Kappeln : Heimat für Echse und Braunbär

Aufmerksam beobachten Malin und Fenris Kobarg eine Bartagame. Dr. Katrin Umlauf, Tierpflegerin Kerstin Onken und Dr. Brigitte Rusche (v.li stehend) informieren die Kinder über das Tier.
Aufmerksam beobachten Malin und Fenris Kobarg eine Bartagame. Dr. Katrin Umlauf, Tierpflegerin Kerstin Onken und Dr. Brigitte Rusche (v.li stehend) informieren die Kinder über das Tier.

Das Tierschutzzentrum in Weidefeld wird 15 Jahre alt. Großes Interesse besteht am Reptilienhaus.

shz.de von
16. Juli 2018, 06:49 Uhr

Kappeln | Familien mit Kindern, Senioren mit und ohne Hund, sie hatten am gestrigen Sonntag, trotz sommerlichen Badewetters, das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld als Ziel. Es galt ein kleines Jubiläum zu feiern: Seit 15 Jahren betreibt der Deutsche Tierschutzbund auf 13 Hektar ein Tierschutzzentrum.

Dr. Katrin Umlauf, Leiterin der Tierschutzstation, erinnerte sich an den Beginn, als man das erste Mal das Gelände erkundete. Große grüne Flächen mit einer Vielzahl Betonbunker bestimmten die Fläche, die einst der Bundeswehr als Munitionsdepot diente. „Wir waren bereits damals im Bundesvorstand von der Richtigkeit und Notwendigkeit der Investition in dieses Projekt überzeugt“, berichtete Tierschutzbund-Vizepräsidentin Dr. Brigitte Rusche, die wegen des Jubiläums nach Weidefeld gekommen war, um den Stellenwert der Einrichtung für den Deutschen Tierschutzbund zu unterstreichen. Weidefeld sei nicht nur eine Aufbewahreinrichtung für verstoßene Tiere, hob die Vizepräsidentin hervor, sondern entwickele sich immer mehr zu einer Einrichtung der Tierforschung. Es begann kurz nach der Eröffnung, man hatte sich noch gar nicht richtig eingefunden auf dem Gelände, als eine Ölkatastrophe an der Nordsee eine Vielzahl von Seevögeln an Land spülte, die Ölverschmiert ihrem sicheren Tod entgegensahen. Nach Weidefeld gebracht, wurden die Tiere hier gesäubert und aufgepäppelt. Wenn in Deutschland Tiergruppen in Not gerieten, war Weidefeld schnell als Anlaufstelle vorgesehen.

Durch die große zur Verfügung stehende Fläche können tiergerechte Unterkünfte bereitgestellt werden. Teilweise gehen dem Einzug der Tiere größere Baumaßnahmen voran. So im vergangenen Jahr, als ein Reptilienhaus eingeweiht werden konnte. „Es ist eine Mode geworden, exotische Tiere als Haustiere zu halten, ohne das geringste Wissen über die teilweise intensiven Haltungsvoraussetzungen zu haben“, beklagte Brigitte Rusche. Irgendwann landen viele dieser Tiere im Tierheim, die wiederum nicht auf Exoten eingestellt sind. Aus diesem Grund wurde in Weidefeld eine zentrale Einrichtung geschaffen, um Exoten Tiergerecht unterzubringen.

Im kommenden Jahr werden Bären die Einrichtung bereichern. Aus Weidefeld kommen auch Studien über die Haltung von Problemtieren. Katrin Umlauf berichtet von Problemhunden, vermeidet bewusst den Begriff Kampfhund, die in Weidefeld therapiert werden. Die hier gewonnenen Erfahrungen werden dem Deutschen Tierschutzbund und damit den Tierheimen in Deutschland zur Verfügung gestellt.

20 Mitarbeiter, darunter acht Tierpfleger, kümmern sich um das Tierwohl in Weidefeld. Eine von ihnen ist Kerstin Onken, die im Reptilienhaus bis zu 80 Tiere betreut. In der Ausbildung zur Tierpflegerin hat sie im Praktikum in einer Reptilienstation gearbeitet und Interesse an diesen Tieren gefunden. „Reptilien sind völlig andersartig, als die Tiere in unserer Heimat“, berichtet die 24-Jährige. Je wärmer es wird, desto munterer werden diese Tiere. Im Rahmen von Fortbildungsmaßnahmen will sich Kerstin Onken zur Reptilienexpertin weiterbilden lassen. Da waren Malin und Fenris Kobarg aus Kappeln mit ihren Fragen zur Bartagame richtig aufgehoben. Die ließ sich in ihrem Terrarium von den neugierigen Blicken der zehn- und 13-Jährigen Kinder nicht stören.

Der Shanty-Chor Kieler Förde sorgte für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung.

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