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Leben, wo andere Urlaub machen : Herrscher über 209 Betten

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Teil 7 unserer Serie: Kerstin Hesse und Steffen Lorenz sorgen dafür, dass Besucher der Jugendherberge Kappeln schöne Tage verleben können.

„Kein Tag ist wie der andere“ - diese Erfahrung haben Kerstin Hesse und Steffen Lorenz als Herbergsmutter und -vater der Jugendherberge Kappeln längst gemacht. Seit mittlerweile zehn Monaten sind sie die Herbergseltern. Da müssen sie sich von jetzt auf gleich auf immer neue Situationen einstellen. Ob Wasserrohrbruch im Keller oder Einlass von Gästen nach Mitternacht, die „aushäusig“ waren und ihren Haustürschlüssel vergessen haben – alles wird prompt erledigt.

Was bei den Herbergseltern dagegen jüngst für eine gewisse Aufregung sorgte, war das, was der neunjährige Henrik und sein zwei Jahre älterer Bruder Jannes aus Gescher im Münsterland am Ufer der Schlei des zur Jugendherberge gehörenden Geländes entdeckten. „Da liegt ein Grabstein“, berichteten sie. Steffen Lorenz kletterte mit den Jungs runter zur Schlei und tatsächlich: Da lag ein großer Findling – darauf ein Kreuz und die Jahreszahl 1949. Sicherlich kein Grabstein – aber was dann? Der Sache soll nachgegangen werden.

Kerstin Hesse stammt aus Münster, versteht sich als zugereistes Nordlicht. In Flensburg hat die 29-Jährige auf Lehramt für Grundschulen – Englisch und Verbraucherbildung (Hauswirtschaft) – studiert. Nach dem Referendariat im Sommer vergangenen Jahres war sie arbeitslos. Ihr ein Jahr jüngerer Lebensgefährte Steffen Lorenz ist als gebürtiger Flensburger ein echtes Nordlicht und Kfz-Meister, leitete zuletzt eine Motorrad-Werkstatt. Seit 2008 kennen sich die beiden und beide haben ein Faible für Jugendherbergen.

Weil Kerstin Hesse nicht arbeitslos sein wollte, fragte sie bei der Flensburger Jugendherberge nach, ob die nicht etwas für sie hätte. Der Rat: „Übernimm doch die Jugendherberge in Kappeln – dort ist die Leitung vakant.“ Sie beriet sich mit ihrem Lebensgefährten, beide bewarben sich und „schwuppiwupp hatten wir die Zusage“. Diesen Schritt haben beide bis heute nicht bereut. Längst ist ihnen die Kappelner Jugendherberge, in der sie auch wohnen, ans Herz gewachsen. Nach ihrem Einstieg in der Nebensaison „brummt jetzt der Bär“. Alle 176 Betten im Haupthaus in 47 Zimmern und die 33 Betten in der Außenstelle, dem Umwelthaus im Naturerlebniszentrum von Maasholm – für Selbstversorger –, sind ausgebucht: „Die Akzeptanz ist groß.“

Ob Behinderten-Freizeiten der „Lebenshilfe“, andere Freizeiten, Familien mit bis zu fünf Kindern, Radwanderer, Alleinreisende und Gruppen – für sie alle steht die Tür offen. Auch wenn das Haus „voll“ ist, findet sich doch immer noch ein Plätzchen für Leute, die spätabends eintreffen und für eine Nacht mit Dusche und Frühstück bleiben möchten. Die Besucher kommen aus allen Teilen der Republik, aber auch aus den Niederlanden, der Schweiz, aus Österreich, Dänemark und sogar Australien. Der Schlüssel, der ihnen die Jugendherberge öffnet, ist die Mitgliedschaft im Deutschen Jugendherbergswerk oder dem internationalen Youth-Hostel-Verbund.

Die durchschnittliche Verweildauer der Gäste liegt bei 3,37 Nächten. Anhand der Anmeldungen rechnen die Herbergseltern für dieses Jahr in beiden Häusern mit rund 17 000 Übernachtungen und 5500 Gästen – so wie in den zurückliegenden Jahren.

Kerstin Hesse und Steffen Lorenz wollen nicht nur einfach ein Übernachtungshaus sein. Jeden Donnerstag gibt es deshalb einen Grillabend, bei dem auch Vegetarier und Veganer nicht zu kurz kommen. Zu ihrem Konzept gehört zum Jahresende ein „Silvesterfeuer am Ostseefjord“, in der Nachsaison E-Bike-Touren, Besuche im Barfußpark in Schwackendorf, erlebnispädagogische Aktivitäten – und auch etwas für Motorradfahrer. Ihr Bestreben ist es, den Gästen etwas zu bieten, was ihnen Kappeln, die Schlei und die gesamte Region nahebringt.




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