Tierschutzzentrum Weidefeld in Kappeln : Hier wohnen bald Bären

Auf dem Plan ist bereits alles eingezeichnet: Patrick Boncourt steht mitten im Grün, das bald zum natürlichen Gehege für fünf Bären wird.
Auf dem Plan ist bereits alles eingezeichnet: Patrick Boncourt steht mitten im Grün, das bald zum natürlichen Gehege für fünf Bären wird.

Drei Braun- und zwei Kragenbären ziehen im Herbst des nächsten Jahres im Weidefelder Tierschutzzentrum ein.

shz.de von
08. Juni 2018, 07:00 Uhr

Ja, es dauert noch eine ganze Weile, bis die neuen Bewohner im Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld ankommen. Erst im Herbst des kommenden Jahres muss alles vorbereitet sein. Diese Zeit aber, so viel ist klar, braucht das Team um Patrick Boncourt auch, um zu planen, umzubauen, zu verändern, damit sich die Neuankömmlinge auch tatsächlich wohl fühlen. Denn fünf Bären bringt man nicht mal eben einfach so unter. Nicht mal im Tierschutzzentrum Weidefeld.

Drei Braunbär-Weibchen und zwei Kragenbär-Männchen sollen in eineinhalb Jahren in Weidefeld einziehen. Derzeit sind „Serenus“, „Balou“, „Mascha“, „Ronja“ und „Maya“ noch im Anholter Bärenwald in Isselburg (Nordrhein-Westfalen) zu Hause. Der Betreiber, die International Bear Federation, steht jedoch vor einem Problem: Der Pachtvertrag für das insgesamt 2,5 Hektar – zwei Hektar davon für die Bären – große Gelände, das sich in Privatbesitz befindet, läuft Ende 2019 aus. „Und weil der Deutsche Tierschutzbund schon von Beginn an in das Projekt involviert war, kamen wir ins Spiel“, sagt Patrick Boncourt. Der Tierschutzbund ist Träger der Weidefelder Einrichtung, die mit Boncourt seit Februar dieses Jahr über einen Biologen verfügt, der bereits europaweit Bärenanlagen gebaut hat. „Zufall“, sagt er und lächelt.

Gleichwohl hat er schon ziemlich konkrete Pläne im Kopf, wenn er von der Anlage spricht, die nun im hinteren Bereich des ehemaligen Bundeswehrgeländes entstehen soll. Boncourt spricht von drei Großgehegen und zwei kleinen Einzelgehegen, die nun errichtet werden müssen, um im Notfall alle fünf Bären getrennt unterzubringen. Ein großer Badesee existiert bereits auf dem Areal, vier weitere kommen hinzu. Das gesamte Gehege wird eingezäunt, der Zaun elektrisch gesichert, außerdem wird darauf geachtet, dass sich die Tiere nicht ausgraben können. Zwei der früheren Bundeswehrbunker auf dem Gelände werden extra für die neuen Bewohner umgebaut: Es entstehen Innenstallungen, ein medizinischer Bereich, ein Futterlager, eine Waage. Zwei Hektar werden die Bären auch in Weidefeld zur Verfügung haben, und Patrick Boncourt kündigt eine „naturnahe Haltung“ an. Grob geschätzte Kosten: 1,5 Millionen Euro.

Viel Wasser, viele Bäume, üppig bepflanzte Wiesen, vereinzelt weichen asphaltierte Wege, sodass neu aufgeforstet werden kann. Die Tiere sollen Platz zum Verstecken haben, die Chance sich zurückzuziehen und Winterruhe zu halten. „Das ist anders als im Zoo“, sagt der Experte. Dort werde den Bären nicht immer die Gelegenheit gegeben, ihren natürlichen Rhythmus einzuhalten. Wichtig zudem: „Wir werden keine Besucher hier durchschleusen.“ Auch das soll den Bären zugute kommen, schließlich haben sie kein ganz einfaches Leben hinter sich: „Mascha“ etwa hat lange in einem viel zu kleinen Gehege leben müssen, „Maya“ lebten jahrelang in einem kleinen Käfig neben einer Gaststätte und wurde mit Kuchen und Cola gefüttert.

Bereits im Anholter Bärenwald war das anders, und wenn das Quintett seine alte Heimat jetzt verlassen muss, will man es gut darauf vorbereiten. Boncourt: „Wir lassen extra Transportkäfige anfertigen, die schon Monate vorher im Bärenwald eintreffen, damit sich die Tiere daran gewöhnen können.“ Wenn alles läuft wie geplant, werden die Bären von sich ohne Betäubung in die Käfige marschieren und anschließend nach Weidefeld transportiert.

Dort geht man derweil von einem Baustart im nächsten Jahr aus, und beschäftigt sich gedanklich auch mit der personellen Herausforderung. „Da müssen wir auf jeden Fall aufstocken“, sagt Patrick Boncourt. Ein Tierpfleger mit entsprechender Erfahrung und dem nötigen Hintergrundwissen wäre der Idealfall. Damit sich „Serenus“, „Balou“, „Mascha“, „Ronja“ und „Maya“ möglichst schnell in Weidefeld zu Hause fühlen.

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