zur Navigation springen

Klaus-Harms-Schule Kappeln : Gymnasium holt Kunstschätze hervor

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

17 Abiturienten bereiten Werke von renommierten Künstlern für eine Ausstellung im Rathaus vor.

Die Klaus-Harms-Schule ist so etwas wie ein heimliches Museum. Nicht weil Mobiliar oder Ausstattung irgendwann im vorigen Jahrhundert stehen geblieben wären, sondern weil auf etlichen Fluren des Gymnasiums kleine und große Schätze hängen. Bilder renommierter Künstler aus dem Lande, darunter Peter Nagel, Michael Arp und Gerda Schmidt-Panknin. Dass sie bislang ein fast stiefmütterliches Dasein fristeten, ist nachvollziehbar. Selten bleibt in einer Schule tatsächlich Zeit, entspannt durch die Gänge zu schlendern, wenn es schon wieder zur nächsten Stunde klingelt. Jetzt allerdings haben sich 17 Schüler des Abschlussjahrgangs gefunden, einige Werke herausgepickt und mit großem Aufwand katalogisiert, analysiert und derart aufbereitet, dass daraus spätestens im Sommer eine Ausstellung im städtischen Rathaus werden soll.

Es sind mehr als 100 Bilder, die an den Wänden der Klaus-Harms-Schule hängen, angeschafft wurden sie seit den 80er-Jahren über Mittel der Initiative „Kunst am Bau“. Dahinter steht die Idee, einen gewissen Prozentsatz der Baukosten öffentlicher Gebäude in Kunst zu investieren. Daniel Loewe, damals Kunstlehrer am Gymnasium, machte den Anfang, und Henrike Reinckens, eine seiner Nachfolgerinnen, sagt rückblickend: „Er hat sehr dafür gekämpft, gezielt Kunstwerke kaufen zu dürfen.“ Üblicherweise nämlich beutet „Kunst am Bau“ eher Reliefs oder Skulpturen. Zudem sei Loewe mit seinen Schülern zu Auktionen gefahren und habe die schuleigene Galerie so peu à peu erweitert. Jahrzehnte später empfindet Reinckens die Bilder als große Bereicherung des Schullebens. „Man kann Kunstunterricht vor Ort machen“, sagt sie. „Die Bilder demonstrieren eine große Vielfalt an Techniken, Kreide, Offset-Druck, Lithografien.“

Genug Ansatzpunkte also für die Abiturienten des Ästhetischen Profils, sich den Werken auf besondere Weise zu nähern und sie so ganz nebenbei aus ihrer tristen Existenz herauszuholen. Unterstützung erhalten die Schüler dabei von Kunsthistorikerin Dr. Christina Kohla, die bei dieser besonderen Form des Unterrichts mit Henrike Reinckens kooperiert. Im Kunstraum liegen derweil die Bilder ungerahmt auf den Tischen, daneben dünn beschriftete Blätter, die die Ordnung des Ausstellungskatalogs vorgeben, vor dem Laptop sitzt eine kleine Gruppe und diskutiert über das Layout.

Die 18-jährige Marisa Kühn erinnert sich an die Anfänge im September. „Es waren sehr viele Aufgaben auf einmal und ich dachte, dass uns das überfordert“, sagt sie. „Inzwischen hat aber alles Hand und Fuß, und ich bin überrascht, was dabei herausgekommen ist.“ Die Schülerin räumt ein, die Kunst in ihrer Schule bislang gar nicht richtig wahrgenommen zu haben – „aber jetzt“, sagt sie, „blickt man mit ganz anderen Augen darauf“. 17 Bilder haben sich die Gymnasiasten herausgegriffen, sie haben recherchiert, haben Bildbeschreibungen verfasst und so weit möglich sogar die Künstler getroffen – so wie Madeleine Appelmans. Die 19-Jährige hat das Künstlerehepaar Peter und Hanne Nagel in Flintbek besucht, durfte einen Blick ins Archiv werfen, Nagel hat ihr seine Maltechniken erläutert und seine Inspiration. „Das waren sehr aufschlussreiche Stunden“, sagt die Schülerin. Für ihre Lehrerin Henrike Reinckens ist es außerdem „viel freiwillige Arbeit“, die die Abiturienten weit über das Unterrichtsmaß hinaus investieren. Und: „Sie legen dadurch eine unglaubliche Basis für das spätere wissenschaftliche Arbeiten“, sagt die Lehrerin. Davon kann Thies Mohr ein Lied singen. Der 19-Jährige hatte sich ein Bild ausgewählt, das ohne Namensschild versehen war. Auf der Suche nach Informationen erstellte Listen mit vorhandenen Werken und Schildern, die nicht zugeordnet werden konnten. „Das war echte Detektivarbeit“, sagt er und weiß inzwischen: „Es fehlen Bilder, und keiner weiß, wo sie sind.“

Christina Kohla lobt derweil die Vielfalt der Aufgaben, der sich die Gymnasiasten gestellt haben. „Sie haben eigene Positionen zu den Bildern entwickelt und künstlerische Statements in unterschiedlichen Formen abgegeben, als Text, Zeichnung, Kurzgeschichte. Man könnte ein Riesenbuch daraus machen“, sagt die Expertin. Tatsächlich wird ein 48 Seiten umfassender Katalog aus den Ergebnissen, außerdem werden die analysierten Bilder mit Passepartout versehen und neu gerahmt, alle erhalten neue Hinweisschilder. Henrike Reinckens nennt das: „Ein neuer Blick auf alte Bekannte“. Und Maj-Britt Langenstein freut sich schon jetzt über das Resultat. „Es ist schön, wenn man seiner Schule etwas Kleines hinterlassen kann“, sagt die 17-Jährige. Geholfen haben dabei neben Flensburger Museumsberg und Kieler Kunsthalle, die die Abiturienten besucht haben, der Förderkreis des Gymnasiums, die Flensburger Werkkunstschule, das Kappelner Stadtarchiv, die Rotarier, der Bürgermeister, die Agentur Profundus und das Land. Im Juni werden die 17 Bilder der Schüler für vier Wochen die Wände des Rathauses schmücken, und danach warten noch mindestens 83 weitere Bilder darauf, neu unter die Lupe genommen zu werden.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen