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350 Jahre Arnis : Gemeinschaft auf Schritt und Tritt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Arnis feiert seine seit 350 Jahren währende Freiheit mit der ganzen Stadt. Und die neue Landesregierung ist auch vertreten.

Vom Fähranleger bis zum Badestrand und entlang der gesamten Langen Straße wurde am Sonnabend in Arnis kräftig gefeiert. Besucher kamen mit dem Fahrrad, dem Boot oder dem Auto aus allen Teilen Deutschlands, um mit den Arnissern ihr großes Jubiläum zu begehen, das daran erinnern soll, dass vor 350 Jahren 65 Kappelner Bürger auf die kleine Insel in der Schlei zogen, um in Freiheit leben zu können.

Den festlichen Auftakt bildete ein deutsch-dänischer Gottesdienst in der Schifferkirche. Dann marschierten die Arnisser und ihre Gäste in einem großen bunten Festumzug durch die Stadt. Vorneweg tanzte der Clown „Kapitän Fiete“, gefolgt vom Westerakebyer Feuerwehrmusikzug, dem Arnisser Turn- und Sportverein in knallorangen Shirts und den zünftig gewandeten Darstellern des historischen Schauspiels, das am Abend aufgeführt werden sollte. Dazwischen viele Kinder und Erwachsene, die trotz der anfangs sehr düsteren Wolken und einiger Regentropfen durchweg bester Stimmung waren. Wer nicht mitmarschierten wollte, hatte es sich am Straßenrand gemütlich gemacht, um das fröhliche Geschehen zu beobachten.

Anschließend drängelten sich alle erwartungsvoll im großen Festzelt, wo Bürgermeister Bernd Kugler die zahlreichen Ehrengäste begrüßte. Ehe die aber zu Wort kamen, sprach er zwei ganz besondere Ehrungen aus. Erika Kotenbeutel und Lotti Wiese, zwei Urgesteine der Stadt Arnis, die mit ihrem Engagement, mit Witz und Charme das Gemeindeleben stark geprägt haben, wurden auf die Bühne gebeten. Fast alle im bis zum letzten Platz gefüllten Festzelt erhoben sich von ihren Plätzen und bedachten die beiden mit tosendem Beifall.


Gelebte Nachbarschaft


Ein weiterer Ehrengast war Hans-Joachim Grote, der neue Innenminister Schleswig-Holsteins, der die Glückwünsche des Ministerpräsidenten überbrachte. In seiner Ansprache betonte er die Einzigartigkeit der kleinen Stadt, die mit ihren 297 Einwohnern dieses Jubiläum ein Jahr lang vorbereitet hatte. „Gemeinschaft ist die Grundlage des Erfolgs“, so Grote. Ein Problem sei heute vielfach die Anonymität. „Hier in Arnis aber werden Nachbarschaft, Freundschaft und Gemeinschaft aktiv gelebt.“ Landrat Wolfgang Buschmann, und der dänische Generalkonsul Henrik Becker-Christensen gingen ausführlich auf die besondere Geschichte der Stadt ein. Beide betonten den Freiheitsgedanken, aus dem Arnis entstanden ist, und Becker-Christensen hob zudem die besondere Verbundenheit zwischen Dänen und Deutschen hervor. Kappelns Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker überbrachte Glückwünsche der Nachbarstadt und überreichte den Ehrenteller ihrer Heimat. Sie wies darauf hin, dass das „hohe Gut der Freiheit“ so aktuell sei wie selten zuvor.

Zum Abschluss hielt Historiker Nikolaus Schmidt einen Vortrag über die wechselvolle Geschichte der Stadt. Wer sich noch genauer informieren wollte, konnte dies bei einer kleinen historischen Ausstellung im Rathaus tun. Rosemarie Selber fand dort ein Foto aus den 50er-Jahren, auf dem sie sich im Sommerkleid wiedererkannte. Sie ist in Arnis aufgewachsen, lebt aber schon seit über 50 Jahren nicht mehr dort. So wie sie waren viele ehemalige Arnisser zum Jubiläumsfest angereist. Karin und Jörg Riechert kamen sogar aus Brandenburg und betonten: „Wenn wir an die Schlei fahren, geht es auf alle Fälle nach Arnis. Es ist so bezaubernd hier, man findet Ruhe.“

Während des förmlichen Teils im Zelt war draußen die Sonne hervorgekommen, und das Fest lief auf Hochtouren. Am Wurststand bildeten sich Schlangen, auf dem Kunsthandwerkermarkt gab es zeitweise kein Durchkommen mehr, „Kapitän Fiete“ zog, von zahlreichen Kindern gefolgt, durch das Gedränge, ließ Riesenseifenblasen steigen, blies Luftballons auf und kurvte mit einem sehr merkwürdigen Fahrrad herum. Am Strand war ein Wikingerdorf aufgebaut, das hauptsächlich für die kleinen Gäste gedacht war, aber auch bei den Erwachsenen gut ankam. Dort konnte man sich im Axt- und Speerwerfen üben, Lederbeutel basteln oder Kuhhörner polieren. Besonders viel Betrieb herrschte beim Bernsteinschleifen und Kettenbasteln. Dort wollte Jana Matthiesen denn auch lieber bleiben, als mit ihren Eltern zum Wurststand weiter zu gehen. Die Familie hat ihre Wurzeln in Arnis und das Fest mit einem Familientreffen verbunden.

Am anderen Ende der Stadt gab es die Möglichkeit, auf dem Wikingerschiff „Sygin“ oder dem Gaffelsegler „Catarina“ mitzusegeln. Auf der Schlei fand währenddessen die Jubiläumsregatta satt. Nebenan hatte Kristian Dittmann seine Strand-Manufaktur mit Seegrasprodukten aufgeschlagen, Heidi Ulderup bat zur Vernissage. Auf der Terrasse der Rumhökerei war kaum noch ein Platz frei, ebenso im Café „Freies Arnis“ am Fähranleger.

Wem vom vielen Herumlaufen die Beine weh taten, der setzte sich mit einem kühlen Getränk ins Festzelt und ließ sich vom „Rita Gäbler Quintett“ oder der Band „Regulators“ unterhalten, die ebenso aus Arnis stammte, wie die Darsteller der Theateraufführung „Auszug nach Arnis“, die Elke und Hendrik Horn extra für diesen Tag umgeschrieben hatten. Was Gemeinschaft und ein Leben in Freiheit für Arnis auch heute noch bedeuten, spürte man bei diesem Fest, das erst spät mit einer Lichtschau über der Schlei endete, auf Schritt und Tritt.

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