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Erzählwerkstatt : Gepackt vom Zauber des Erzählens

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Klaus Dörre hat in Neukirchen sieben Frauen und vier Männer zu Märchen-Experten ausgebildet.

„Wer gut erzählt, kann Gespräche, Vorträge, Unterricht und Veranstaltungen lebendig und eindrücklich werden lassen“, sagt der Märchenpädagoge und freischaffende Künstler Klaus Dörre (67), seit 13 Jahren für den gemeinnützigen Verein „Grundstein“ in Neukirchen tätig. Sein „Lieblingskind“ ist die Erzählwerkstatt – die Ausbildung von Erzählern.

Zu erleben, wie Worte lebendig werden, das trainierten seit Anfang dieses Jahres an acht Wochenenden elf Frauen und Männer. Sie gestalteten zum Abschluss Märchenfeste für Kinder und Erwachsene und erhielten Zertifikate. Dazu Dörre: „Sie haben die Kunst des freien Erzählens aus inneren Bildern heraus erlernt und diese Kunst hilft, Ängste zu überwinden, Spannungen zu lösen, sich zu orientieren, Mut und Hoffnung zu schöpfen.“

Dass bei dem jetzt zu Ende gegangenen Seminar mit Teilnehmern aus Preetz, Husum, Hamburg, Kiel, Flensburg, Oeversee und Sörup vier Männer dabei waren, ist ein Novum: „So viele waren es noch bei keinem Seminar.“ Dreh- und Angelpunkt der Ausbildung war das Vermitteln des freien Erzählens – ohne Auswendiglernen. Denn eine Geschichte, einmal gehört, setze sich in den Seminarteilnehmern mit Bildern und Gefühlen fest. Dörre: „Und wenn sie die Geschichte wiedererzählen, ist der rote Faden vorhanden, wobei es aber entsprechend der jeweiligen Erzähl-Person unterschiedliche Nuancen gibt.“

Das wurde am Beispiel des Grimmschen Märchens „Die Alte im Wald“ deutlich. Dörre, der zum Erzählen über die Gute-Nacht-Geschichten für seine Kinder kam, erklärte das so: „Die Teilnehmer erinnern sich an das Gehörte rückwärts vom letzten bis zum ersten Bild und dann umgekehrt – und beginnen zu erzählen.“ Im Prinzip sei das ganz einfach, man müsse es nur lernen und trainieren.

Das haben die Teilnehmer getan. Sie stellten ihr Können zum Abschluss eindrucksvoll unter Beweis – wie zum Beispiel der 51-jährige Robert Konrad aus Oeversee, der als Erzieher in einem Kinderheim in Dithmarschen arbeitet. Es war zum einen Neugier, zum anderen seine Liebe zu Märchen, die ihn dazu veranlasste, sich in Neukirchen zum Erzähler ausbilden zu lassen. Für ihn steht fest, dass er das Erlernte beruflich für seine elf- bis 13-jährigen Schützlinge einsetzen wird. „Ich weiß, wie sehr gerade Märchen verzaubern können“, sagte Konrad. Es entstünden bei den Zuhörern sehr unterschiedliche innere Bilder. Sei von einer Prinzessin die Rede, sähen Kinder sie in einem rosa Kleid, mit blonden Haaren und goldenen Schühchen. „Mein Prinzessinnen-Bild ist sehr viel rustikaler – eher der Ronja Räubertochter ähnlich“, räumte er ein. Das Seminar habe bei ihm dazu beigetragen, über sich selbst nachzudenken, ruhiger und gelassener zu werden. Jetzt traut er sich zu, auch vor einer größeren Menschenmenge zu sprechen.

Ältester Teilnehmer dieses Jahr war der 79-jährige Kunstprofessor Manfred Korte aus Kiel. Er betonte: „Über die Märchen entdecke ich mich selbst.“ Jüngste Teilnehmerin war die 25-jährige Jana Surkus, eine gebürtige Flensburgerin, die in Sonderburg als Kunstkonsulentin bei der deutschen Minderheit tätig ist. „Eine tolle Ausbildung in liebevoller Atmosphäre“, saget sie rückblickend. Durch das Seminar habe sie gelernt, langsamer reden, um den Zuhörenden Zeit zum Verinnerlichen zu geben. Aus Hamburg dabei war die 67-jährige Sybille Busch, Kauffrau im Ruhestand. Als sie vor einem Jahr im Haus des Frauenwerks des Kirchenkreises, direkt neben „Grundstein“, an einer Meditation teilnahm, fand parallel dazu das Märchen-Abschlussfest statt. Davon war sie so angetan, dass sie, als Anfang dieses Jahres der Start für eine neue Erzählwerkstatt anstand, entschied: „Da fahr ich hin.“ Sie habe dies nicht bereut. „Nach längst vergangenen Kindertagen wieder mit Märchen in Berührung zu kommen, hat mir gut getan“, sagte Busch. In privaten Runden, fügte die Hamburgerin hinzu, erzähle sie mittlerweile Geschichten, und das will sie ausweiten.

Die Erzählwerkstatt 2014 gehört nun der Vergangenheit an, doch es geht weiter. Eine neue Ausbildungsrunde startet im kommenden Januar.


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