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Havetoft : Harald Wagner braucht Kraft für vier

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Drei Familienmitglieder der Wagners aus Havetoft leiden unter einer unheilbaren Krankheit. Neurofibromatose lähmt seine Opfer und sorgt für eine Unmenge an Tumoren. Die Familie muss daher viel Zeit gemeinsam im Krankenhaus verbringen.

Havetoft | Jeder kann in diese Situation kommen. Man geht mit harmlosen Beschwerden zum Arzt, um dann zu erfahren, dass man an einer gefährlichen und unheilbaren Krankheit leidet. Wem das widerfährt, der muss sich damit abfinden, dass sich sein Leben dramatisch verändert. Eine solche, zudem vererbbare Krankheit bestimmt das Leben der Familie Wagner in Havetoft.

Nach der Geburt ihres Sohnes Kevin vor 23 Jahren wurde bei Sylvia Wagner ein Tumor im Gehirn festgestellt. Damals war sie 20 Jahre alt. Neurofibromatose hieß die Diagnose - eine Krankheit, bei der sich Tumore im Gehirn und im Rückenmark bilden. Bei Sylvia Wagner sind seither während etlicher Operationen 30 solcher Wucherungen entfernt worden. Sie ist mittlerweile halbseitig im Gesicht gelähmt und gehörlos.

Wegen Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen als Folge ihrer Erkrankung, braucht sie Gehhilfen. Ehemann Harald, Vorsitzender des Ortsverbandes Sieverstedt Sieverstedt, hat die Pflege seiner Frau übernommen. Freunde haben vor sechs Jahren die Wohnung der Wagners behindertengerecht umgebaut. Inzwischen kann Sylvia Wagner beide Hände nicht mehr richtig bewegen. Auch kochen kann sie nicht mehr. Ihr Sohn Kevin (23) und ihre Tochter Lena (21) leiden an der gleichen unheilbaren Krankheit.

„Dieses Jahr war bereits ein außergewöhnlich schweres für uns“, sagt Harald Wagner. Innerhalb von vier Monaten mussten alle Familienmitglieder ins Krankenhaus.“ Im Januar war es Harald Wagner, der wegen Kniegelenkverschleißes operiert werden musste. Sechs Tage später Tocher Lena; die Hand ist ihr immer wieder eingeschlafen, deshalb wurde ein Tumor unter dem Schlüsselbein entfernt. Anschließend sollte bei ihrer Mutter ein relativ kleiner Eingriff vorgenommen werden, doch sie bekam einen schweren Krampfanfall. Sohn Kevin hatte den größten Eingriff zu überstehen. Zehn Stunden lang wurde er operiert. Seine Schädeldecke musste geöffnet werden, um an den Tumor zu gelangen. 55 Klammern entlang der Wunde, die quer über Kevins Kopf verläuft, halten die Knochen zusammen, bis alles wieder verheilt ist. Bei Lena wurde 2012 wegen ständiger Kopfschmerzen ein Tumor am Kleinhirn operiert. Sie hatte 18 solcher Klammern am Hinterkopf. „Neurofibromatose ist unheilbar, sie kann nur mit der operativen Entfernung der Tumore behandelt werden,“ erklärt Harald Wagner. Alle Eingriffe finden in Flensburg statt. „Für die ersten Operationen mussten wir nach Hamburg und Lübeck.“ Heute werden Sylvia, Kevin und Lena in der Diako behandelt. „Man kennt uns, und wir sind dort sehr gut aufgehoben.“

Sylvia Wagner fällt das Sprechen schwer als sie sagt: „Wenn wir nicht so zusammenhalten würden, ginge gar nichts.“ Und wenn ihr Mann nicht wäre, der unermüdlich den Dialog mit der Krankenkasse und deren Medizinischem Dienst führt, stünde es schlecht um die Familie. Harald Wagner wünscht sich, noch lange die Kraft dafür zu haben. Als angestellter Landwirt ist er dankbar, dass sein Arbeitgeber Verständnis für seine familiäre Situation hat. Als er nach dem Eingriff am Knie zur Reha nach Damp sollte, durfte er Kevin mitnehmen, der zu 100 Prozent schwerbehindert ist. „Ich hatte Angst, einen Burnout zu bekommen“, erinnert sich Wagner. Doch das sei nicht passiert – „warum, weiß ich nicht.“ Er hat ein Zimmer mit Meerblick bezogen und die Kitesurfer beobachten können. Dabei hat der 48-Jährige die Kraft zurückgewonnen, die er im Alltag mit seiner Familie braucht.

 

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