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AWO-Kappeln : Hilfe in Form von günstigen Jeans

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die AWO-Kleiderkammer eröffnet ihre neue Filiale nach Umzug in die Mühlenstraße. Die Zahl der Bedürftigen steigt weiter an.

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Es ist der siebte Umzug in acht Jahren für die Mitarbeiter der AWO-Kleiderkammer in Kappeln. Diesmal ging es in die Mühlenstraße 19. Die neue Filiale bietet aber mehr als nur Kleidung. Von Haushaltswaren über Bücher und Brettspiele ist fast alles vorhanden, denn das neue 100 Quadratmeter große Zuhause hat mehr Platz als das alte in der Arnisser Straße. Und diesmal wollen sie länger bleiben. Erstens, weil der Mietvertrag unbefristet läuft und die Resonanz schon jetzt sehr erfreulich sei.

„Es kommen jetzt schon 30 bis 40 Kunden am Tag“, sagt Maria Winter ein paar Tage nach der offiziellen Eröffnung. Die Vorsitzende des AWO-Ortsvereins freut sich besonders, weil nun auch Kunden sie besuchen, die vorher in der Arnisser Straße fernblieben. „Vielleicht haben die Leute dort größere Schwellenängste gehabt“, sagt sie. Es kämen aber auch Leute vorbei, deren Kleiderschränke noch voll sind. Und die würden vor allem neue Stücke vorbeibringen, die die AWO-Mitarbeiterinnen gerne in Empfang nehmen. „Wir nehmen alles an, was wir tragen und im Lager aufbewahren können“, sagt Maria Winter. In der neuen Geschäftsstelle ist daher auch fast kein Platz mehr in den Regalen, obwohl der Umzug wegen Platzmangel initiiert wurde. „Wir haben aber vor, diesmal etwas länger zu bleiben“, sagt Winter lachend.

Ihre bisherigen Bemühungen wurden bei der Eröffnung von allen Gästen gewürdigt. „Ich habe Hochachtung vor ihnen und ihrem Team, weil sie die Kleiderkammer am Leben halten“, sagte Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker. Was nutze schon eine neue Hülle, wenn man sie nicht mit Leben füllen könne. „Was sie und ihre Kollegen hier leisten, ist bemerkenswert“, würdigte auch der AWO-Kreisvorsitzende Günter Nissen.

Eine Woche zuvor hätten Winter und ihre Mitarbeiter noch nicht daran geglaubt, dass sie den Verkauf am 1. April wieder starten können. Das wäre allerdings ein schlechter April-Scherz gewesen, denn der Bedarf scheint höher denn je zu sein. „Es gibt immer mehr Menschen, die nicht genug verdienen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen“, mahnt der Verbandssekretär des AWO-Landesverbands Helge Hinz. Vor allem ältere Menschen hätten durch ihre geringen Renten Probleme. „Für sie sind solche Einrichtungen ein Rettungsanker“, sagt Hinz.

„Wahrscheinlich gibt es sogar mehr Bedürftige als uns bekannt ist“, sagt Jürgen Strahl. Der Schriftführer im AWO-Ortsverband spricht der Kleiderkammer daher eine hohe Bedeutung zu. „Sie wird schon jetzt sehr gut angenommen. Aber wir merken, dass die Tendenz weiter steigt“, so Strahl. In Kappeln sei der Bedarf sehr groß, sagt auch die Ortsvorsitzende Winter. Und das nicht nur bei Kleidungsstücken: „Es werden zum Beispiel auch Spielsachen für Kinder benötigt“, sagt Winter. Auch Kindermode wird noch gesucht. „Jeder kann bei uns seine Sachen abgeben und damit jemand anderem helfen“, erklärt die Kammer-Chefin.

Dabei geht es den Verantwortlichen nicht ums Geld. „Hartz-IV-Empfänger bekommen bei uns 50 Prozent Rabatt auf jedes Kleidungsstück“, erklärt Winter. Eine Markenjeans würde somit nur noch einen Euro kosten. Das Geld ist aber wohl das kleinere Problem, denn viele Bedürftige würden sich zu sehr schämen, um zur Kleiderkammer zu gehen. Der Ortsverein könne durch das eingenommene Geld zwar vielen Bedürftige unterstützen, „aber sie müssen uns eben darauf ansprechen“.


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