Kappeln : Häckselstreit in Mehlbydiek

13 Kubimeter Holzschnitzel hat Josef Südkamp eigenmächtig und eigenhändig auf dem Weg in den Begräbniswald verteilt.
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13 Kubimeter Holzschnitzel hat Josef Südkamp eigenmächtig und eigenhändig auf dem Weg in den Begräbniswald verteilt.

Josef Südkamp richtet den Weg in den Bestattungswald für die Beisetzung seiner Frau mit Holzhäckseln her.

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07. Juni 2018, 06:42 Uhr

Kappeln | Es ist Ostermontag. Mit einem Schlepper samt Anhänger bringt Josef Südkamp 13 Kubikmeter Holzschnitzel nach Mehlbydiek. Mit vier Helfern und Schubkarren verteilt er das Material auf dem öffentlichen Weg, der in den Kappelner Bestattungswald führt. Am nächsten Tag soll dort die Beisetzung seiner Frau stattfinden. „Der Weg war in einem katastrophalen Zustand. Ein Besuch des Waldes war ohne Gefahr an Leib und Leben nicht möglich. Das konnte und wollte ich der Trauergesellschaft nicht zumuten“, erklärt der Witwer und beruft sich auf eine Notstandslage gemäß Paragraf 34 Strafgesetzbuch. Er erzählt aus seiner Sicht, wie es zu der „Notstandshandlung“ gekommen ist.

Schon vor vier Jahren hatten seine Frau und er sich entschieden, dass der Bestattungswald der richtige Ort für sie als letzte Ruhestätte sein sollte. Als im März dieses Jahres seine Frau verstarb, fuhr er mit seinen Töchtern in den Wald und suchte einen Baum aus. Dabei stellte Südkamp fest, dass die Zuwegung von Mehlbydiek in weiten Teilen aufgeweicht und „nur mit Gummistiefeln begehbar“ war. In einer E-Mail an den Friedhofsverwalter vom 26. März forderte er die kurzfristige Instandsetzung des Weges, denn bereits am 2. April sollte die Beisetzung seiner Frau stattfinden. Er kündigte an, selbst tätig zu werden, sollte bis zum 29. März nichts geschehen sein. Ostermontag setzte er seine Ankündigung in die Tat um und richtete den Weg eigenmächtig und eigenhändig so her, dass er begehbar war und machte seinem Ärger noch am selben Tag in einer weiteren E-Mail an den Friedhofsverwalter Luft: „Ich bin hochgradig enttäuscht über das Verhalten der Verantwortlichen. Ihre Ignoranz ist nicht förderlich, und ich werde dies auch nicht hinnehmen.“ Miles Engels aus der Bauverwaltung der Stadt, in deren Eigentum der Weg zum Bestattungsswald fällt, teilt mit, dass die Friedhofsverwaltung aktiv wurde: „Bei der Witterung und dem durchnässten Weg konnten sie jedoch nicht viel ausrichten und mussten aufgeben.“

Da das Josef Südkamp nicht ausreichte, brachte er die Holzhäcksel auf. Etwas später traf er sich mit Vertretern des Kreises, der Landwirtschaftskammer, der Friedhofsverwaltung und der Stadtverwaltung. Laut selbstverfasstem Protokoll einigten die Beteiligten sich auf eine Instandsetzung des Weges bis spätestens September 2018. Um aber den Druck auf eine baldige Umsetzung weiter zu erhöhen, nahm Südkamp mit seiner Beschwerde nicht nur Kontakt zum Bischof auf, er reagierte auf den Gebührenbescheid der Kirchengemeinde Kappeln für die Beisetzung mit einem Antwortschreiben. „Die Rechnung an sich ist ja gerechtfertigt“, sagt Südkamp. Allerdings möchte er nun die Kosten für die kurzfristige Instandsetzung für Material, Werkzeug und Personaleinsatz – etwa die Hälfte des Gesamtbetrages – von der Summe abziehen. Die Restzahlung werde er sofort anweisen – wenn ihm „eine klare, schriftliche Aussage“ darüber vorliege, „dass die Zuwegung bis September 2018 dauerhaft begehbar hergerichtet wird“.

Pastor Karsten Petersen kann diese Vorgehensweise nicht nachvollziehen. „Der Weg gehört nicht der Kirchengemeinde“, erklärt er. „Aber wenn hier etwas zu tun ist, besprechen wir Dinge mit dem Kreis und entscheiden gegebenenfalls einvernehmlich.“ Die Kirchengemeinde und der Kreis betreiben den Bestattungswald partnerschaftlich, und Petersen verweist auf vier weitere Wege, über die der Bestattungswald gut erreichbar sei. „Herr Südkamp ist hier nicht unser Ansprechpartner, und niemand kann uns in diesem Fall ein Ultimatum stellen.“ Dass Südkamp auf dem Weg eigenmächtig Holzhäcksel aufgebracht hat, empfindet Petersen als befremdlich. „Wenn jemand das Recht selbst in die Hand nimmt, mit dem Argument am Wochenende im Amt niemanden erreicht zu haben, dann ist das nicht mein Verständnis von Zivilgesellschaft“, erklärt er und ergänzt: „Ich bin froh, nicht in der Situation zu sein, den Vorgang juristisch prüfen zu müssen.“ Darauf, dass Südkamp die Zahlung der Rechnung verweigert, reagiert er gelassen: Die Gegenrechnung entbehre jeder Grundlage. Die Kirchengemeinde habe nichts in Auftrag gegeben und habe auch keine Möglichkeit gehabt, Widerspruch gegen die Aktion einzulegen. Darüber hinaus hätten die Friedhofsgebühren und der Weg nichts miteinander zu tun. Sollte Südkamp nicht zahlen, werde das geregelte Mahnverfahren anlaufen.

„Ich möchte nur, dass der Weg dauerhaft in Ordnung kommt – und ich will das schriftlich haben“, erklärt Josef Südkamp. Miles Engels hat ihm inzwischen bereits mündlich mitgeteilt, dass die Ausführung für die 25. Kalenderwoche angekündigt wurde.

Südkamp zweifelt immer noch, dass jetzt wirklich etwas passiert. Für Karsten Petersen ist die Angelegenheit abgeschlossen: „Der Ausgang der ganzen Geschichte ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Vorgehensweise für mich befremdlich bleibt. Es wäre vielleicht ratsam gewesen, es erstmal auf freundlichere Weise zu versuchen.“

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