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„Ick heet Ali und kumm ut Afghanistan“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

„Vörlesen maakt Spaaß“: Unter dieser Überschrift stand gestern ein plattdeutscher Vorlesetag für die 85 Jungen und Mädchen der Georg-Asmussen-Grundschule. Acht Vorleser waren zur Stelle, und die Schüler spitzten die Ohren. „Lees mit mi – snack mit mi“, lautete die Devise im Rahmen des bundesweiten Vorlesetags. Ob Großeltern oder Freunde der Schule – alle unterstützen das Projekt „Niederdeutsch an Schulen“, denn für sie ist das eine Sprache, die nicht in Vergessenheit geraten darf, sondern lebendig gehalten werden muss. Und weil manche der Schüler sehr wohl von zu Hause aus mit Platt vertraut sind, gestaltete sich der Vorlesetag zu einem sprachlichen Austausch zwischen Vorlesenden und Zuhörenden, sogar Lieder wurden zwischendurch angestimmt.

Aus Eckernförde war beispielsweise Karl-Heinz Groth gekommen, und der war davon angetan, dass die Kinder durchaus wussten, was dieser und jener Begriff im Hochdeutschen bedeutet. Die ehemalige Grundschulmutter Britta Wilms aus Gelting ist mit Platt aufgewachsen und gibt die Sprache gerne weiter. Einmal in der Woche vermittelt sie vormittags im ADS-Kindergarten „ihre“ Sprache. Als die Schule bei ihr anklopfte, ob sie zum Vorlesen bereit sei, war das für sie eine Selbstverständlichkeit. Ebenfalls mitgemacht hat der ehemalige Leiter der Grundschule Karby, Bernhard Clausen – zwei seiner Enkel besuchen die Georg-Asmussen-Schule. Mit seinen Bremer Stadtmusikanten fand Clausen bei den Schülern großes Gehör. Und als sich in der Schlussrunde die Kinder mit „Ick heet...“ vorstellten, meldete sich auch Drittklässler Ali zu Wort: „Ick heet Ali und kumm ut Afghanistan.“

Inmitten der Schüler fühlte sich auch Hans-Jürgen Schwager wohl und setzte sich zu ihnen auf den Boden. Er las Plattdeutsch aus der Bibel und sagte: „Als ich 1947 zur Schule kam, konnte ich kein Wort Hochdeutsch, aber auch aus einem Plattdeutschen kann was werden.“ Schwager ist Bürgermeister der Gemeinde Stoltebüll.

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