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Schlei-Bote

24. November 2017 | 17:53 Uhr

Höftland wird Naturschutzgebiet

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Tourismus bleibt erlaubt / Bestandsschutz für existierende Gebäude und Bewirtschaftung / Verfahren wird in einem Jahr abgeschlossen

Die Gemeinde Munkbrarup hat beantragt, das Höftland, eine Strandwalllandschaft zwischen Bockholm und Langballigau, mit der angrenzenden Steilküste an der Flensburger Außenförde als Naturschutzgebiet (NSG) auszuweisen. Das dazu notwendige Verfahren ist bereits eingeleitet und umfasst vier Phasen. Die erste davon wurde nun mit einer Bürgerinformation in der Gaststätte „Station L“ in Langballig abgeschlossen.

Ines Winkelmann, Diplomingenieurin für Landschaftsplanung, und der Diplomgeograf Dr. Thomas Holzhüter, beide vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek, erläuterten dazu die fachlichen und rechtlichen Hintergründe und Rahmenbedingungen. Schon im Jahre 2000 habe erstmals ein Gutachten bestätigt, dass das Gebiet schutzwürdig und schutzbedürftig ist. 2013 habe dann der Managementplan vorgelegen. Das gesamte im Entwurf vorgesehene Gebiet, bei dem der Bereich des Seglerhafens in Bockholmwik ausgenommen ist, umfasst 385 Hektar. Davon befinden sich 158 Hektar an Land, der Rest entfällt auf die vorgelagerte etwa 500 Meter breite Flachwasserzone. Neben ihr und dem unmittelbaren Strandbereich schließt sich das Höftland an. Dort konnten mehr als 200 Pflanzenarten nachgewiesen werden. 22 von ihnen sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste. Weiter landeinwärts folgt nach der überwiegend bewaldeten Steilküste ein Bereich mit Feuchtwäldern, Bachschluchten und kleinen Moorbereichen. Insgesamt, so die Wertung des Landesamtes, handelt es sich um ein „ostseetypisches dynamisches Küstenökosystem“, das in vergleichbarer naturnaher Ausprägung kaum noch in Schleswig-Holstein existiert und für den Naturschutz von herausragender Bedeutung ist.

Wie Winkelmann und Holzhüter erläuterten, ist das Ziel dieser Naturschutzgebiet-Ausweisung, dieses Ökosystem zu erhalten, zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen. Dabei sollen die Besonderheiten hervorgehoben und die Nutzung des Gebietes für Naherholung, Tourismus und Bewirtschaftung einbezogen werden. Im Strandbereich müsse die gebietsfremde Kartoffelrose zwingend bekämpft werden, dagegen seien natürliche Küstenveränderungen durch Erosion und Überflutung erwünscht.

Vorgesehen ist, dass die bisherigen Nutzungen erhalten bleiben, „wenn und soweit sie dem Schutzzweck nicht entgegenstehen“. Außerdem gibt es ein allgemeines Wegegebot und Leinenzwang für Hunde. Über die bisher vorhandenen baulichen Anlagen hinaus, die Bestandsschutz genießen, sind keine weiteren zulässig, gleiches gilt für Bodenbewegungen. Leichte Einschränkungen gibt es bei der jagdlichen Nutzung und der
Fischerei.

Im Anschluss an die nun beendete Phase folgt, wie Holzhüter erläuterte, nach den Osterferien der nächste Schritt mit der Anhörung der beteiligten Gemeinden sowie der Behörden und Träger öffentlicher Belange. Als Phase drei zählt danach die öffentliche Auslegung. Zum Schluss erfolgt das Ausfertigen und Veröffentlichen der Schutzgebietsverordnung durch den zuständigen Minister. Damit und folglich mit dem Inkrafttreten sei in etwa einem Jahr zu rechnen. Bis dahin sei das LLUR stets offen für Anregungen oder mögliche Bedenken.

Eingangs hatte Amtsvorsteher Peter-Wilhelm Jacobsen die mehr als 50 Anwesenden begrüßt und darauf hingewiesen, dass erste Initiativen für das Ausweisen des NSG schon 1999 erfolgt waren. In der abschließenden Diskussion ging es angesichts schon vorhandener Wanderwege darum, diese zu einem durchdachten System zu vernetzen. Großen Raum nahm dann noch die Frage der sogenannten „Verkehrssicherungspflicht“ auf den Wanderwegen ein. Gerade an der Steilküste käme es oft zu Abbrüchen und Absenkungen, die die Gangbarkeit der Wege teilweise stark beeinträchtigten. Da diese häufig auch durch Waldparzellen in Privateigentum führten, seien eindeutige Regelungen vonnöten. Für Bürgermeister Peter Dietrich Henningsen aus Langballig „ist das ein ganz heißes Thema“, das unbedingt geklärt werden müsse.


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