Port Olpenitz : Großprojekt in "verdaubaren Häppchen"

Derzeit wird Port Olpenitz winterfest gemacht. Zum Jahreswechsel soll dann das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Foto: dpa
Derzeit wird Port Olpenitz winterfest gemacht. Zum Jahreswechsel soll dann das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Foto: dpa

Neues zu Port Olpenitz erzählte der Insolvenzverwalter der Port Olpenitz GmbH, Dr. Rainer Eckert: Mehrere Investoren sollen das Projekt in kleinen Abschnitten realisieren.

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02. Dezember 2011, 11:42 Uhr

Kappeln | Im Handumdrehen war es äußerst warm und stickig im Saal des Hotels "Stadt Kappeln", als sich am Dienstagabend geschätzte 300 Menschen einen Platz zum Sitzen und nicht ganz freiwillig auch zum Stehen suchten. Immerhin wollten sie unter anderem das Neuste zum Thema Port Olpenitz hören. Und das präsentierte ihnen der vorläufige Insolvenzverwalter der Port Olpenitz GmbH, Dr. Rainer Eckert, in klaren Worten - die entscheidenden: Weg vom Gedanken, das große Ganze in einem Rutsch zu realisieren, stattdessen in kleineren Abschnitten, möglicherweise getragen von verschiedenen Investoren.
Als vorläufiger Insolvenzverwalter habe er sich in den vergangenen Wochen zunächst "von allen Seiten" den Sachstand vermitteln lassen, erklärte Rainer Eckert zu Beginn - ein Prozess, der mittlerweile "weitestgehend abgeschlossen" sei. Die derzeitige Situation in Port Olpenitz mache es nach seinen Worten erforderlich, neue Investoren zu suchen. Zwar seien beide Gesellschafter - die US-amerikanische EQK Port Olpenitz, Inc. und die HarmInvest GmbH - nach wie vor am Projekt interessiert. Aber, so Eckert, "es fehlt einfach an Mitteln". So sei auch die avisierte Finanzierungshilfe der HSH Nordbank aufgrund des internen Streits gescheitert.
Die Größe erschwert die Umsetzung des Projekts
Für den Juristen ist das geplante Hafendorf allein aufgrund seiner Größenordnung ein mindestens deutschlandweit einmaliges Projekt. Eben die Größe sei es aber auch, die die Umsetzung erheblich erschwere. Eckert: "In Europa wachsen solche Projekte alle modular. Man beginnt an einer Stelle und entwickelt nach Bedarf weiter." Alles auf einmal zu wollen, sei eher problematisch - "daran verschluckt sich jeder Investor". Auch deshalb habe bislang jeder potenzielle Geldgeber, mit dem der Insolvenzverwalter Kontakt hatte, seine Angst vor der Größe des Areals geäußert. Eckert: "Wir werden also nicht den Generalentwickler finden."
Den künftigen Weg definierte er als einen Weg der Teilstrecken - "wahrscheinlich werden wir das Projekt in Abschnitten realisieren", so der Anwalt. Dazu gehöre, einzelne Teilbereiche einer Reihe von Investoren "in verdaubaren Häppchen" anzubieten. Ziel bleibe ein "stimmiges Ganzes", also Module, die harmonieren und ein schlüssiges Bild ergeben, jedoch in einer "etwas aufgelockerten" Weise. Eckert: "Vielleicht kann man etwas naturnäher planen, Häuser in einem Stil errichten, der der Region gerecht wird." Den Sportboothafen will der Insolvenzverwalter schon mit der kommenden Saison in Betrieb nehmen, kalkuliert dafür eine nötige Summe in siebenstelliger Höhe, die ein privater Geldgeber vorausstrecken könne. "Wir sind in Verhandlungen", sagte Eckert. "Der Herr hat die finanziellen Mittel, und mit dem Abverkauf der Liegeplätze können wir das Darlehn wieder zurückzahlen."
Derzeit werden die Veträge geprüft
Aktuell sei man derweil dabei, die städtebaulichen Verträge zu prüfen und eventuell anzupassen. Zudem stünden derzeit Sicherungsarbeiten auf dem Gelände an, um potenziellen Schäden vorzubeugen. Und dann nannte Rainer Eckert noch eine nicht unwichtige Zahl. "Wir haben allein in dieser Woche für vier Grundstücke Verkaufsverträge fertig gestellt - so viel ist seit dem Sommer nicht mehr passiert." Zum Jahreswechsel rechnet der Anwalt mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, danach sollen sowohl das Gesamtprojekt als auch einzelne Module ausgeschrieben werden. "Nichts davon wird unter dem Tisch geschehen", kündigte Eckert an, "sondern öffentlich". Schließlich sprach der Jurist vom Einvernehmen mit Politik und Verwaltung und davon, dass Port Olpenitz "insgesamt eine gute Chance auf Realisierung" habe. Und gegen Ende fiel noch ein persönliches Wort. Eckert nannte es ein "inneres Bedürfnis" zu erwähnen, dass die "Port-Olpenitz-Mannschaft vor Ort" nicht die Ursache der Insolvenz sei. Vielmehr sei der Streit der Gesellschafter ursächlich für die fehlende Liquidität.
Eine knappe dreiviertel Stunde sprach der Insolvenzverwalter, das Publikum entließ ihn mit deutlichem Applaus, den Eckert kommentierte: "Warten Sie mit Ihrem Applaus, bis es geklappt hat." Den Glauben daran wollte auch Bürgervorsteher Jürgen Seemann nicht aufgeben, der an Eckert gewandt erklärte: "Sie haben mir wieder ein wenig Hoffnung gegeben."
Bei etlichen Zuhörern waren Eckerts Worte indes nur bedingt angekommen. Diejenigen, die sich mit einem Platz in den hinteren Reihen begnügen mussten, taten sich schwer, die Redner akustisch wahrzunehmen. Häufig wurde daher der Vorwurf mangelnder Vorbereitung in Richtung Stadt geäußert: kein Mikrofon, kein Beamer, viel zu wenig Platz fürs Publikum. Daran konnte auch die Hoffnung auf ein funktionierendes Port Olpenitz nichts ändern.

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