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Arnisser Schifferkirche : Gottes Segen unterm Segelschiff

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Pastorin Nadja Jöhnk und ihre Predigt in einer ganz besonderen Kirche: Der Weihnachtsgottesdienst in Arnis lockt viele Auswärtige an.

Seefahrt war früher ein hartes Geschäft. Nicht selten auch lebensbedrohlich. Wenn die Seeleute aus höchster Not gerettet wurden, spendeten sie ihrer Heimatkirche zum Dank ein Schiffsmodell. Vier solcher „Votivschiffe“ hängen in der Arnisser Schifferkirche von der Decke. Sie verleihen dem Gotteshaus in Deutschlands kleinster Stadt einen ganz besonderen Charakter und erinnern daran, dass der Ort an der Schlei einst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Seefahrt eine wirtschaftliche Blüte erlebte.

Auch Nadja Jöhnk ist sich dieser Tradition bewusst. Und wenn die Pastorin in Arnis predigt, versäumt sie es nicht, speziell die Menschen auf See in ihre Fürbitte mit einzubeziehen. An der Schifferkirche schätzt die 45-Jährige die Klarheit. „Ich mag die Schlichtheit der Farben. Sie bringt die Kanzel stärker zum Vorschein“, sagt sie. Die geschnitzte Kanzel, die älter ist als die Kirche selbst und vermutlich von der Nordsee stammt, ist Nadja Jöhnks „Lieblingsstück“. „Meistens predige ich von der Kanzel.“ Das wird sie auch am heutigen Heiligabend tun, wenn sie die Weihnachtsbotschaft verkündet.

Dann wird sie in viele fremde Gesichter blicken, denn unter den annähernd 180 Besuchern in der am Heiligabend meist vollbesetzten Kirche werden erfahrungsgemäß viele Auswärtige sein, die auf den erstaunlich bequemen Bänken sitzen und den Worten der Pastorin lauschen. Die vielen Fischer, die früher Arnis prägten, sind schon längst nicht mehr da. Stattdessen kommen die Zweitwohnungsbesitzer, die Segler sind und das Weihnachtsfest lieber an der Schlei als an Elbe oder Spree verbringen wollen. Auch sonst im Jahr kommen mittlerweile Menschen aus ganz Deutschland nach Arnis, um sich in der pittoresken Schifferkirche trauen oder ihre Kinder mit original Schleiwasser taufen zu lassen.

Gerade der Advent ist für Nadja Jöhnk aber eine stressige Zeit, in diesem Jahr wegen der Flüchtlingskrise ganz besonders. „Mit Besinnlichkeit hat das nicht viel zu tun.“ Die Erwartungshaltung der Gläubigen, sagt sie, sei zu Weihnachten besonders hoch. Entsprechend lange feile sie an ihren Predigten. Die Verbindung von Bibel und aktuellen Geschehnissen dürfe nicht zu banal sein. Natürlich werde sie diesmal nicht am Thema Flüchtlinge vorbeikommen. Gleich vier Gottesdienste wird Nadja Jöhnk halten. Heute zwei Mal in Rabenkirchen (15.30 und 22 Uhr) sowie um 17 Uhr in Arnis. Und am ersten Weihnachtsfeiertag dann noch ein weiteres Mal in der Schifferkirche (11 Uhr).

Die Mutter eines vierjährigen Sohnes weiß, dass sie als Geistliche keinen normalen Beruf ausübt. „Manchmal leidet man auch“, sagt sie und verweist auf die Schicksale, mit denen sie es etwa bei Beerdigungen zu tun hat. Nadja Jöhnk ist sozusagen eine Pastorin auf dem zweiten Bildungsweg. Die gebürtige Schleswigerin lernte zunächst Krankenschwester, ehe sie sich dem Theologiestudium widmete. Seit Herbst 2013 ist sie in der Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen tätig. Zunächst als Vertretung, seit einem Jahr hat sie ganz offiziell die Pastoren-Stelle inne. Ihr Mann Hanno Jöhnk ist Pastor in der Kirchengemeinde Gundelsby-Maasholm.

Der Familie steht ein arbeitsreiches Fest bevor. Doch beklagen will sich Nadja Jöhnk darüber nicht. Nein, sie freue sich auf die Feier an einem so besonderen Ort wie der Schifferkirche und auf die Begegnung mit den vielen Gottesdienstbesuchern. „Die Kirche lebt von den Menschen, die sie füllen.“ Überhaupt habe sie es noch nicht einmal bereut, Pastorin geworden zu sein. „Das ist schon ein toller Beruf“, betont Nadja Jöhnk – und erntet von Küsterin Karin Borngräber (61) umgehend ein dickes Lob: „Ich finde, Sie dürften auch nichts anderes machen.“

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erstellt am 23.Dez.2015 | 18:14 Uhr

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