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Eckernförde : Hauptstadt des deutschen Kunstverleihs

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Deutsche Artothekenverband trifft sich am 8. und 9. Mai in Eckernförde.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2015 | 12:30 Uhr

Jeder weiß, was eine Bibliothek ist, doch bei einer Artothek zucken viele Menschen mit den Schultern. Dabei erklärt sich der Begriff von allein: In einer Bibliothek kann man Bücher leihen, in einer Artothek kann man Kunst leihen. Eine solche Artothek gibt es auch in Eckernförde, das in diesem Jahr zur Hauptstadt des deutschen Kunstverleihs wird: Am 8. und 9. Mai treffen sich Artotheken-Betreiber aus dem ganzen Bundesgebiet im Ostseebad zur 15. Jahresmitgliederversammlung und Fortbildung des Deutschen Artothekenverbandes. Mittendrin: Norbert Weber, Gründungs- und Vorstandsmitglied.

Er war es, der in seiner Galerie Nemo am Eckernförder Südstrand 1981 die zweite Einrichtung in Schleswig-Holstein gründete, in der man Kunst leihen konnte. „In einer Ausstellung kann man immer nur eine bestimmte Anzahl an Bildern zeigen“, erklärt er. Doch auch die anderen Bilder im Archiv wollte er den Menschen zugänglich machen. Den Grundgedanken teilt er uneingeschränkt: „Ein Bild in einer Ausstellung anzusehen ist so, als würde man ein Buch in einer Bibliothek nur anlesen.“ Erst wenn man das Werk mit nach Hause nehme, gebe es die Chance der intensiven Auseinandersetzung. Hinzu komme, dass auch ein Kunstwerk irgendwann einmal „ausgelesen“ sei. Durch das Leihen aber könne man mit Stilrichtungen experimentieren und sich selbst, Angehörige und Besucher mit wechselnden künstlerischen Farbakzenten überraschen.

Insgesamt 600 gerahmte Bilder stehen für die Ausleihe zur Verfügung. Sie sind vorwiegend Originale aus Norbert Webers Kupferdruckwerkstatt. „Darunter finden sich alle Genres: die Avantgarde-Kunst aus dem Norden genauso wie das Stillleben und Werke von regionalen Künstlern“, sagt er. Die Kosten: 2,50 Euro für zwei Monate Ausleihzeit, Verlängerung möglich. Die Idee funktioniert: Mehrere Hundert Menschen haben sich schon einen Leihausweis ausstellen lassen, rund 30 nutzen das Angebot regelmäßig. Direkt nebenan gibt es die Werkstatt, die diese Bilder hervorbrachte und die Galerie, in der die neuesten Werke zu sehen sind.

Die erste Artothek wurde 1975 in Berlin gegründet, in Kiel gibt es seit 1978 die „Stadtbilderei“, drei Jahre später folgte Webers Einrichtung. Alle wurden vom deutschen Bibliotheksinstitut koordiniert und beraten. Im Institut hatten die Artotheken, von denen viele in öffentlichen Bibliotheken ansässig waren, eine gemeinsame Vertretung. Doch 2000 wurde der Bibliotheksverband aufgelöst – es musste eine neue Vertretung her. Noch im selben Jahr wurde der Deutsche Artothekenverband gegründet, woran Norbert Weber seinen Anteil hatte. Erfahrung hatte er schon: Zehn Jahre zuvor war er an der Gründung des schleswig-holsteinischen Landesverbandes, dessen Vorsitzender er ist, maßgeblich beteiligt.

Etwa 30 Teilnehmer erwartet Weber zur Sitzung im Mai. Die weiteste Anreise hat dabei Brigitte Haaf vom Zeppelin-Museum in Friedrichshafen am Bodensee. Brennende Anliegen sollen bei der Tagung diskutiert werden: Unter anderem geht es um ein bundesweites Logo und einen eingängigen Slogan.


> Artothek, Bootshaus am Südstrand 1, Verleih nach Vereinbarung: Tel. 0  43  51  / 71  25  00; www.artothek.org

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