ziel.“

Derzeit kommen viele der betreuten Jungen und Mädchen vor allem aus Süderbrarup und den umliegenden Dörfern, eher wenige aus Kappeln, was aber auch schon anders war. Sell betont: „Die Statistik sagt ja leider, dass es bei uns im Kreis in Kappeln und Süderbrarup besonders viele Familien gibt, die arm und auf den Staat angewiesen sind.“ Zurzeit sind jedoch nicht alle Plätze des „Igel“-Projekts belegt. Die soziale Maßnahme wird vom Jugendamt des Kreises finanziert. Eltern müssen dort einen Antrag stellen, damit ihr Kind in eine Gruppe kommt. Meist legt ihnen die Behörde dies ans Herz. Sell erhält vom Jugendamt meist einen Bericht zu jedem Kind, „damit ich weiß, wer das überhaupt ist, was in der Familie los ist, was das Kind braucht“. Dann wird entschieden, in welche Gruppe es kommt.

Vier Mitarbeiter betreuen die Kinder: Neben Sell sind das Ulrich Metzger, Guido Brückmann und Anke Brucksch. Und es gibt sogar einen Rentner aus Kappeln, der die Gruppenarbeit in Ellenberg seit einem Jahr ehrenamtlich unterstützt. „Er hilft den Kindern bei den Hausaufgaben oder spielt mit ihnen“, sagt Sell. „Das ist total niedlich, die Kinder dürfen ihn auch Opi nennen und sind dabei ganz glücklich.“ Notwendig sei neben der Betreuung und Förderung der Kinder in jedem Fall aber auch der Kontakt zu den Eltern. „Wir führen Gespräche mit ihnen und sind auch in den Familien tätig. Es muss eine Zusammenarbeit geben, denn wir sind ja keine Auffangstation. Man kann viel mit den Kindern machen – aber die meiste Zeit sind sie eben zu Hause.“ Viele Eltern seien aber kooperativ und offen. Auch mit den Schulen werde eng zusammengearbeitet.

„Igel“ sei ein Erfolgsprojekt, sagt Sell, da viele der Kinder schnell große Fortschritte machten, einige gar wie verwandelt seien. „Ein Mädchen kam mit sieben Jahren zu uns und hat die Gruppe mit 13 verlassen. Sie hat in dieser Zeit mit uns Deutsch gelernt und konnte von der Förderschule auf die Gemeinschaftsschule wechseln, wo sie nun den Hauptschulabschluss macht“, berichtet Sell. Natürlich gebe es aber auch den Fall, dass ein Kind trotz aller Bemühungen aus einer Familie herausgenommen wird und zu Pflegeeltern kommt.

Das „Igel“-Projekt befand sich schon mehrmals in der Schwebe, so wie momentan. Weil sich bei der Verteilung der notwendigen Gelder laut Sell oft etwas ändere, müsse man immer wieder bangen. Überhaupt sei das Sozial-Forum, das ein gemeinnütziger Verein ist, stets auf Spenden angewiesen, um Aktivitäten zu finanzieren. Sell: „Leider werden die Spenden aber immer weniger, dabei sind die Extra-Aktivitäten ein so wichtiges Bonbon für die Kinder.“ Die Arbeit mit den Kindern mache allen jedoch eine Menge Spaß. „Es ist toll zu sehen, wie sehr sie bei uns aufblühen.“

>

Sozial-Forum Kappeln, Prinzenstr. 42a am Zob; www.sozial-forum-kappeln.de



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen