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Geschichte der Howaldtswerft fesselt die Nautiker

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 12:20 Uhr

Die 176-jährige Geschichte der Howaldtswerft Kiel stand im Mittelpunkt des Oktobertreffens des Nautischen Vereins Kappeln-Schlei im Restaurant „Landgang“ im Kappelner Nordhafen. Als Referent des Abends berichtete Dr. Jürgen Rohwedder über die Entwicklung des Kieler Unternehmens, das wie kaum ein anderes mit der deutschen Geschichte verbunden ist.

Der promovierte Historiker ist Vorsitzender des Nautischen Vereins Kiel, war viele Jahre Sprecher einer großen Werftgruppe, Geschäftsführer mehrerer maritimer Verlage und arbeitet auch mit 74 Jahren noch als Journalist.

Unter dem Titel „Beständiger Wandel – von Schweffel & Howaldt zu ThyssenKrupp Marine Systems“ ließ er die Besucher anhand seines Bildervortrags an den Höhen und Tiefen der Howaldtswerft in 176 Jahren teilhaben. Obwohl Rohwedder rund zwei Stunden zügig berichtete, wurde es den Anwesenden nicht eine Minute langweilig. Dass sein spannender Vortrag das Interesse geweckt hatte, zeigten die Fragen beim abschließenden nautischen Klönschnack.

Unter anderem erfuhren die Besucher, dass der Betrieb wegen finanzieller Schwierigkeiten mehrfach von der Schließung bedroht war – aber immer irgendwie gerettet wurde.

Die Ursprünge der Howaldtswerke Kiel gehen zurück in das Jahr 1838. Damals gründeten Johann Schweffel und August Ferdinand Howaldt die Maschinenfabrik und Eisengießerei „Schweffel & Howaldt“ in Kiel. Hier wurde 1850 das erste U-Boot der Welt gebaut – „Brandtaucher“. Im Laufe der Zeit wechselte die Firma des Öfteren ihren Namen. Es entstanden die „Maschinenfabrik Gebrüder Howaldt“ (1879) und „Howaldtswerke AG“ (bis 1945). 1953 wurde das Unternehmen in die selbstständigen Firmen Kieler Howaldtswerke und Howaldtswerke Hamburg AG aufgespalten. Ein Jahr später verschmolz das Kieler Unternehmen mit der Deutschen Werft Kiel (DWK). 1968 entstand aus den Kieler und Hamburger Howaldtswerken und der Deutschen Werft das neue Unternehmen „Howaldtswerke-Deutsche Werft AG“ (HDW). Eigentümer waren die Deutsche Werft und die Salzgitter AG. 1975 wurde das Land Schleswig-Holstein mit 25,1 Prozent Mitgesellschafter. Nach einigen Strukturänderungen ist aus HDW heute „ThyssenKrupp Marine Systems“ (2013) entstanden.

Das Unternehmen mit Sitz in Kiel, kurz TKMS, „ist heute Weltmarktführer im U-Boot-Bau – mit einem Technologievorsprung zur Konkurrenz von zehn Jahren“, wie Rohwedder erläuterte. Allerdings machte er deutlich, dass die Konkurrenz auf dem Vormarsch sei.

Insgesamt wurden bei der HDW mehr als 1500 Schiffe gebaut. Hier entstanden unter anderem „SMS Vulkan“ (1908) als erstes deutsches U-Boot-Hebeschiff, der atomgetriebene Frachter „Otto Hahn“ (1968), das Polarforschungsschiff „Polarstern (1982) und das Traumschiff „MS Deutschland“ (1998), Mega-Jachten und seit 2004 das modernste Brennstoffzellen-U-Boot der Welt, „U 31“. Der Bau dieser U-Boote bildet heute einen Schwerpunkt der Firma, die über 6000 Mitarbeiter in Deutschland, Schweden und Griechenland beschäftigt. In der Blütezeit waren es über 20 000 – das war vor dem Einsatz der Schweißroboter.

Für den gelungenen Vortrag erhielt der Referent nicht nur viel Applaus von den Nautikern. Der stellvertretende Vorsitzende Roderich Felsberg bedankte sich dafür mit einem Aal von Föh.

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