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47 Jahre in der Kappelner Stadtverwaltung : „Ich hab’ unglaublich gern gearbeitet“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nach 47 Jahren als Mitarbeiterin der Kappelner Verwaltung hat Helga Lorenzen heute ihren letzten Arbeitstag, bevor sie in den Ruhestand geht.

shz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 06:27 Uhr

Kappeln | Sie war 15 Jahre alt, als sie die Ausbildung im Kappelner Rathaus begann. Heute – fast auf den Tag genau 47 Jahre später – hat Helga Lorenzen ihren letzten Arbeitstag als Fachbereichsleiterin im Gebiet Ordnung und Soziales.

Frau Lorenzen, 47 Jahre ist eine lange Zeit. Wussten Sie als so junger Mensch schon genau, dass Sie in den Verwaltungsdienst wollten?

Nein, ganz und gar nicht. Meine Familie war aus Nordrhein-Westfalen hergezogen, als ich zwölf Jahre alt war. Mit 15 hab’ ich Mittlere Reife gemacht, und es bestand die Überlegung, dass ich weiter zur Schule gehe. Aber meine Mutter hat mich an die Hand genommen und im Rathaus vorgestellt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht mal, was ein Rathaus eigentlich ist. (lacht)

Aber Sie haben den Ausbildungsplatz bekommen und sich sofort wohl gefühlt. Was hat Ihnen besonders gefallen?

Das war am 1. August 1970. Damals war das Rathaus noch, wo heute Thomsen’s Motel steht. Wahnsinn, da hatte Kappeln noch Dinosaurier (lacht). Die Stadt hatte damals nur etwa 4000 Einwohner. In der Verwaltung herrschte eine tolle Kollegialität, wirklich wie in einer Familie. Und wir haben auch viel Unsinn gemacht und jedes Wochenende in geselliger Runde eingeläutet. Damals war ich ja das Küken – und heute bin ich die Oma.

Auch privat entwickelte sich etwas: Sie haben im Rathaus Ihren Mann Klaus kennen gelernt.

Ja, er war Inspektorenanwärter und ich Lehrling. Am Anfang durfte keiner von uns wissen. Ein Jahr lang haben wir uns heimlich getroffen. Jetzt sind wir 42 Jahre verheiratet. Mein Mann ist 2010 in Ruhestand gegangen. Zum Schluss war er Büroleitender Beamter.

Welche Stationen haben Sie durchlaufen? Wo waren Sie am liebsten?

Ich war überall gern. Zuerst war ich zwölf Jahre im Haupt- und Personalamt, das war ganz toll. Dann sollte ich in die Kämmerei – und das wollte ich erst gar nicht. Und dann war ich elf Jahre Amtskämmerin, und das hat so viel Spaß gemacht. Daneben war ich auch Personalvertreterin der Stadtverwaltung und Mitglied im Landesvorstand kommunaler Personalräte. 1997 wurde ich Fachbereichsleiterin im Gebiet Ordnung und Soziales. Vor dieser sehr bürgerintensiven Aufgabe hatte ich anfangs großen Respekt, habe aber mein Amt dort nie bereut. Ganz im Gegenteil.

1977 haben sie sich zur Standesbeamtin ausbilden lassen.

Ja, ich war damals die jüngste in Schleswig-Holstein. Aber als ich Fachbereichsleiterin wurde, hab ich nur noch in ganz besonderen Situationen Trauungen übernommen – bei Freunden und später bei den Kindern von Freunden. (lächelt) Aber das war eine unglaublich schöne Aufgabe. Die Menschen sind alle gut drauf und so dankbar.

Sie haben sicher viel erlebt. Erinnern Sie sich an eine lustige Begebenheit?

Spontan fällt mir nur etwas ein aus der Zeit, als ich im Personalamt war. Alle Bewerber auf Lehrstellen wurden damals in einen Raum gerufen und mussten rundherum Fragen zur Verwaltung und zur Stadt beantworten. Irgendwann wusste einer von ihnen nicht weiter und sagte: „Verdammt nochmal, ich wollte doch eigentlich nur mein Fahrrad aus dem Fundbüro abholen.“ Wir haben so gelacht. Die Situation habe ich bis heute nicht vergessen.

Welche Projekte lagen Ihnen in den letzten Jahren besonders am Herzen?

Vor 15 Jahren war ich mit im Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ aktiv und arbeitete hervorragend mit meiner Kollegin Annette Kießig aus dem Bauamt zusammen. Von 2004 bis 2008 war ich Projektleiterin im Bundesprogramm „Lokales Kapital für Soziale Zwecke“. Wir haben insgesamt 41 kleinere Projekte mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds umsetzen können. Eine sehr nachhaltige Aktion: Die Vernetzung der sozialen Einrichtungen im Stadtgebiet hat bis heute Bestand. Die Zusammenarbeit mit dem Sozialausschuss war über die Jahre überaus gut und eng. Das soll auch so bleiben. Politik und Verwaltung sind hier in Kappeln eine wunderbare Einheit. Das ist wirklich so.

Und nun ist die Vorfreude auf den Ruhestand groß?

Erstmal ist es ja nur Vorruhestand, ein Jahr lang. Ich freue mich darauf, mehr Zeit zu haben. Ich werde sehr oft in Berlin sein, aber nicht als Touristin sondern als Oma. Meine Tochter Ilka (40) lebt da mit ihrer Familie. Mein Enkel Jonathan ist zehn, Jaron sieben Jahre alt. Aber auch auf spontane Radtouren mit meinen Mann freue ich mich. Wir lieben die Natur. In Angeln und Schwansen kennen wir inzwischen jeden Stein. Nun können wir auch mal andere Ecken erkunden.

Stehen auch andere Reisen an?

Ja, wir lieben Trips in europäische Hauptstädte, haben aber auch schon viele gesehen. Wien steht auf dem Wunschzettel. Diese Reise wollen wir mit unserem Sohn Malte und seiner Freundin machen, die dort studiert hat. Es wird einfach schön sein, sich nicht mehr nach Urlaubszeiten oder Ausschüssen richten zu müssen.

Aber sicher gibt es auch ein bisschen Wehmut.

Auf jeden Fall. Mein letzter Tag wird heftig. Es ist mir bewusst, dass ich mein zweites Zuhause verliere. Es ist dann nicht mehr „mein Rathaus“. Aber ich bin froh, mit Inken Nehmdahl eine Kollegin als Nachfolgerin zu haben, mit der ich schon vorher eng und gut zusammen gearbeitet habe.

Die Arbeit wird Ihnen also auch ein bisschen fehlen?

Ja, aber ein bisschen weiter arbeiten werde ich ja noch. Seit 2008 haben wir Spendwert nach der Idee von Corinna Graunke etabliert, eine Organisation, die Menschen Nothilfe, fernab von jeder Bürokratie leistet. Bürgermeister Heiko Traulsen ist Schirmherr. Bisher habe ich die Geschäftsführung und die Betreuung des Spenderbeirates hauptamtlich ausgeführt. Der Bürgermeister hat zugestimmt, dass ich die Aufgabe im Ehrenamt weiterführen darf. Ich richte mir gerade ein Büro in der ehemaligen Hans-Christian-Andersen-Schule ein.

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