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Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen : Gotteshäuser dürfen nicht verfallen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen will einen Förderverein gründen.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2017 | 14:00 Uhr

Das Geld ist knapp. Nicht nur in kommunalen, auch in kirchlichen Haushalten. Zum Beispiel in der Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen. Sie ist nur eine der vielen Gemeinden im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, die die Hand aufhalten, weil sie Geld benötigen, um ihre Immobilien gar nicht unbedingt zu verschönern, sondern schlicht instand zu halten. Die Finanzen des Kirchenkreises aber sind endlich und vor allem müssen sie unter den Kirchengemeinden wenigstens einigermaßen gerecht verteilt werden. In Arnis-Rabenkirchen ist daher eine Idee gewachsen, von der man sich mehr finanzielle Unabhängigkeit verspricht und die Möglichkeit, ganz drängende Probleme in einem überschaubaren Zeitfenster zu lösen: Ende des Monats soll ein Förderverein gegründet werden.

Vor welchen Problemen steht die Kirchengemeinde?


Pastorin Nadja Jöhnk holt aus. „Ganz lange schon wissen wir vom maroden Dachgebälk in der Marienkirche. Wir haben die Sanierung nur immer wieder aufgeschoben“, sagt die Pastorin. Als man dann aber im vergangenen Jahr feststellen musste, dass auch noch einzelne Pfeifen der alten Barockorgel aufgrund von Bleifraß und Schimmel einfach umgekippt waren, wurden aus einem Problem plötzlich zwei. „Seitdem steht die Orgel still“, sagt Jöhnk und spricht von einem „mittelschweren Aufschrei“, der daraufhin durch die Gemeinde gegangen sei. Zwar stehe ein E-Piano während der Gottesdienste bereit, aber: „Wenn eine Orgel schweigt, ist das ein Hilferuf“, sagt die Pastorin. Und damit der entscheidende Auslöser, dass endlich etwas passieren musste.

Wer steckt hinter dem Förderverein?


Die Initiative ging von Dagmar Fötsch-Middelschulte aus, sie ist Vorsitzende des Kirchengemeinderates Arnis-Rabenkirchen. Als bereits potenzielle Gründungsmitglieder haben sich Nadja Jöhnk, Pastorin in Arnis und Rabenkirchen, Rabenkirchen-Faulücks Bürgermeister Peter-Martin Dreyer, Grödersbys Bürgermeister Helmut Andresen, Thomas Büthe und Wolfgang Nödl, Mitglieder des Kirchengemeinderates Arnis-Rabenkirchen, Reinold Hillebrand und Karsten Klüver gefunden.

Warum machen sie mit?


Für Wolfgang Nödl war die Orgel das auslösende Moment, um sich zu engagieren. „Es ist eine ganz besondere Orgel“, sagt er. „Sie bietet spezielle Konzertmöglichkeiten, und ich hoffe, dass sie bald wieder gespielt werden kann.“ Das Instrument sei ein echter Anziehungspunkt, dessen Klang die Kirche mit einer bemerkenswerten Stimmung präge. Reinold Hillebrand betont derweil den „kulturhistorischen Wert“ der Kirchen, immerhin handle es sich um denkmalgeschützte Gebäude. „Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es sie womöglich irgendwann nicht mehr geben könnte“, sagt er. Für Helmut Andresen hat die soziale Komponente der Häuser eine besondere Bedeutung. „Viele Menschen haben eine enge emotionale Bindung zur Kirche“, sagt er. „Und damit auch zu einem ganz konkreten Gebäude.“ Ganz ähnlich sieht das Karsten Klüver, der die Kirche als „Ort der Begegnung“ empfindet und zwar generationsübergreifend. „Die Kirche schafft sinnhafte Angebote“, sagt er. Und Peter-Martin Dreyer stellt klar, dass auch die politischen Gemeinden deutlich zu ihren Kirchen stehen.


Was soll der Förderverein leisten?


In der Vergangenheit hat die Kirchengemeinde bereits Pastorate und Gemeindehäuser veräußert, um sich Unterhaltungskosten zu sparen – eine einmalige Geldeinnahme, die langfristig kaum reicht, um die in den beiden Kirchen praktisch laufend anstehenden Sanierungen zu finanzieren. Dem Förderverein geht es nicht nur um Orgel- und Dachsanierung in der Rabenkirchener Marienkirche, die Arnisser Schifferkirche steht genauso im Mittelpunkt des Tuns. Dort soll der Turm repariert werden, um Schwierigkeiten mit der Statik zu lösen, außerdem fehlen Sanitärbereiche für Mitarbeiter und Besucher. Nadja Jöhnk ahnt: „Es wird keine leichte Aufgabe“. Und auch keine, die innerhalb kurzer Zeit abgearbeitet werden kann. Allein für den Dachstuhl in der Marienkirche kalkuliert die Pastorin mit 350.000 Euro, für die Orgel mit weiteren 100.000 Euro. Aber: „Mit dem Förderverein können wir einen großen Schritt tun“, ist sie überzeugt. Zum Beispiel Stiftungen ansprechen, vor allem aber Menschen begeistern, sich ebenfalls zu engagieren.

Wie will er das leisten?


Mit der Hilfe anderer. Gemeindemitglieder, christlich oder historisch Interessierte, Musikliebhaber, Touristen – sie alle sind gefragt, sich und ihre Ideen einzubringen. Dagmar Fötsch-Middelschulte sagt: „Wir sind gespannt auf die Kreativität.“ Und sie betont: „Wenn man die Kirchen, die Gebäude und ihre Bedeutung näher kennen lernt, erkennt man einen verborgenen Schatz.“ Einen, den man Urlaubern vielleicht noch präsenter machen könnte.

Was steht als nächstes an?


Offizieller Termin ist Montag, 26. Juni. Dann soll der Förderverein mit dem Namen „Kirchbauverein der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen“ aus der Taufe gehoben werden – im Idealfall mit mehr als den bisherigen interessierten Mitgliedern. Die Gründungsversammlung beginnt um 20 Uhr im Rabenkirchener Gemeindehaus, Steenstraat 2  a. Die Gründungsfeier, die gleichzeitig genutzt werden soll, um den Verein bekannter zu machen, ist für Sonntag, 2. Juli, geplant. Ein Freiluftgottesdienst mit den Ostangler Bläsern und dem DRK Rabenkirchen, der auf der Fläche hinter der Marienkirche um 11 Uhr beginnt, soll den geeigneten Rahmen schaffen.

Und warum das alles?


Nadja Jöhnks Gegenfrage: „Wir leben in einem einigermaßen ausgeprägten Wohlstand – und die jahrhundertealten Kirchen sollen wir verfallen lassen? Das tut weh.“ Das Gebäude kommt aus der Vergangenheit, erzählt Vergangenes, aber, sagt die Pastorin: „Die Kirche ist die Brücke in die Zukunft.“


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