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Mühle „Amanda“ in Kappeln : Ideensuche für den Schweinestall

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Hauptausschuss spricht sich für Kauf des Mühlengrundstücks aus. Die künftige Nutzung ist weiter in der Diskussion.

Zwar ist Ingrid Mieling mit ihrer ursprünglichen Bitte gescheitert. Trotzdem darf sie ihren Auftritt in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses als gelungen empfinden. Denn: Dass eine Bürgerin die Einwohnerfragestunde nutzt, um sich auf konstruktive Weise an der Gestaltung der Stadt zu beteiligen, signalisiert mehr als nur Interesse. Vielmehr steckt echte Aktivität dahinter, wobei die Zielsetzung dabei fast zweitrangig ist. Viel entscheidender: Ingrid Mieling gebrauchte eine Plattform für eine produktive Beteiligung, die sie ruhig und überlegt vortrug. Im Mittelpunkt stand dabei das Umfeld der Mühle „Amanda“ und die damit verbundenen Überlegungen, eventuell die Stadtbücherei im alten Schweinestall unterzubringen. Ein Thema, bei dem Emotionen nicht so leicht auszublenden sind. Wenn man überdies aber im Blick behält, dass es um mehr geht, nämlich darum, aus einem ohnehin schon recht attraktiven Grundstück noch mehr Attraktivität herauszukitzeln – ob nun mit oder ohne Bücherei –, ist eine aktive Bürgerbeteiligung Gold wert.

Ursprünglich also hatte Mieling darum gebeten, die Beratung des Hauptausschusses zum Kauf des Mühlenumfeldes doch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Ihre Begründung: „Wieso sollte man ein Grundstück kaufen, wenn man noch gar nicht weiß, wie man es nutzen möchte?“ Der Hauptausschussvorsitzende Matthias Mau (CDU) kam diesem Wunsch zwar nicht entgegen, räumte Mieling aber die Möglichkeit ein, sich auch im weiteren Verlauf der Sitzung dazu zu äußern.

Tatsächlich ist es so, dass Nutzungsvarianten bislang – bis auf einige Tendenzen – überhaupt nicht feststehen. Das haben sowohl Politik als auch Verwaltung immer wieder klargestellt. Genauso klar ist allerdings: Die Touristinfo der Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS) muss aus der Mühle verlagert werden, weil der Brandschutz dort nicht gewährleistet werden kann. Deshalb existiert die Idee, die OFS gemeinsam mit der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH vielleicht im früheren Müllerhaus unterzubringen. Aber: Bislang eben auch nur eine Idee.

160.000 Euro für das Grundstück plus 20.000 Euro für die Durchführung des Kaufvertrages müsste die Stadt für das Mühlenumfeld auf den Tisch legen. Der Bauausschuss hatte dazu bereits seine Zustimmung signalisiert. Gleichzeitig geht mit dieser Entscheidung die deutlich erklärte Bereitschaft einher, den Schweinestall als Einrichtung des gemeindlichen Bedarfs zu nutzen. Nur dann kann die Stadt mit Mitteln aus dem Städtebauförderungsprogramm rechnen. Und wer sich den Stall einmal angesehen hat, weiß, dass dort allerhand an Bauarbeiten zu erledigen ist – egal, ob am Ende eine Bücherei, ein Museum, eine Mehrzweckhalle verwirklicht würde. Fördermittel also scheinen nötig.

Und gerade bei der Suche nach einer möglichen Nutzung sind die Bürger der Stadt – das gibt das Städtebauförderprogramm ebenfalls vor – ausführlich zu beteiligen. Das betonte Bauamtsleiterin Jana Kruse erneut: „Die Diskussion muss stattfinden, die Bürger sind nicht ausgeschlossen.“ Der Kauf des Mühlengrundstücks jedoch solle unabhängig von einer möglichen Nutzung erfolgen – das zumindest fanden unter anderem Corinna Graunke (CDU), Michael Arendt (LWG) und Rainer Moll (SPD). Arendt sagte aber auch: „Ich gehe davon aus, dass nach dem Kauf zügig über eine Nutzung gesprochen wird, damit wir schnell ein klares Bild haben.“ Und Matthias Mau äußerte einen Wunsch: „Ich hoffe dabei auf eine lebhafte Bürgerbeteiligung.“

Ähnlich wie die, die Ingrid Mieling nun ein bisschen vorgelebt hat. Sie hatte nämlich zur Hauptausschusssitzung ein DIN- A4-Blatt vorbereitet, aus dem einige Punkte hervorgingen, die vielleicht auch nicht jedem passen, die es aber vielleicht dennoch wert sind, einmal erwähnt zu werden. So ist darin beispielsweise die Rede, OFS und WTK an den Hafen und dort in das alte Zollhaus zu verlegen. Und Norbert Dick (Grüne), Verfechter des Verbleibs der Bücherei an ihrem jetzigen Standort, brachte das Stichwort Bürgerzentrum im Stall ins Spiel, einen Ort, der Vereinen Versammlungsraum bietet. „Das Gelände hat die Chance, ein kulturelles Zentrum zu werden“, sagte er. „Aber dazu ist mehr Kreativität gefordert.“

Einstimmig empfahl der Hauptausschuss danach den Kauf des Geländes. Die Stadtvertretung entscheidet nun abschließend, allerdings laut Tagesordnung offenbar noch nicht bei ihrer Sitzung in der nächsten Woche. Unabhängig davon sind Einfälle, Ansichten und Vorschläge, zu was das Mühlengrundstück am Ende werden soll, jederzeit gefragt.

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erstellt am 27.Apr.2017 | 07:00 Uhr

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