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Kappeln : Gilde belohnt „Garibaldi“-Retterin

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Versammlung der Kappelner Junge-Leute-Gilde verlief turbulent.

Es war – wie erwartet – ein Kondition fordernder Tag für die Mitglieder der Kappelner Junge-Leute-Gilde. Er begann traditionell am Morgen mit dem „Türkentrecken“ und einem Umzug und endete am Abend mit der Gildeversammlung. Die eröffnete der erste Ältermann Jan Becker offiziell mit dem Öffnen der Gildelade und dem Anlegen der Gildekette und konnte anschließend 18 aktive und 19 ehemalige Gildebrüder begrüßen.

Danach übernahmen Jan Becker, der zweite Ältermann Claudius Callsen und der dritte Ältermann Florian Funk die Regie in absolutistischer Manier. Und das bedeutete, sie durften Strafen verhängen. Zuspätkommen, Dazwischenreden oder falsches Singen waren strafwürdige Tatbestände, die satzungsgemäß Geldstrafen nach sich zogen. Die wurden in der Regel ohne Murren bezahlt und oft auch provoziert. Es war Geld, das in die Gildekasse floss. Strafgeldeintreiber Jan Martensen hatte fast bis Mitternacht gut zu tun.

Zu Beginn der Versammlung gab es eine dicke Überraschung, die für die Ältermänner böse hätte ausgehen können. Sie sind nämlich dafür verantwortlich, dass das Gildemaskottchen „Garibalidi“ sicher aufbewahrt wird. Dass die Aufsichtspflicht der Ältermänner vernachlässigt worden war, machte Sabine Mau deutlich. Als Ehefrau eines Gildebruders der Männergilde stürmte sie in die Versammlung, obwohl Frauen in der Regel keinen Zutritt haben, brachte „Garibaldi“ mit und erklärte, dass sie das Maskottchen „unter Einsatz meines Lebens gerettet“ habe. Als Beweis legte sie Fotos von Löwen vor, die angeblich den unter Verschluss gehaltenen „Garibaldi“ zerfetzen wollten. So recht wollte ihr allerdings niemand glauben. Trotzdem: Sabine Mau forderte für ihre „mutige Tat“ ein Lösegeld für ein soziales Projekt in Tansania, das sie trotz Bedenken auch erhielt. Die Ältermänner übernahmen als Strafe für ihr „fahrlässiges Verhalten“ eine Runde Bier und Korn.

Danach gab Jan Becker seinen ersten Jahresbericht in Kurzform. Er sprach von einem guten Gildejahr, das aus seiner Sicht harmonisch abgelaufen sei. Die „Türkengilde“ war bei den Heringstagen und beim Festkommers der Männergilde vertreten. Zudem wurde ein neuer „Gildewagen“ angeschafft. Künftig, so Becker, wollen die Älterleute nicht mehr alles alleine machen, sondern die Arbeit verstärkt auf viele Schultern verteilen. Für das Vereins- und Behördenschießen hatte Lars Burger die Verantwortung getragen und zwei Mannschaften auf die Beine gestellt. Die erste Mannschaft landete am Ende auf Platz 2. Und Michael Janssen wurde unter den rund 160 Schützen bester Einzelschütze. Im nächsten Jahr möchte die Gilde den ersten Platz im Mannschaftswettbewerb erringen. Florian Funk, der für die „Türkenmaskerade 2015“ verantwortlich war, berichtete von einer gut besuchten Veranstaltung mit „toller Stimmung“.

Anschließend sorgte Jan Becker für Diskussion, als er anmerkte, dass die „Türkengilde“ 2017 350 Jahre alt wird, und aus diesem Grund fragte, ob nicht eine „Große Gilde“ gefeiert werden soll. Dieser Gedanke wurde von vielen ehemaligen Ältermännern unterstützt. Aufgrund der damit verbundenen Arbeit will Becker jedoch zunächst eine weitere Versammlung einberufen. Die letzte „Große Gilde“ fand im Jahr 2000 statt, nach 68-jähriger Pause.

Verabschiedet wurden Hauke Daniel und Peter Jöhnck aus der Reihe der Aktiven mit dem Gildeteller, weil sie die Altersgrenze von 40 Jahren erreicht haben. Der langjährige erste Ältermann Hauke Daniel erhielt zusätzlich eine Tasse als Dank für die geleistete Arbeit. Einstimmig aufgenommen – zunächst für ein Probejahr – wurde Frederic Föh. Nach erfolgreich durchlaufenem Probejahr wurden Tobias Steffen, Christian Carstensen und Ben Wischer vollwertige Mitglieder.

Und dann gab es noch einen Zwischenfall. Ein Gildebruder wurde seit der Pause vermisst. Die Älterleute waren ratlos. Auf Vorschlag aus der Versammlung wurde eine Patrouille losgeschickt, die den Vermissten aufspüren sollte. Nach einer Stunde war sie zurück. Der Suchtrupp berichtete, dass er den Vermissten zu Hause im Bett vorgefunden habe. Als er wieder angezogen war, versuchte er zu flüchten. Er wurde per Taxi verfolgt und in „einem Versteck aufgegriffen“. Danach kam er freiwillig mit in die Versammlung, entschuldigte sich fröhlich und spendierte eine Runde.

Trotz aller Turbulenzen wurden auch noch ein paar Beschlüsse gefasst, zum Beispiel als es um die Aktivitäten 2016 ging. Die „Türkenmaskerade 2016“ steigt am 6. Februar in der „Alten Eule“ unter dem Motto „Partysafari durch den Dschungel“. Verantwortlich dafür ist der Festausschuss unter Leitung von Michael Janssen, Falko Mertens und Jan Martensen. Allerdings sind alle Mitglieder zur Mitarbeit aufgefordert. Knochenpuhlen und Deko-Essen soll Claudius Callsen vorbereiten. Für die Organisation des Königsschießens und des Sommergrillens ist Nicklas Itzke verantwortlich und für das Vereins- und Behördenschießen Lars Burger.

Trotz der vielen Störungen konnte Jan Becker die Versammlung zügig abwickeln. Offiziell endete die Versammlung um 23.33 Uhr. Zum Vergleich: Im Vorjahr war erst um 0.01 Uhr Schluss.

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