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Bürgermeisterwahl Kappeln : Heiko Traulsen bleibt Chef im Rathaus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Amtsinhaber gewinnt alle fünf Wahlbezirke mit deutlichem Vorsprung – die unterlegene Marta Kraft zeigte sich sichtlich enttäuscht.

shz.de von
erstellt am 28.Sep.2015 | 08:47 Uhr

Kappeln | Der Alte ist der Neue: Der bisherige Amtsinhaber Heiko Traulsen hat die Bürgermeister-Wahl am Sonntag eindrucksvoll gewonnen. Am Ende holte er 67,4 Prozent aller Stimmen und gab dabei nicht einen der fünf Wahlbezirke an seine Herausforderin Marta Kraft ab. Mit 2399 Stimmen holte der parteilose Traulsen mehr als doppelt so viele Stimmen wie die CDU-Frau (1160). Ein wenig enttäuschend war die geringe Wahlbeteiligung von 48,4 Prozent, wohl ein Indiz dafür, dass die Wechselstimmung fehlte.

Dieses Resultat hatten in der Deutlichkeit wohl nur wenige erwartet. SPD-Parteivorsitzender Helmut Schulz wollte sich auf einen Wahlausgang nicht festlegen und meinte: „Es wird wohl sehr eng.“ Ähnlich äußerte sich die CDU-Parteivorsitzende Corinna Graunke: „Ich bin sehr gespannt, aber Vorhersagen mache ich jetzt keine.“ Dagegen tippten die Vertreter der kleinen Parteien auf Traulsen. Nur SSW-Fraktionschef Christian Andresen sagte in aller Deutlichkeit: „Traulsen wird haushoch gewinnen. Wir haben ihn unterstützt, und wir haben keine Schlammschacht geführt.“

Die Tendenz, die das Ergebnis des ersten Wahllokals, die Margarethen-Residenz, um kurz vor halb sieben vorgab, sollte richtungsweisend für den Verlauf des gesamten Wahlabends sein. Bis dahin waren im mit rund 80 Bürgern mehr als gut gefüllten Sitzungssaal fröhliche, fast entspannte Gespräche zu hören. Als dann aber um 18.27 Uhr die Zahlen der Margarethen-Residenz auf der Leinwand aufflackerten, wurde es schlagartig ruhig. Mit 69,1 Prozent der Stimmen legte Heiko Traulsen gleich zu Beginn sein an diesem Abend zweitbestes Ergebnis hin, nur im Wahllokal Jugendherberge, das als drittes um 18.50 Uhr eintrudelte, schnitt er mit 69,5 Prozent noch besser ab. Immer allerdings landete der Amtsinhaber bei mehr als 60 Prozent, sein schwächstes Resultat fuhr er in der Gorch-Fock-Schule mit 62,8 Prozent ein. An gleicher Stelle holte Marta Kraft mit 37,2 Prozent ihr bestes Ergebnis – die Herausforderin ist in Ellenberg zu Hause.

Erster Applaus machte sich denn auch nach Auszählung des dritten Wahllokals, eben der Jugendherberge, bemerkbar. Zu dem Zeitpunkt waren 60 Prozent aller möglichen Stimmen ausgezählt, und Traulsen hatte seinen Siegeszug unbeirrbar fortgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt stand das Ergebnis so gut wie fest, doch von Traulsen war noch keine Spur. Als er den Saal dann um 18.52 Uhr betrat, brandete lautstarker Beifall auf. Zeitgleich mit Traulsens Erscheinen trudelte das vierte Ergebnis der fünf Wahlbezirke ein. Auch im Wahllokal „Kappelner Werkstätten“ hatte Traulsen die Nase vorn, der Sieg war ihm damit nicht mehr zu nehmen.

Nach dem Endergebnis räumte der 57-Jährige freimütig ein: „Mit einem Sieg habe ich schon gerechnet, doch das Ergebnis habe ich in dieser Deutlichkeit nicht erwartet.“ Befragt nach der weiteren Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung antwortete Traulsen: „Ich hoffe, dass CDU und SPD früher oder später in der Realität ankommen werden.“ Zudem wünsche er sich, dass sich diese beiden Fraktionen darauf besinnen, wofür Stadtvertretung und Bürgermeister angetreten seien, nämlich das Wohl der Stadt zu mehren. „Ich reiche allen, die positiv die Stadtentwicklung begleiten wollen, die Hand“, meinte Traulsen.

Eine davon wird seine Herausforderin Marta Kraft sein, die Mitglied der Stadtvertretung bleiben wird. Ihr war die Enttäuschung am Sonntagabend zwar deutlich anzusehen, trotzdem betonte sie hinterher: „Ich habe nicht verloren, sondern viel an Zuspruch gewonnen.“ Sie bereue nicht, sich der Wahl gestellt zu haben. Tatsächlich fielen ihr am Wahlabend etliche Menschen um den Hals, um sich für ihren Einsatz zu bedanken. Und Kraft konnte auch schon wieder nach vorne blicken. „Wichtig ist, dass jetzt Frieden in die Stadtvertretung eingekehrt“, sagte die Unterlegene. „Meine größte Sorge ist, dass das nicht passiert.“ Sie wolle aber gerne ihren Teil dazu beitragen, dass die Stimmung wieder besser werde. Ihre Anforderung an den neuen und alten Bürgermeister: „Er muss jetzt beweisen, dass er wirklich der Bürgermeister für alle ist.“

Am Montag tritt ab 18 Uhr der Gemeindewahlausschuss im Sitzungssaal des Rathauses zusammen, um das endgültige Wahlergebnis festzustellen.

So hat Kappeln gewählt
  Marta Kraft Heiko Traulsen
1 Jugendherberge 197 30,5% 449 69,5%
2 Gorch-Fock-Schule 266 37,2% 450 62,8%
3 Rathaus 255 32,7% 526 67,3%
4 Margarethen-Residenz 204 30,9% 457 69,1%
5 Werkstätten 238 31,5% 517 68,5%
Gesamt 1160 32,6% 2399 67,4%

 

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