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Plattdeutsches Theater : Glänzende Premiere der Laienschauspeelers

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Funke ist übergesprungen: Die Premiere der VHS-Laienschauspeelers von „Thea Witt maakt nich mit“ belohnte das Publikum mitn viel Beifall.

Das Licht im Saal erlischt, das erwartungsvolle Publikum wird mucksmäuschenstill. Dann öffnet sich der Vorhang und das Spiel beginnt – irgendwo in einem Dorf, am Meer gelegen. Da hat sich der Bürgermeister einflüstern lassen, dass sich mit einem Ferienzentrum mit allem Drumherum für zahlungskräftige Urlauber viel Geld machen lässt. Doch er stößt auf Widerstand, vor allem bei Thea Witt, die da nicht mitmachen will. Und schon bald steht sie mit ihrem Widerstand nicht mehr allein.

Da waren „De Laienschauspeelers vun de VHS Kappeln“ wieder ganz in ihrem Element. Wenn sie auf der Bühne stehen, dann ist „veel Vergnögen“ angesagt. Bei der Premiere der Komödie „Thea Witt maakt nich mit“ kam das Publikum in ausverkauftem Haus voll auf seine Kosten, genoss ein sozialkritisches Theaterstück, gewürzt mit viel Humor und alles natürlich in Plattdeutsch. Wen man auch fragte, alle waren einmal mehr hellauf begeistert von „unseren Laienschauspeelers“ – Rabels Bürgermeister Helmuth Meyer, ein waschechter Plattdeutscher ebenso wie Jann Rothberg aus Struxdorf. Der mischt nicht nur bei „De Thumbyer Theoterspeelers“, sondern auch bei der „Schleswiger Speeldeel“ und gilt auf dem Scheersberg als Plattdeutsch-Experte. Er hatte sich unters Premieren-Publikum gemischt, um die „tolle Kappelner Gruppe“, zu der übrigens auch seine Frau Almut gehört, zu genießen. Sein ganz besonderes Lob gilt Irmgard Jacobsen, seit über 20 Jahren „Speelbaas“ der Laienschauspeelers.

Für die 69-Jährige und ihre Mitstreiter auf der Bühne und hinter den Kulissen war, als sie sich für die Komödie „Thea Witt maakt nich mit“ entschieden, klar, dass „wir die in ihrer Urspungsform personell nicht besetzen können. Also wurde das Stück gekürzt. Da spielen alle Akteure auf der Bühne Hauptrollen: Elke Lauenstein als die tweerige Thea Witt und Birger Hansen als ihr Sohn Peter, Kuddel Jacobsen als pfiffiger Gemeindediener Momme, Carsten Brodersen als ehrgeiziger Bürgermeister Martin Bollmann und Friedrike Petersen als seine Tochter Frauke. Mit dabei sind auch Sonny Sonntag und Christiane Spliedt als Doppelbesetzung für die etwas spleenige Frau Ganowski sowie Maik Stender und Marion Lorenzen als das erholungssuchende Ehepaar aus der Stadt.

Die Komödie aus der Feder von Jens Exler, 1914 in Flensburg geboren und 1987 dort gestorben, hat es mit ihren sozialkritischen Tönen – wirtschaftlicher Profit contra Landschaft und Natur – in sich. Da geht es um konträre Sichtweisen. Deutlich wird, dass Kompromisse gefunden werden müssen, damit das Leben auf dem Land und im Dorf lebenswert bleibt. Und es muss keineswegs immer der zum Protest erhobene Zeigefinger sein, da lässt sich mit Humor und natürlich auf Plattdeutsch vieles in verbindlicher Weise bewerkstelligen – jedenfalls im Theaterspiel. Irmgard Jacobsen jedenfalls ist zuversichtlich, dass Jens Exler „unserer Inszenierung mit einem amüsierten Lächeln von Wolke sieben zuschaut“.

Die 1971 erstmals in Flensburg aufgeführte Komödie hat von ihrer Aktualität nichts verloren, denn Geld ist nicht alles, es geht um den Schutz von Natur und Landschaft und der in ihr lebenden Menschen, die sich in ihrer Heimat wohlfühlen wollen. Fazit: Nicht alles widerspruchslos hinnehmen, sondern seine Stimme erheben. Dazu Irmgard Jacobsen: „Das ist ein Stück, das zu uns passt.“ „De Laienschauspeelers vun de VHS“ sind stets für Überraschungen gut und das seit mittlerweile vier Jahrzehnten. Jedes Jahr sorgen sie für vergnügliche Theaterabende, sind ein Garant für gute Laune der plattdeutschen Art. Dass sie mangels einer Spielstätte in der Schleistadt seit etlichen Jahren in Karby auftreten, tut dem Zuspruch von Besuchern keinen Abbruch. Die Fans sind ihnen nach Schwansen gefolgt. Zu den Akteuren gehören „alte Hasen“ ebenso wie junge Talente. Es ist in erster Linie die plattdeutsche Sprache, die allen gemeinsam ist und die sie erhalten möchten – ganz egal, ob man auf der Bühne steht oder hinter den Kulissen agiert. Sie alle zusammen sind ein Team, sind „De Laienschauspeelers“, deren schönster Lohn der Beifall des Publikums ist – und den gab es wieder reichlich. Wenn der Plattdeutsch-Funke von der Bühne auf die Zuschauer überspringt, dann stimmt die Theaterwelt „vun de VHS“.

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Weitere Aufführungen von „Thea Witt maakt nich mit“ gibt es morgen, Freitag, 11. April, und Sonnabend, 12.April, an allen drei Tagen jeweils ab 20 Uhr im „Gasthaus Nüser“ in Karby. Karten gibt es in Kappeln bei der Buchhandlung Gosch, Kock’s Bücher und Weine sowie an der Abendkasse.

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