zur Navigation springen

Mühle „Amanda“ : Heiße Diskussion um Brandschutz

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Mühle „Amanda“ ist im Falle eines Feuers nicht ausreichend gesichert. Der Kreis hatte im Sommer Forderungen gestellt, um das zu ändern.

Die Mühle „Amanda“ ist ein echtes Kappelner Wahrzeichen. Am Montagabend stand das 128 Jahre alte Bauwerk anlässlich der Bauausschusssitzung erneut im Zentrum der Aufmerksamkeit, Grund war der immer noch fehlende Brandschutz. Das allerdings war, wie sich zeigen sollte, gar nicht das eigentliche Problem, immerhin waren sich sowohl Politik als auch Verwaltung dieses Umstandes schon seit Längerem bewusst. Heikel war vielmehr die Frage, weshalb die Politik von einer Brandverhütungsschau, die der Kreis im vergangenen August vorgenommen und aus der er Forderungen für die sichere Weiternutzung der Mühle abgeleitet hatte, nach eigenen Worten erst im Zuge der Sitzung erfahren hatte. Hinzu kam die Tatsache, dass eben diese Forderungen an Fristen geknüpft waren, die allesamt bereits verstrichen waren. Der Boden für eine aufgeladene Diskussion war also ausreichend genährt.

Anfang August 2015 hatten sich Vertreter der Stadt, der Freiwilligen Feuerwehr und des Brand- und Katastrophenschutzes des Kreises in der Mühle zur Brandverhütungsschau getroffen. Das Ergebnis: Fünf Maßnahmen wurden eingefordert, die eine „sichere Weiternutzung“ der Mühle ermöglichen sollten – alle verbunden mit Fristen, die spätestens am 31. Oktober 2015 abliefen. Vier davon waren laut Beschlussvorlage von Montagabend von der Stadt bereits erfüllt wurden oder sollen im laufenden Haushaltsjahr erfüllt werden. Nicht erfolgt ist bislang die bauliche Trennung des Treppenhauses der Mühle von den einzelnen Etagen – obwohl auch dieser Punkt bis zum 31. Oktober 2015 hätte abgearbeitet werden müssen. Bis zur Erledigung sollte der Brandschutz in besonderen Fällen (etwa bei Trauungen) durch eine Sicherheitswache von zwei Feuerwehrleuten gewährleistet werden. Dem Bauausschuss legte die Verwaltung nun eine Kostenschätzung von 55.000 Euro für die Einhausung der Treppe vor.

Die erste Kritik kam von Matthias Mau (CDU). „Wir sind investitionswillig“, sagte er. „Aber dazu bedarf es guter Vorlagen, und das sehe ich hier nicht.“ Mau nannte es „ein Unding, dass wir erst jetzt davon erfahren“ und forderte ein detailliertes Leistungsverzeichnis sowie eine Planungsskizze der geforderten Einhausung. Auch Rainer Moll (SPD) stellte klar, bislang nicht um den Zeitdruck gewusst zu haben. „Jetzt“, sagte Moll, „stehen wir vor der Frage, ob wir die Mühle vor dem Saisonstart womöglich zumachen müssen“. Corinna Graunke (CDU) nutzte den Ausdruck „skandalös“, um die verstrichene Zeit zu beschreiben und sagte: „Hier wird einfach in Kauf genommen, dass ein Brand entsteht. Ist das Thema vielleicht im Wahlkampf untergegangen?“ Bürgermeister Heiko Traulsen, dem der letzte Satz galt, nannte Graunkes Äußerung „eine humoristische Einlage“ und betonte, dass die Mühle immer wieder Thema in den Fraktionsleiterrunden gewesen sei. Zudem sagte er: „Wir entsprechen in unserem Tun den Auflagen des Kreises.“ Unterstützung kam von Peter Koch (LWG): „Lasst uns die Sache doch erst prüfen, bevor wir irgendwelche Vorwürfe gegen die Verwaltung erheben.“

Michael Arendt (LWG) wollte wissen, ob der geforderte Umbau die dauerhafte Nutzung der Mühle in ihrer jetzigen Form gewährleiste. Tatsächlich hatte bereits im März der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Touristik die Verwaltung gebeten, nach anderen Standorten für die Touristinfo (TI) zu suchen – auch weil die Ostseefjord-Schlei GmbH (OFS), die die TI betreibt, neben dem fehlenden Brandschutz die mangelnde Barrierefreiheit der Mühle angeprangert hatte. Am Montagabend erklärte Ulrich Bendlin von der Verwaltung, dass sich Ende 2015 ein runder Tisch auf den Südhafen als möglichen neuen Standort konzentriert habe. Mittlerweile läge ein Angebot eines Planers vor. Bendlin: „Untätig waren wir nicht.“ Allerdings: „Die Brandschutzmaßnahmen sichern die dauerhafte Nutzung der Mühle. Aber die TI muss mittelfristig raus.“

Diesen Standpunkt vertritt auch OFS-Geschäftsführer Max Triphaus, der bis vorgestern nach eigenen Worten keine Kenntnis von den Ergebnissen der Brandverhütungsschau hatte – „und was ich nicht weiß, kann ich nicht umsetzen“. Eine Forderung des Kreises betraf die Unterweisung der TI-Mitarbeiter über die Bedienung der Brandmeldereinrichtungen. Triphaus: „Das wird umgehend nachgeholt.“ Ungeachtet dessen betrachtet er den geforderten Umbau der Mühle als „Aufruf, die Planung für einen neuen TI-Standort zu intensivieren“.

So etwas wie eine kleine Entwarnung kommt derweil vom Kreis. Von der Pressestelle hieß es, dass die Stadt um Fristverlängerung gebeten habe, die ihr bis zum 30. Juni gewährt worden sei. Als Begründung habe die Stadt „mangelnde Haushaltsmittel“ geltend gemacht, die eine Umsetzung der Forderung bislang nicht erlaubt hätten.

Der Bauausschuss änderte indes seinen Beschluss. Er beauftragte die Verwaltung einstimmig, bis zur nächsten Sitzung mögliche neue TI-Standorte vorzustellen, eine detaillierte Planung der Einhausung vorzulegen sowie den Einsatz der Brandwachen bei Trauungen nachzuweisen.  

zur Startseite

von
erstellt am 03.Feb.2016 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen