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Interview : „Gutes Angebot für alle in der Region“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Uwe Schürch geht nach acht Jahren an der Kappelner Außenstelle des Berufsbildungszentrums in Ruhestand. Bernt Wellhausen wird sein Nachfolger.

shz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 06:09 Uhr

Kappeln | Es stehen Veränderungen an am Berufsbildungszentrum (BBZ) Schleswig, Außenstelle Kappeln. Nach acht Jahren geht zum Ende des Schuljahres Schulleiter Uwe Schürch (63) in den Ruhestand und wird am Montag, 17. Juli, verabschiedet. Sein Nachfolger, Bernt Wellhausen (58), übernimmt die Stelle ab dem 1. August. Ernst wird es für Schürchs Nachfolger, wenn die Schule nach den Sommerferien am 4. September ins neue Schuljahr startet. In einem Interview sprachen die beiden über die Schule, ihre Weiterentwicklung und Zukunftspläne.

Herr Schürch, acht Jahre waren Sie jetzt am BBZ in Kappeln. Warum haben Sie diesen Posten übernommen?

Schürch: Nach meinem Studium in Hamburg bin ich 1985 an das Berufsbildungszentrum nach Schleswig gewechselt. Dort habe ich als Lehrkraft gearbeitet, aber vor allem meine Zeit im Personalrat, in dem ich von 2000 bis 2009 den Vorsitz hatte, hat mir viel gebracht. Ich arbeitete eng mit dem Schulleiter zusammen und habe Spaß gefunden – auch an den Dingen, die nicht unmittelbar mit dem Lehren zu tun hatten. Als ich hörte, dass Dr. Sven Mohr in der Zweigstelle in Kappeln aufhört, habe ich mich beworben und bin genommen worden.

Was hatten Sie sich vorgenommen und was konnten Sie verwirklichen?

Schürch: Es war mir wichtig, die Außenstelle so weiterzuentwickeln, dass sie den Erfordernissen der jungen Menschen hier gerecht werden kann. Es sollte ein gutes Angebot für alle in der Region vorgehalten werden. Wir konnten das Berufliche Gymnasium einrichten, 2010 mit der Fachrichtung Wirtschaft und 2013 mit der Fachrichtung Gesundheit. Dann ist die Pflegeassistenz neu. Die Ausbildung mit dem Schwerpunkt Familienpflege ist aus einer Projektphase entstanden und hat sich als sehr ertragreich für junge Menschen erwiesen. Seit 2015 unterrichten wir auch Flüchtlinge in den DaZ (Deutsch als Zweitsprache)-Klassen, zurzeit sind es 50 Schüler, verteilt auf drei Klassen.

Auf welche Umsetzung sind Sie besonders stolz?

Schürch: Gemeinsam mit der „Schule am Markt“ in Süderbrarup, einem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, haben wir das Projekt „Inklusion Geistige Entwicklung“, kurz GE, umgesetzt. Wir haben eine ganze Klasse mit elf Schülern hier integriert. Sie haben Unterricht in Metalltechnik, Hauswirtschaft und Pflege erhalten.

Was bedeutet dieses Projekt für Sie persönlich?

Schürch: Es hat mir besonders am Herzen gelegen, weil ich und meine Kollegen viel über Menschen mit Behinderung gelernt haben und es geschafft haben, Berührungsängste abzubauen. Meine Kollegin Marianne Puzich, Schulleiterin an der Förderschule in Süderbrarup, ist inzwischen eine persönliche Freundin geworden. Aber es war ein gegenseitiger Gewinn. Die jungen Menschen haben so die Chance auf eine Anstellung auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt bekommen. Und die anderen Schüler des BBZ haben im Umgang mit ihnen ein anderes Sozialverhalten gelernt, und sie mussten viel erklären – damit haben sie ihr eigenes Fachwissen erweitert.

Wie sehen Sie die Zukunft des BBZ?

Schürch: Wir sind dabei, ein Konzept für 2018 zu erstellen: Am BBZ sollen berufsbegleitend Erzieher ausgebildet werden. Daran arbeitet mein Nachfolger, Bernt Wellhausen, bereits mit.

Und Ihre eigene Zukunft?Die meisten, die sich in den Ruhestand verabschieden, berichten von einem lachenden und einem weinenden Auge. Wie ist es bei Ihnen?

Schürch: (lacht) Ja, das lachende Auge ist etwas größer. Ich weiß zwar, dass ich auch etwas verlieren werde, so wie die vielen Kontakte, die mir viel Freude bereitet haben, aber ich werde auch viel Zeit gewinnen. Ich möchte Sport treiben und körperlich fit werden, aber auch etwas für den Kopf tun: Sprachen lernen und vielleicht noch einen Motorbootführerschein oder sogar den Flugschein machen. Mal sehen. Auf jeden Fall möchten meine Frau und ich uns ein Wohnmobil anschaffen. Und solange sie noch in Schleswig als Lehrerin am BBZ arbeitet, kann ich die Reisen schon vorbereiten.

Herr Wellhausen, Sie werden den Posten von Herrn Schürch übernehmen. Wo waren Sie vorher?

Wellhausen: Ich war in den vergangenen sieben Jahren stellvertretender Schulleiter des BBZ Rendsburg-Eckernförde. Davor, von 2002 bis 2010, war ich schon mal als Lehrkraft hier am BBZ in Kappeln. Aber ich war nicht immer im Schuldienst. Nach dem Gewerbelehramtsstudium in Hamburg habe ich von 1989 bis 2002 als Erlebnispädagoge in einer Jugendeinrichtung auf der Nordseeinsel Juist gearbeitet. Dort haben wir junge Menschen aus Industriebetrieben in Teamfähigkeit, Selbstvertrauen und allem, was unter Sozialkompetenzen läuft, geschult.

Welchen Eindruck haben Sie von der Schule, die Sie jetzt hier übernehmen?

Wellhausen: Das BBZ Schleswig hat sich immer gut am Markt entwickelt, sich im Laufe der Zeit qualitativ stark verbessert und die Bedürfnisse der jungen Menschen hier im Auge gehabt. Wir müssen hier ein Angebot machen, das für die Region interessant ist, damit sie keine langen Wege für ihre Ausbildung in Kauf nehmen müssen. Solche Leuchttürme sind heute besonders wichtig.

Haben Sie Wünsche oder Pläne für die Zukunft des BBZ?

Wellhausen: Die Inklusionsarbeit soll auf jeden Fall fortgesetzt werden, auch die Familienpflege und die Erzieherausbildung sind sehr wichtig. Diese Fäden werde ich aufnehmen und weiterführen. Darüber hinaus werden wir das elektronische Lernen vermehrt berücksichtigen, das spielt für den Unterricht am Berufsbildungszentrum eine erhebliche Rolle. Es ist über die Berufe schon stark vertreten, aber man muss auch Rücksicht nehmen auf solche Themen wie Lernen von zu Hause.

Welche Rolle spielt die duale Ausbildung am BBZ?

Wellhausen: Am BBZ werden Jugendliche im dualen System derzeit zu Kraftfahrzeug-Mechatronikern und Verkäufern oder Einzelhändlern ausgebildet. Das soll auch in Zukunft so beibehalten werden. Aber dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Ausbildungsbetriebe in der Region. Gern werden wir versuchen, darüber hinaus noch weitere Ausbildungszweige zu etablieren, aber das ist nicht ganz so einfach. Da müssen wir sehen und nutzen, was sich an Chancen auftut.

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