Kappeln/Süderbrarup : „Ich bereue den Schritt nicht“

Marleen Mosinski und ihr Tinker „Bobby“.
1 von 2
Marleen Mosinski und ihr Tinker „Bobby“.

Mit 17 Jahren entschloss sich Marleen Mosinski aus Süderbrarup ihr Leben in der Manege und im Wohnwagen zu verbringen.

Avatar_shz von
25. Juli 2018, 06:27 Uhr

Kappeln | Mit dem „Circus of Fantasy“ ist Marleen Mosinski, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Manuel Lauenburger (24) und Familie, gerade zu Gast in Kappeln. Die Gegend ist ihr nicht fremd, denn die 22-Jährige ist in Sörup und Süderbrarup aufgewachsen. Wie sie zum Zirkus gekommen ist, erzählt sie Schlei Bote-Redakteurin Doris Smit.

Frau Mosinski, seit sechs Jahren dreht sich in Ihrem Leben alles um den Zirkus. Wie ist es dazu gekommen?

Marleen Mosinski: Angefangen hat alles eigentlich noch viel früher. Ich war zehn Jahre alt, als der Zirkus nach Sörup kam, wo ich damals lebte. Und wie das so ist. Als Kind mag man Tiere. Ich hab’ gefragt, ob ich mit putzen darf. Klar durfte ich helfen – und kam dafür umsonst in die Vorstellung.

Und dann fuhr der Zirkus wieder ab?

Ja, und ich war traurig. Aber immer, wenn er wieder in die Gegend kam, nach Langballigau oder Tarp, bin ich hin – mit dem Fahrrad, oder ich habe mich fahren lassen. Mit Manuel war ich damals schon befreundet, und so haben wir Kontakt gehalten.

Wollten Sie damals schon zum Zirkus?

Nein, damals war der Wunsch noch nicht da. Ich bin noch zur Schule gegangen und wollte anschließend eine Ausbildung machen.

Wann haben Sie Ihre Meinung geändert?

Das war 2013. Ich wohnte inzwischen in Süderbrarup und ging zur Berufsschule. Der Zirkus kam, und dann hat es zwischen Manuel und mir Klick gemacht. Seit April 2013 sind wir zusammen. Wir haben uns dann so oft es ging an den Wochenenden gesehen. Manchmal aber auch vier, fünf Wochen nicht. Das war schon anstrengend. Als es klar war, dass ich die Schule nicht zu Ende machen würde, habe ich schon mal vier Wochen mit dem Zirkus verbracht.

Wie alt waren Sie da?

Ich war 17 Jahre alt. Meine Eltern haben unsere Beziehung immer unterstützt. Aber als ich Ihnen gesagt habe, dass ich ganz zum Zirkus gehen möchte, gab es viele Diskussionen.

Und dann sind Sie in den Wohnwagen gezogen.

Ja. Meine Eltern waren traurig – ich bin die jüngste von fünf Geschwistern, aber sie haben es akzeptiert. Ich habe dann mitgenommen, was ich mitnehmen konnte und bin zu Manuel und seiner Familie gezogen. Da gehört man dann gleich dazu. Wenn man mit einem Partner vom Zirkus zusammenkommt, bekommt man gleich den ganzen Zirkus (lacht).

Wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Ach, wir haben immer etwas zu tun: aufbauen, abbauen, Tiere versorgen, Tournee planen, Standorte abfragen, für Strom und Wasser sorgen, Werbung machen.

Haben Sie auch Aufgaben in der Manege übernommen?

Ja. Am Anfang hab ich nur mit getanzt, was ich eben so machen konnte. Inzwischen habe ich mir Vertikaltücher gekauft und mache Luftakrobatik. Ich arbeite mit dem Ringtrapez und olympischen Kraftringen und habe eine Bauchtanz-Nummer. Für die nächste Saison übe ich Hula-Hoop. Das bringe ich mir alles selbst bei. Es gibt kein festes Programm. Wenn man eine Idee hat, stellt man sie vor. Alles Neue bringt den Zirkus voran.

Bekommen Sie Besuch von Ihrer Familie, wenn Sie hier in der Gegend gastieren?

Ja. Auf jeden Fall. In der vergangenen Woche habe ich zum Beispiel meinen Geburtstag gefeiert. Dazu ist meine ganze Familie gekommen. Und mein Freund hatte dazu eine Überraschung vorbereitet: Er hat mir ein Pferd geschenkt, einen irischen Tinker.

Wird er auch auftreten?

Später etwas vielleicht. Noch ist er neu hier und nicht eingeritten. Das möchte ich ganz vorsichtig machen – mit Kommandos, nicht mit der Peitsche.

Sie fühlen sich offensichtlich wohl beim Zirkus. Würden Sie sich wieder so entscheiden?

Ja, ich bereue den Schritt nicht. Manchmal ist es hart, aber das hat man sich ja so ausgesucht. Und wer einmal in den Zirkus reingeschnuppert hat, der kommt davon auch nicht mehr los. Wenn ich nochmal vor dieser Entscheidung stünde, würde ich es aber vielleicht etwas anders angehen und doch zuerst eine Ausbildung machen.

>Der „Circus of Fantasy“ gastiert noch bis Sonntag an der Cervais AG in Kappeln. Die nächsten Stationen sind Waabs auf dem Campingplatz der Familie Heide und Steinbergkirche.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen