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Interview : „Gemeinsam für unsere Stadt“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker und Bürgermeister Heiko Traulsen im Gespräch.

shz.de von
erstellt am 01.Jan.2016 | 17:10 Uhr

2015 ist gerade vorüber, 2016 hat eben begonnen. Im Interview blicken Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker und Bürgermeister Heiko Traulsen zurück und wagen gleichzeitig eine Vorausschau auf das, was kommt.

 

Wenn Sie dem Jahr 2015 eine Überschrift geben könnten – welche wäre das und weshalb?

Ungethüm-Ancker: Turbulent. Zunächst aufgrund der Bürgermeisterwahl, aber auch aufgrund dessen, was wir alles auf den Weg gebracht haben, beispielsweise die enormen Investitionen in die Feuerwehr oder die Breitbandversorgung. Und aufgrund der Flüchtlingsströme, damit haben wir ja alle nicht gerechnet.

Traulsen: Ich würde statt turbulent lieber bewegend, bewegt, aufregend, erfolgreich und schön sagen. Erstmal freue ich mich über das Ergebnis der Bürgermeisterwahl. Und es sind noch nie in einem Jahr 850.000 Euro an Sonderbedarfsmitteln in die Stadtkasse geflossen – das ist ein großer Erfolg. Ansonsten haben wir tatsächlich viele Projekte begleitet und auch umgesetzt.

 

Haben Sie im Rückblick mehr erreicht als gedacht oder weniger?

Traulsen: Eher weniger. Ab spätem Frühjahr setzte eine Blockadehaltung ein, etwa, als es um das Thema innerstädtische Aufwertung ging. Aber die Vorhaben sind ja nicht vom Tisch.

Ungethüm-Ancker: Es handelte sich dabei nicht um eine Blockadehaltung. Vielmehr ging es darum, Mehrheiten für ein Konzept zu finden. Und wenn diese Mehrheiten nicht da sind, ist es vielleicht nicht das richtige Konzept.

 

2015 litt ganz offensichtlich unter den Misstönen zwischen Politik und Verwaltung. Warum wird das 2016 anders sein?

Traulsen: Weil wir uns daran erinnern, wofür wir eigentlich da sind. Dann dürfen wir sachlich und fachlich streiten und kommen auch zu Lösungen. 2016 wird deutlich entspannter werden.

Ungethüm-Ancker: Wenn wir es schaffen, nicht übereinander sondern miteinander zu reden, funktioniert es. Wir sind hoffentlich professionell genug, um für die Stadt verantwortungsvoll zu handeln.

 

Frau Ungethüm-Ancker, als Sie vor zweieinhalb Jahren Ihr Amt als Bürgervorsteherin antraten, sagten Sie den Satz: „Es ist meine Aufgabe, Brücken zu bauen.“ Wie definieren Sie Ihre Aufgabe in der aktuellen Lage?

Ungethüm-Ancker: Noch sehr viel stärker als Brückenbauerin, weil einige Brücken eingerissen sind. Es geht fast täglich um Vermittlung. Mir ist auch wichtig, dass Informationen aus der Politik sowie aus der Verwaltung zu den Bürgern fließen und zwar auch in der richtigen Reihenfolge. Genauso wichtig ist mir aber auch Transparenz. Gleichzeitig habe ich eine politische Meinung, die ich weiterhin äußern werde. Ich möchte nicht alles glattbügeln.

 

Herr Traulsen, Sie wurden im September mit einem deutlichen Ergebnis als Bürgermeister bestätigt – und das obwohl Sie gerade kurz zuvor berechtigte Kritik zum Bau der Feuerwehrhäuser einstecken mussten. Woran machen Sie das Wahlergebnis fest?

Traulsen: Auf jeden Fall nicht am Bau der Feuerwehrhäuser. Mir sagte einmal ein Wähler, ich sei immer in der Stadt präsent. Ich nehme viele Themen auf und kümmere mich und ich glaube schon, dass das auch so wahrgenommen wird.

 

Was war die schwierigste Entscheidung im Jahr 2015?

Ungethüm-Ancker: Sicherlich den Eigenbetrieb Parken einzustellen, weil es das ganze Jahr über Widerstand gab. Der Wirtschaftskreis hatte durchaus berechtigte Argumente, den Eigenbetrieb zu erhalten. Er hat seinen Sinn gehabt, aber jetzt kann man das Ziel der Parkraumverbesserung schlanker und kostensparender über den Haushalt erreichen.

 

Wenn man sich die drei Jahre, die der Eigenbetrieb existiert hat, ansieht, sind handfeste Resultate, die er gebracht hat, überschaubar.

Ungethüm-Ancker: Leider ist nichts passiert. Deshalb geht es jetzt um die Umsetzung – einmal was die quantitative, aber auch qualitative Aufwertung der Parkflächen angeht. Ich finde es schade, dass selbst einvernehmliche Punkte des Fahrradkonzeptes nicht umgesetzt wurden.

Traulsen: Seitens der Verwaltung haben wir uns in Nachbarstädten umgeguckt: Warum bauen sie Parkplätze? Wo bauen sie diese? Und in welcher Anzahl? Und alle Städte haben sich externen Sachverstand eingekauft. Die Verwaltung möchte daher gerne die Erstellung eines Verkehrsgutachtens vergeben, um belastbare Zahlen zu haben.

 

Sprechen wir über die Großprojekte. Beim Ostseeresort hat zum Jahresende der Eindruck entstehen können, als ob sich die Politik vom Marina-Investor hat unter Druck setzen lassen – auch wenn der Zeitverzug dem Entgegenkommen der Helma gegenüber den Naturschützern geschuldet war.

Ungethüm-Ancker: Ich bezeichne mich, was das angeht, nach wie vor als befangen. Nichtsdestotrotz habe ich genau dieses Gefühl. Und deshalb finde ich dieses Vorgehen nicht förderlich bei der Tragweite des Projekts.

Traulsen: Die Idee, Naturschützer von vornherein einzubinden, kam auch aus der Verwaltung, um sich besser abzustimmen. Das hat sich dann so verselbstständigt, dass wir einem Zeitdruck unterlegen waren. Trotzdem halte ich den Umstand, eine mehrseitige Abwägungstabelle erst am Abstimmungstag vorzulegen, zumindest für kritisch. Es ist auch deutlich bei der Helma angekommen, dass man nicht noch mal so verfahren kann. Das muss eine Ausnahme bleiben. Wir erwarten einen ähnlich prägenden Bauabschnitt bei der Hotellerie an der Wasserkante. Da wird es mehr Vorlauf benötigen.

Ungethüm-Ancker: Zudem finde ich es sehr schade, dass wir ständig über die Mercedes-Version der Promenade gesprochen haben. Und plötzlich wurde uns gesagt, dass der Fluss der Fördergelder zu lange dauert, jetzt gibt es doch nur den Gogo. Auch das ist nicht vertrauensbildend.

 

Bei der Marinewaffenschule ist keine Bewegung zu erkennen – obwohl es im Sommer hieß, Stadt und AMA hätten sich bei der kniffligen Frage der Erschließungsbürgschaft geeinigt.

Traulsen: Mitte Januar wird das Planungsbüro die vom Land eingeforderten Anpassungen und Hinweise darstellen, um den F-Plan auf Kurs zu schicken, das heißt ihn zur Genehmigung dem Innenministerium vorzulegen. Das hätte eigentlich im Herbst schon passieren sollen. Und es ist klar, dass man einen F-Plan deutlich schneller als in vier Jahren entwickeln kann. Ich bedauere, dass sich die Eigentümer so viel Zeit gelassen haben.

 

Woran lag es, dass sich die AMA so viel Zeit genommen hat?

Traulsen: Vielleicht, weil sie mit Konversionsprojekten noch nicht so viel zu tun hatten. Vielleicht, weil sie die Größenordnung nicht richtig eingeschätzt haben. Vielleicht, weil sie mit Projekten vor der eigenen Haustür zu tun hatten. Das sind aber alles Mutmaßungen. Trotzdem glaube ich, dass die AMA dieses Projekt umsetzen kann.

 

Beherrscht hat 2015 das Thema Flüchtlinge. Was wird uns da 2016 erwarten?

Ungethüm-Ancker: Das Ordnungsamt leistet Großartiges, ist aber am Anschlag. Die Paten-Initiative funktioniert ebenfalls exzellent. Ich glaube aber, dass noch mehr Menschen zu uns kommen. Und die ersten Beschlüsse dazu sind gefasst, wie zum Beispiel die Überplanung der Förderschule und des Bereichs in Loitmarkfeld.

Traulsen: Diejenigen, die hier bleiben, benötigen irgendwann nicht mehr die Hilfe der Paten oder der Stadt. Und wenn das Sprachhemmnis behoben ist, läuft der Integrationsprozess. Nächster Schritt ist dann, Arbeit zu finden. Also, das Thema wird 2016 definitiv prägen.

 

Als Erfolg 2015 kann sicher die Gründung des Breitband-Zweckverbandes gelten. Wie geht das 2016 weiter?

Traulsen: Am 13. Januar findet die konstituierende Sitzung statt. Wenn wir richtig schnell sind, haben wir in drei, spätestens fünf Jahren fast jedes Haus mit der Breitbandversorgung erreicht.

Ungethüm-Ancker: Das schöne Signal, das davon ausgeht, ist, dass Angeln und Schwansen gut harmonieren.

Traulsen: Wir haben uns mit Schwansen ja schon beschnuppert, als es um das interkommunale Gewerbegebiet ging. Auch da gibt es sehr gute Signale aus dem Bereich.

 

Was können wir da 2016 erwarten?

Traulsen: Die Grundstücksoption  hängt am Wirtschaftsministerium, das entscheiden wird, ob es eine direkte Anbindung an das Erdbeerfeld von der B203 zulässt oder nicht. Diesbezüglich finden die nächsten Gespräche im Januar statt. Wenn der Entscheid negativ ausfällt, wird es für die Stadt richtig problematisch, sich in dieser Gewerbefläche zu entwickeln.

Ungethüm-Ancker: Wir müssen allerdings auch aufpassen, dass wir von Seiten der Stadt nicht zu sehr in Vorleistung gehen, was die Erschließung betrifft, ohne zu wissen, wer überhaupt Interesse hat. Es muss modular aufgebaut sein. Und zwar ohne Einzelhandel, aber mit Breitband.

 

Für die Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK) wird das Jahr 2016 ein entscheidendes. Derzeit werden verschiedene Modelle durchgespielt. Wie soll Stadtmarketing künftig aussehen?

Traulsen: Kappeln ist ein Leuchtturm, und der sollte verteidigt werden. Derjenige, der die WTK führt, muss sich mit der Region und den Menschen identifizieren und darf Kappeln nicht aus dem Blick verlieren. Da hilft es uns wenig, wenn das von außen gesteuert wird. Mir ist eine enge Verknüpfung zwischen Kaufmannschaft, Politik und Verwaltung wichtig. Stadtmarketing muss in, aus und für Kappeln passieren. Deshalb ist es  nicht zwingend, aber mein Wunsch, die WTK-Geschäftsführung ins Rathaus zu holen.

Ungethüm-Ancker: Wer meint, dass ein Stadtmanager nicht in Kappeln arbeitet, hat das Stadtmarketing falsch verstanden. Ich würde gerne die Marke Kappeln  als Schwerpunkt in der Region stärken. Eine charmante Idee ist es, wenn Stadtmarketing und Ostseefjord-Schlei GmbH dichter zusammenrücken. Ich verspreche mir davon Synergieeffekte. Kappeln hat viele funktionierende  Netzwerke, diese können nur durch einen Stadtmanger vor Ort richtig genutzt werden. Allerdings wünschte ich, wir wären bei diesem Thema schon weiter.

 

Unter welchem Motto soll 2016 stehen?

Traulsen: Gemeinsam für unsere Stadt.

Ungethüm-Ancker: Das finde ich gut.

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