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Golfclub Stenerberg in Rabenkirchen-Faulück : „Hinter diesem blöden Ball läuft man her“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Golfclub Stenerberg feiert 20-jähriges Bestehen – und lässt eine Anfängerin auf das Grün.

shz.de von
erstellt am 15.Jul.2017 | 08:00 Uhr

Ich gehöre hier nicht dazu. Um das festzustellen, reicht ein kurzer Blick. Pinkes T-Shirt, weiße Hose, das sind die Farben des Tages, ich trage Blau in zwei unterschiedlichen Schattierungen. Die Damenriege des Golfclubs Stenerberg nimmt mich trotzdem überaus herzlich in ihrer Mitte auf, einen Tag darf ich mit auf die Runde, darf etwas ausprobieren, mit dem ich bislang höchstens in der Mini-Variante mal experimentiert habe. Und auch das nie besonders erfolgreich, vor allem aber zuletzt vor mindestens 20 Jahren. Auf eben diese Zahl an Jahren blickt der Golfclub Stenerberg in diesen Tagen zurück, und die einzelnen Sparten tragen ihr jeweiliges Jubiläumsturnier aus. Und dann kam ich dazu.

Eigentlich gehören 26 Mitglieder zur Damenriege, an diesem Tag sind nur 20 dabei – ganz schön viel Pink auf einem Haufen. Allerdings ein ausgesprochen fröhlicher Haufen. Mit einer ungewöhnlichen Geschichte. „Wir haben ja früher hier auf dem Acker gespielt.“ Das sagt Helga Kuke, eine kleine, feine Dame, die es wissen muss. Kuke ist Gründungsmitglied des Golfclubs im Jahr 1997 gewesen. „Jeden Sonntag, bei jedem Wetter waren wir draußen, und keiner von uns konnte wirklich Golf spielen.“ Dass das heute definitiv anders ist, ist mir schon wenige Minuten später klar.


Eine Sprache, die ich kaum verstehe


Um kurz vor eins schlägt Elke Köhn, Captain der Damenriege, zwei Mal kräftig auf die Glocke im Clubhaus – und redet danach in einer Sprache, die ich kaum verstehe. „Wir spielen heute Chapman-Vierer, Nearest to the Pin ist auf der Eins und auf der Zehn, longest Drive auf der Acht.“ Ah ja. Und dann etwas in meiner Sprache: „Wir sehen uns auf der Runde wieder“, sagt Köhn. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Elke Köhn und ihre Golf-Partnerin Anni Raav spielen heute außer Konkurrenz, nicht nur, aber auch meinetwegen. Damit ich alle meine Unwissenheit bei ihnen loswerden kann, verzichten die beiden auf eine, wie sich später zeigen wird, durchaus realistische Chance auf einen wirklich schicken gläsernen Jubiläums-Pokal. Bevor wir drei uns auf den Weg machen, fällt mein Blick auf einen Flyer, der im Clubhaus auf dem Tisch liegt. „Spiel Golf – sei cool!“ Na, mal sehen, wie cool ich am Ende dieser Runde dastehen werde.

Der Golfplatz in Rabenkirchen-Faulück ist ein Neun-Loch-Platz, heißt also: Für eine komplette Runde muss man ihn zweimal spielen. 70 Schläge, wenn alles optimal läuft. Und schon an Loch 1 die erste Regel: Elke Köhn baut sich am Abschlag auf, der Ball liegt auf dem Tee, in der Hand hält sie den Driver. Übersetzt: Elke Köhn will ins Spiel starten, ihr Ball liegt auf einem winzigen Stift, der im Boden steckt, in der Hand hält sie den Schläger-Typ, den man für eben diesen ersten Schlag benutzt. Rüdiger Wefers, Vorstandsmitglied im Club, raunt mir zu: „Jetzt müssen wir ganz still sein.“ Wie beim Tennis. Ruhe beim Aufschlag.

Elke Köhn holt also aus und schlägt zu. Ich versuche, dem Ball mit den Augen zu folgen. Klappt nicht, ich verliere ihn und wüsste ohne Elke Köhn und Anni Raav noch nicht mal, wo genau ich auf dieser riesigen grünen Fläche nach der abgeschlagenen kleinen weißen Kugel suchen sollte. Schließlich marschieren wir los, der Rest der pinken Truppe bleibt zurück und arbeitet sich nun nacheinander an Loch 1 ab.

