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Mensch des Jahres : Hoffnungsträger der Gesellschaft

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der „Mensch des Jahres 2013“ heißt Dr. Wolfgang Nödl. Rund 50 geladene Gäste feierten den Grödersbyer Kinderarzt am Mittwochabend für seinen selbstlosen medizinischen Einsatz in der Dritten Welt.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2013 | 07:30 Uhr

Zum dritten Mal haben sich die Leser des Schlei Boten für ihren „Menschen des Jahres“ entschieden. Die Abstimmung endete am 30. November, am Mittwochabend wurde das Geheimnis schließlich gelüftet. Rund 50 geladene Gäste, darunter die „Menschen der Vorjahre“ Helga Brusgatis (2011) und Corinna Graunke (2012), feierten im „Pierspeicher“ den Grödersbyer Kinderarzt Dr. Wolfgang Nödl, der 54 Prozent aller abgegebenen Stimmen erhalten hatte. Nödl reist seit 1997 als „German Doctor“ in die ärmsten Länder der Welt, hält Sprechstunden unter freiem Himmel ab und verzichtet dafür auf Urlaub und Bezahlung. Neben ihm ehrten die Anwesenden auch die anderen Kandidaten Volker Boldt, Michael Holzem, Denis Mesterharm und in Abwesenheit Kerstin Meyn, deren besonderes Engagement den ganzen Abend über im Mittelpunkt stand.

In seiner Laudatio auf den sehr bescheidenen Preisträger stellte Propst Helgo Jacobs dessen Hintergrund als Arzt heraus, der ihn schon immer dazu veranlasst habe, an der Seite von Menschen in existenziell besonderen Situationen zu stehen. In diesem Sinne sei Wolfgang Nödl nicht nur Mediziner, sondern auch Hoffnungsträger. „Sie erleben es als Privileg, helfen zu dürfen“, sagte Jacobs. Gerade bei seinen Einsätzen als „German Doctor“, etwa in Indien oder Bangladesh, stecke jedoch auch ein „hoher emotionaler Aufwand“ dahinter und die Bereitschaft, immer wieder ein Lernender zu sein. Jacobs: „Sie geben Menschen, die Hilfe brauchen, eine Stimme, damit sie die Hoffnung nicht verlässt.“

Jacobs ging auch kurz auf die anderen Kandidaten des Abends ein, die in seinen Augen verband, „dass Sie etwas tun, das untypisch ist“. Der 19-jährige Denis Mesterharm aus Esgrus etwa zeige, dass sich auch junge Menschen mit Leidenschaft engagieren können. Er hat Patenschaften beim Nabu und BUND übernommen und schärft für den WWF als einer von bundesweit nur 20 Aktionsteamern das Umweltbewusstsein der Gesellschaft. Dazu Jacobs: „Keiner soll die ganze Welt schützen, aber man kann ja exemplarisch anfangen.“ Denis Mesterharm selber sagte später, dass er ihm viel daran liege, auch andere Jugendliche für seine Sache zu begeistern. „Es geht darum, zu verstehen, dass es um unsere Zukunft geht, die wir so gestalten können, wie wir wollen“, sagte der 19-Jährige.

Mit Blick auf Michael Holzem und Kerstin Meyn betonte der Propst, dass es sich lohnen kann, sich aktiv gegen etwas zu sträuben anstatt nur über den drohenden Verlust zu klagen. Holzem und Meyn hatten im Spätsommer mit viel Einsatz und Enthusiasmus für den Erhalt der Koslowski-Halle gekämpft. Und Holzem pflichtete ihm bei. „Wir wollten die Sache nicht einfach so hinnehmen“, erinnerte sich der Süderbraruper. „Ob unsere Initiative erfolgreich sein würde oder nicht, war zu dem Zeitpunkt ja noch gar nicht absehbar.“

Dass auch die Aktivitäten Volker Boldts auf lange Sicht Erfolg nach sich ziehen würden, davon war Jacobs überzeugt. Der Süderbraruper Polizist hatte unter anderem den Kriminalpräventiven Rat, den Moonlight-Sport und das Projekt „Spendenstark“ initiiert. Der Propst lobte den Umstand, dass Boldts Anliegen eher darin liegen, junge Menschen von einer unguten Tat abzuhalten, als sie dabei zu erwischen. Und tatsächlich machte Boldt seinen Beruf für seine Motivation verantwortlich. Sein Geheimrezept im Umgang mit den Jugendlichen ? „Ich begegne ihnen auf Augenhöhe, ohne mich in der Sprache anzubiedern“, sagte der 48-Jährige.

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker fasste nach der Kandidaten-Vorstellung zusammen, was vielleicht etliche der Gäste gedacht haben mögen: „Alle haben diese Auszeichnung verdient.“ Das Besondere an den Kandidaten: „Keiner hat gewartet, dass etwas passiert, sondern selber angepackt.“ Auf diese Weise habe jeder für sich seinen Teil zur Veränderung der Gesellschaft beigetragen. Ungethüm-Ancker erinnerte daran, dass allein in Kappeln 70 Vereine und Gruppen ehrenamtlich geführt würden – „und dahinter verbergen sich immer Menschen, ohne die die Gesellschaft nicht funktionieren würde“. Gleichwohl sei es wichtig, darauf zu achten, dass das Ehrenamt nicht ausgenutzt werde – „und dafür ist diese Auszeichnung „Mensch des Jahres“ so wichtig“. Die Bürgervorsteherin offenbarte ihren Wunsch, dass das Engagement der Kandidaten vielen ein Vorbild sein möge. Und: „Das Ehrenamt sollte nicht nur geschätzt, sondern auch unterstützt werden.“

Dass eben dieses der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) und die Flensburger Brauerei als Partner dieser Aktion verfolgen, verdeutlichte der stellvertretende Chefredakteur des sh:z Jürgen Muhl. In dem Bewusstsein, dass die Ehrenamtler das Leben in den Städten und auf dem Land entscheidend prägen, sei diese Auszeichnung entstanden. „Sie halten die Gesellschaft mit ihren herausragenden Leistungen am Leben“, sagte Muhl. Ähnliches formulierte Ralf Höpfner, Pressesprecher der Flensburger Brauerei, in Richtung der diesjährigen Kandidaten. „Sie haben eindrucksvoll gezeigt, mit welcher Tatkraft man Probleme zu Lösungen führen kann“, sagte Höpfner. „Ihre Arbeit und Ihre Ideen müssen in die Öffentlichkeit getragen werden.“

Als „Mensch des Jahres 2013“ hat Wolfgang Nödl nun dazu beste Gelegenheit. Der 70-Jährige freute sich über die Auszeichnung, machte gleichzeitig aber auch deutlich, dass „das, was man an Einsatz und Arbeit investiert, in mindestens dem gleichen Maße als Bereicherung zurückerhält“. Seit den 1990er-Jahren verbringt der inzwischen pensionierte Kinderarzt bis zu sechs Wochen in Ländern der Dritten Welt, arbeitet vor Ort mit einheimischen Teams zusammen. „Nur in dieser Konstellation ist es möglich, auch in so einer kurzen Zeit wie sechs Wochen sinnvolle Arbeit zu leisten“, würdigte der Grödersbyer das Engagement seiner Helfer, der mit einem Lächeln auf den Lippen zum Schluss noch einen Tipp an alle Anwesenden parat hatte: „Ich kann es jedem empfehlen, ein Ehrenamt anzunehmen.“

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