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Interkulturelles Fest : Heilsame Begegnungen auf dem Deekelsenplatz

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

„Vielfalt macht viel mehr möglich“: Das zweite Interkulturelle Fest punktet mit einem abwechslungsreichen Programm.

Kappelns zweites „Interkulturelles Fest“ wurde zwar immer wieder von fiesem Nieselregen gestört, trotzdem überwog ein absolut positiver Eindruck – vor allem deshalb, weil das Fest deutlich besser organisiert schien als bei seiner Premiere. Mehrere Hundert Menschen kamen gestern Nachmittag auf den Deekelsenplatz, manche schlenderten einfach nur darüber hinweg, hörten sich einen Moment lang Worte und Musik an, andere blieben längere Zeit, sangen und klatschten mit und informierten sich an den Ständen der Vereine und Verbände. Über allem lag das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche „Vielfalt macht viel mehr möglich“ – der Beweis folgte gestern auf dem Deekelsenplatz.

In seinem Grußwort forderte Bürgermeister Heiko Traulsen, gleichzeitig Schirmherr der Veranstaltung, einen „wertschätzenden Umgang“ miteinander ein, ungeachtet von Religion, Geschlecht oder Hautfarbe. Traulsen setzt auf die Begegnung und den Dialog, denn „beides fördert Respekt und verhindert Vorurteile“. Auch Propst Helgo Jacobs machte deutlich, dass Vielfalt bedeute, viel von anderen lernen zu können – etwa dänische Gelassenheit, arabische Gastfreundschaft oder italienisches Temperament. Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssten, verlören gewohnte Dinge. Jacobs: „Da sind heilsame Begegnungen nötig.“ Dazu passte das Gleichnis aus dem Lukas-Evangelium vom barmherzigen Samariter, das Heinz-Erik Iversen, Pastor im Ruhestand, verlas – die Geschichte eines Fremden, eines Unbeliebten, der sofort und als einziger hilft. Jacobs ging im Anschluss kurz auf die aktuell weltweit schwelenden Konflikte ein und sagte: „Das Mittel des Krieges scheint wieder gesellschaftsfähig zu werden. Daran sollten wir uns aber nicht gewöhnen.“ Der amtierende Heringskönig Ulrich Brüggemeier, gleichzeitig Kreispräsident, machte sich ebenfalls für mehr Miteinander stark. „Es ist anstrengend, Flüchtlinge aufzunehmen“, sagte er. „Aber es muss möglich sein.“

Zu den Vereinen, die mit einem Stand vertreten waren, gehörte der Förderverein der evangelischen Kita Ellenberg. Dessen Vorsitzende Stefanie Bendzko erläuterte die Integrationsarbeit der Kita, die überwiegend über den Faktor Sprache läuft. „Unsere Kita besuchen viele Kinder mit Migrationshintergrund, die zu Hause nicht unbedingt Deutsch sprechen“, sagte Bendzko. „Wir haben Sprachpädagogen, die mit ihnen intensiv die deutsche Sprache fördern.“

Auch Karl-Christoph Jensen, Vorsitzender des Nabu Nordschwansen, hat die Integration fest im Blick. Er berichtete von einem Biologie-Studenten mit türkischem Hintergrund, der beim Nabu ein Praktikum absolviert hatte. „Die Zusammenarbeit war sehr, sehr erfolgreich“, sagte Jensen, der bei seinem Praktikanten enorme Einsatzfreude ausgemacht hatte und heute noch mit ihm in Kontakt steht. Die Kappelner „Lions“ setzen mit ihrem „Klasse-2000“-Projekt auf die Förderung der Sozialkompetenz bei Grundschülern, und die Rheuma-Liga hält grundlegende Informationen zu mehreren Krankheitsbildern in unterschiedlichen Sprachen vor. Auf diese Weise trägt jeder der einzelnen Vereine ein Stück dazu bei, dass sich Menschen aus anderen Ländern und Kulturen in Kappeln schneller willkommen und irgendwann sogar heimisch fühlen. Denn wie es Heinz-Erik Iversen in einem Sketch des großen Humoristen Karl Valentin wiedergab: „Weil jeder Fremde, der sich fremd fühlt, ein Fremder ist, und zwar so lange, wie er sich
nicht mehr fremd fühlt, dann ist er kein Fremder mehr.“

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erstellt am 27.Sep.2014 | 08:00 Uhr

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