440 Mitglieder zählt der Golfclub mittlerweile, Damen, Herren, Jugend, Senioren – jeder findet seine eigene Sparte. „Wir sind kein Nobelclub.“ Das hatte mir Helga Kuke noch mit auf den Weg gegeben. „Klar kann man 2000 Euro für einen Schläger ausgeben, muss man aber nicht. Bei uns soll jeder die Gelegenheit haben, mitzuspielen.“

Also auch ich. Ich habe noch nicht mal die richtigen Schuhe an, trage auch keinen Handschuh, kann aber, jetzt, da wir inzwischen ein paar Hundert Meter zurückgelegt haben, schon einen Driver von einem Putter unterscheiden. Wirklich! Elke Köhn erklärt: „Der Putter kommt nur auf dem Grün zum Einsatz.“ Und zack bin ich wieder irritiert: Alles um uns herum ist doch grün! Naja – nicht ganz, an einer Stelle ist es eben doch etwas grüner: Um jedes Loch haben diese kleinen Mähroboter, die auf dem Platz herumsausen, das Gras etwas kürzer geschnitten als an den übrigen Stellen. Es ist tatsächlich grüner – das Grün, auf dem mit dem Putter gespielt werden darf, mit dem Schläger also, mit dem man einlochen wird. Oder eventuell einlochen wird. Beim vierten Versuch. So wie ich. „Wer den Rasenmäher trifft, darf nochmal“, macht Elke Köhn mir Mut.

Köhn spielt seit 16 Jahren Golf im Club, ihr Handicap liegt bei 15,8, Anni Raavs bei 25,7. Ich habe noch nicht mal Platzreife – und darf an Loch 5 trotzdem noch mal zum Putter greifen. „Das Loch anvisieren – und dann, wenn du schlägst, nur noch auf den Ball gucken“, sagt Elke Köhn zu mir. Und tatsächlich: Ich werde besser! Der dritte Versuch auf dem Grün sitzt. Dass meine beiden Mitspielerinnen gerade mal fünf Schläge gebraucht haben, um die 232 Meter insgesamt bis zur Zielfahne zu überbrücken, blende ich für einen kurzen Moment aus. Hey! Ich habe eingelocht!


Ein einziger kleiner Fehltritt


Wir ziehen weiter von Bahn zu Bahn, ich bastle weiter an meiner neuen Fremdsprache, kann jetzt Pitchgabel und Sandwedge in den richtigen Situationen verwenden (das erste, wenn ich aus Versehen das Grün zerstöre – was ich nicht habe – und es reparieren muss, das zweite, wenn mein Ball im Bunker landet – was er nicht ist). Und Anni Raav erzählt mir, dass eine Freundin schuld war, dass sie der Golfvirus gepackt hat. „Und mal ehrlich“, sagt Raav noch. „Man würde doch nie vier bis sechs Kilometer am Stück spazieren gehen – aber hinter diesem blöden Ball läuft man mindestens so viel hinterher.“ Sie hat eine Hand am Golfwagen, marschiert über den Platz und lacht. Und dann passiert es. Loch 8. Anni Raavs Abschlag landet mitten am Baum, prallt ab und bleibt neben dem Stamm liegen. Auf dem Weg dahin ahnt Elke Köhn bereits: „Da kannst du nur rausspielen.“ Ohne Ziel, nur die grobe Richtung, Hauptsache zurück auf die Bahn. Es bleibt bei diesem einzigen kleinen Fehltritt, denn nach Loch 9 ist klar: Die beiden Damen in Pink haben eine 42er-Runde gespielt. Elke Köhns Urteil: „Das ist ziemlich gut.“ Und das, obwohl ich ständig dazwischen gefunkt habe.

Was ich gelernt habe nach gut zwei Stunden auf dem Platz Stenerberg? Für gutes Golfspiel ist gar nicht so viel Kraft nötig, wie ich dachte, dafür eher räumliches Denken und Konzentration. Und tatsächlich läuft man unheimlich viel in der Gegend herum. Was ich bei meiner Premiere ganz bestimmt nicht war, ist cool. Und mein Kleiderschrank benötigt dringend ein pinkes T-Shirt. Vielleicht will ich ja noch mal wiederkommen.


> Golfclub Stenerberg, Morgensterner Straße 6, Rabenkirchen-Faulück, www.golfplatz-stenerberg.de

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