Studie : Grüne kritisieren lange Wartezeiten beim Arzt

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Wer gesetzlich versichert ist, wartet im Norden länger auf einen Termin. Dies geht zumindest aus einer Studie der Bundestagsfraktion der Grünen hervor.

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11. April 2012, 11:44 Uhr

Hamburg/Kiel | Der Studie zufolge müssen Kassenpatienten in Schleswig-Holstein im Schnitt 23 Tage länger auf einen Arzttermin warten als privat Versicherte. Insgesamt wurden für die Erhebung sieben Gebiete in Schleswig-Holstein untersucht (s. Tabelle), bei 225 Fachpraxen im Norden jeweils zwei Termine vereinbart - einmal als Kassenpatient, einmal als privat Versicherter. Kontaktiert wurden Hautärzte, Augenärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte sowie Kardiologen und Radiologen. Besonders lange mussten gesetzlich Versicherte demnach mit 31 Tagen rund um Elmshorn und Pinneberg warten.
"Es ist nicht fair, dass es solche Unterschiede gibt", kritisierte die Flensburger Grünen-Abgeordnete Ingrid Nestle und forderte den Gesetzgeber zum Handeln auf. "Wenn Ärzte für einen Privatpatienten ungefähr das doppelte an Honorar bekommen, ist eine Benachteiligung der Kassenpatienten die logische Folge", so Nestle.
"Wer akut erkrankt, kommt in die Arztpraxis und erhält Hilfe"
Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein reagierte man mit Unverständnis auf die Ergebnisse. "Wer akut erkrankt, kommt in die Arztpraxis und erhält Hilfe", so Sprecher Marco Dethlefsen. Auch bei Patienten ohne akute Leiden seien lange Wartezeiten die Ausnahme, betonte er und verwies auf eine Patientenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. In dieser habe fast die Hälfte der Befragten angegeben, beim letzten Praxisbesuch überhaupt keine Wartezeit gehabt zu haben. In 2011 sei eine Studie der Techniker Krankenkasse in Schleswig-Holstein zu einem ähnlich Ergebnis gekommen.
Zudem, so Dethlefsen weiter, könne nur eines richtig sein: Entweder herrsche, wie gelegentlich behauptet, eine fachärztliche Überversorgung, dann seien die Wartezeiten nicht erklärbar. Oder es gebe wirklich ein Wartezeitenproblem - das wäre dann aber ein Indiz für zu wenig Fachärzte, sagte er.

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