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38. Kappelner Heringstage : „Ich bin total platt“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Karin Traulsen und Andy Graunke sind neue Herings-Majestäten. Der Ministerpräsident kündigt den Förderbescheid für den Heringszaun noch für dieses Jahr an.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 07:00 Uhr

Geschummelt wird nicht. Daran ließ der Verschönerungsverein gar keinen Zweifel. Wer sich anlässlich der gestrigen Eröffnung der 38. Kappelner Heringstage die Königswürde schnappen wollte, der musste eben einfach richtig tippen. Oder zumindest fast richtig. Allerdings: Unter einer Bedingung wollte Werner Kinast, zweiter Vorsitzender des Verschönerungsvereins, doch mit sich reden lassen. „Hätte der Ministerpräsident heute 400.000 Euro Fördergelder für den Heringszaun mitgebracht, hätten wir uns über neue Spielregeln unterhalten können.“ Nun, er hatte nicht. Aber auch so taten die 95 Wett-Teilnehmer mit ihrem Einsatz ihren Teil dazu bei, das Kappelner Wahrzeichen am Leben zu erhalten. Noch etwas mehr als das, nämlich Stadt und Besonderheiten repräsentieren, darf das gestern gekürte neue Heringskönigspaar, das auf gänzlich legalem Wege in dieses Amt gekommen war: Karin Traulsen und Andy Graunke hatten sich den aktuellen Heringsfang am genauesten angesehen und waren am tatsächlichen Gewicht von 126,8 Pfund am dichtesten dran.

Mit zwei Schiffen, dem Seenotrettungskreuzer „Nis Randers“ und der MS „Gotland“, hatte sich die neue Rekordzahl der Wett-Teilnehmer am Vormittag raus an den Heringszaun gewagt. Und schon als Wolfgang Brandhoff und Christian Pitt den Fang an Bord ihres kleinen Bootes hievten, gab Kommentator Thies Kölln hoch oben vom Brückenwärterhaus einen goldrichtigen Tipp: „Das sieht nach einer ordentlichen Ladung aus.“ Ganz offenbar hatten ihn aber einzelne nicht richtig verstanden. Anders war es jedenfalls kaum zu erklären, weshalb etwa Bürgermeister Heiko Traulsen trotz dieser deutlichen Hilfestellung bei gerade mal elf Pfund landete. Gastronom Norbert Stark wiederum war dann doch zu optimistisch und tippte auf 238 Pfund. Auch Andy Graunke lag mit seinen geschätzten 135 Pfund zwar über dem Gewicht des Tagesfangs, besser als der „Profundus“-Geschäftsführer hatte allerdings kein anderer potenzieller König gewettet. Sein erster Kommentar nachdem die Königskette an seinem Hals hing: „Ich bin total platt und muss das erstmal realisieren.“ Erste Teilnahme und gleich ein König – nicht der schlechteste Werdegang. Bei den Damen hatte Karin Traulsen mit 129 Pfund ein noch etwas besseres Augenmaß bewiesen. Über das majestätische Jahr, das ihr nun bevorsteht, sagte die Ehefrau des Kappelner Bürgermeisters: „Ich lasse mich überraschen.“

Begonnen hatte die knapp zweistündige Eröffnungsveranstaltung in der Koslowski-Halle mit einem äußerst gut gelaunten Ministerpräsidenten Torsten Albig, der erstmal sein ganz persönliches „Bild vom Glück“ zeichnete: Blauer Mai-Himmel, blühender Raps, sich spiegelnde Sonnenstrahlen im Wasser und in der Hand ein Matjesbrötchen mit vielen Zwiebeln – keine Frage, Kappeln konnte dieses Glück gestern spielend liefern. Und was die zu diesem Zeitpunkt noch offene Heringswette betraf, sagte Albig mit Augenzwinkern: „Wenn Prominente mittippen, liegen sie irgendwie automatisch immer richtig.“ Das sei bei Heide Simonis so gewesen, auch bei Peter Harry Carstensen. „Vielleicht liegt das auch am Geist auf dem Schiff“, fuhr er fort. Und dann scherzhaft mit Blick auf den CDU-Landesvorsitzenden: „Ich hoffe, dass mein Geist heute auf Ingbert Liebing überspringt. Dann hätte er das ganze Jahr über was zu tun und kommt mir nicht in die Quere.“ Die Heringstage nannte der Ministerpräsident „ein wirklich tolles Stadtfest“, das so vielseitig sei wie der Hering selbst. Der Heringszaun sei ein „aktiv genutztes Kulturdenkmal“, dessen Sanierungspläne man als Land „sehr wohlwollend“ begleite. Albig: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr den Förderbescheid miteinander erleben werden.“

Auch Ingbert Liebing lobte die Heringstage und sträubte sich keineswegs gegen eine mögliche Königskette. „Ich finde“, sagte er als kleinen neckischen Seitenhieb auf Albig, „es gibt Schlimmeres als die Königswürde der Heringstage zu tragen“. Das Fest stifte Identität und bilde Heimat ab. Liebing: „Kappeln hat etwas Großartiges für die ganze Region geschaffen.“

Und dabei ist es eben der Jahrhunderte alte Heringszaun, der noch bis Sonntag im Mittelpunkt steht, das betonte Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker, als sie sagte: „Wir wollen auf eines unserer Wahrzeichen aufmerksam machen.“ Gestern ist genau das gelungen. Und zwar ganz ohne zu schummeln.

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