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Kappeln : Heringszaun nimmt die erste Hürde

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Aktivregion Schlei-Ostsee spricht sich für eine landesweite Förderung des Wahrzeichens aus.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2016 | 07:15 Uhr

Die Arbeitsgruppe Fischerei der Aktivregion Schlei-Ostsee hat am Montagnachmittag zwei Projekte auf den Weg gebracht, die beide das Potenzial haben, die Fischerei im Allgemeinen und den Berufsstand des Fischers im Besonderen aufzuwerten. Zum einen befürwortete die Gruppe eine Förderung des Kappelner Heringszauns, zum anderen will sie aus eigenen Mitteln den Neubau eines Fischerhauses auf dem Schleswiger Holm unterstützen.

Es war eine äußerst gut besuchte Sitzung, die Arbeitskreissprecher Hans-Christian Green im Kappelner Rathaus leitete. Etliche Bürgermeister der Umlandgemeinden waren dabei, mindestens ebenso viele Berufsfischer, außerdem Vertreter des Tourismus. Allerdings: Einige bemängelten fehlende Unterlagen, andere beklagten sich darüber, dass sie bei Projektentscheidungen nicht mit abstimmen durften. Letzter Punkt nämlich obliegt – laut Geschäftsordnung, die ebenfalls während dieser Sitzung verabschiedet wurde – einem zwölfköpfigen Entscheidungsgremium.

Die Diskussion um Projekte jedoch stand allen Anwesenden offen, und so läutete Jan-Lorenz Fischer, Fischer aus Schleswig, die Debatte um den Heringszaun mit den Worten ein: „Der Heringszaun geht uns alle an.“ Damit war auch bereits die Tendenz klar, den, nach aktuellen Zahlen mit mindestens 450.000 Euro taxierten Neubau des Kappelner Sinnbildes als sogenanntes Poolprojekt anzumelden. Über Poolprojekte entscheiden alle Aktivregionen im Land gemeinsam, dafür verfügen sie über 1,4 Millionen Euro aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds während der gesamten Förderperiode, die noch bis 2020 läuft. Allerdings muss sich der Heringszaun, dessen Sanierung die Bohrmuschel erforderlich macht, in diesem Fall dem Vergleich mit anderen Poolprojekten stellen. Geht man von einer Bausumme von 450.000 Euro aus, sind nach derzeitigem Stand laut Greens Rechnung 321.000 Euro förderfähig, einen Teil trage die Denkmalpflege, sodass für die Stadt ein Eigenanteil von 72.000 Euro bliebe, an dem sich auch der Verschönerungsverein mit seiner bereits feststehenden Spende beteiligen könne. Ulrich Bendlin, der das Projekt seitens der Kappelner Stadtverwaltung betreut, betonte, zwar noch über keinen politischen Beschluss dazu zu verfügen – „aber bei diesem Betrag gehe ich davon aus, dass das finanzierbar ist“. Einstimmig votierte der Arbeitskreis dafür, eine Projektförderung aus dem landesweiten Topf anzustreben. Eine Entscheidung darüber, ob der Zaun am Ende Pool-Mittel erhält, erwartet die Aktivregion noch in diesem Jahr. In der Vergangenheit waren bereits die Maasholmer Kahnstellen und die Fischräucherei in Eckernförde als Poolprojekte erfolgreich.

Als finanzierbar könnten auch Jörn und Christian Ross ihr Projekt erachten. Die Fischer vom Schleswiger Holm, Vater und Sohn, möchten auf ihrem Grundstück ein neues Fischerhaus bauen, das im Erdgeschoss einen Betriebsteil mit Werkstatt, Lager, Trocken- und Kühlraum, im Obergeschoss eine Werkswohnung und im Spitzboden einen Abstellraum umfassen soll. Die geschätzten Kosten liegen bei 424.000 Euro, davon sind – nach Greens Worten – 146.000 Euro mit Hilfe der Aktivregion förderfähig, für weitere 26.000 Euro habe das Legat Sonntag, eine Schleswiger Stiftung, eine Zusage erteilt. Seit Beginn der Förderperiode 2014 hat die Arbeitsgruppe Fischerei ihr jährliches Budget von 40.000 Euro aus dem Fischereifonds nie abgerufen, inzwischen verfügt sie also über 120.000 Euro. Und Dirk Vowe vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume machte deutlich, dass die erste Tranche von 2014 im kommenden Jahr verfallen würde. „Wenn wir das jetzt genehmigen, können wir für den Rest des Jahres nichts anderes fördern“, sagte Vowe. Gleichzeitig warnte er davor, das Projekt Fischerhaus ebenfalls als landesweites Poolprojekt zu deklarieren. „Der Heringszaun hat eine ganz andere Strahlkraft“, sagte Vowe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein privates Projekt von landesweitem Interesse ist.“ Gleichwohl erkannte das Gremium eine Bedeutung hinter den Plänen der Familie Ross. Green etwa sagte: „Wir müssen auch an die Nachwuchsfischer denken und dafür sorgen, dass sie eine vernünftige Wirkungsstätte haben. Dieses Projekt ist zukunftsweisend und existenzsichernd.“ Auch Hans-Werner Berlau, Vorsitzender der Aktivregion, lobte den perspektivischen Ansatz und sagte: „So tragen wir dazu bei, eine alte Tradition am Leben zu erhalten.“ Und Jan-Lorenz Fischer erkannte im Neubau auf dem Holm eine Bereicherung für Touristen. Einstimmig sprach sich der Arbeitskreis dafür aus, das Projekt mit 120.000 Euro zu fördern.

Abschließend sprach Kristian Dittmann, Betreiber einer Strandmanufaktur in Schwackendorf zur Aufwertung von Seegras, davon, ein eigenes Versuchsprojekt zu starten, um die Schlei von Müll zu befreien. Mit Hilfe eines besonders flachen Bootes will er zunächst von Juni bis zum Herbst, eventuell unterstützt von Flüchtlingen, an Stränden oder Häfen Müll sammeln, kartografieren und die Resultate auswerten.

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