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Trauercafé in Kappeln : Gemeinsam aus der Dunkelheit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Trauercafé hilft Hinterbliebenen wieder auf die Beine. Die monatlichen Treffen im Hotel „Zur Mühle“ werden gut angenommen.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2017 | 08:00 Uhr

„Das Abschiednehmen und Loslassen gehört zu jedem Leben dazu. Jeder Abschied tut weh, die Trauer sollte verarbeitet werden und dazu ist es wichtig, dass die Seele trauern darf.“ Helga Brusgatis leitet das Trauercafé der Hospizgruppe Kappeln zusammen mit zwei weiteren Frauen. Gemeinsam helfen sie Menschen, die den Partner oder einen engen Vertrauten verloren haben, wieder auf die Beine zu kommen.

Sie musste den Weg selbst gehen: Nach dem Tod ihres Mannes 2009 hat Helga Brusgatis gemeinsam mit Pastor Christoph Sassenhagen einen Trauergesprächskreis gegründet, der von vielen Trauernden angenommen wurde und ihnen und ihr selbst eine große Hilfe war. So berichtet es auch Gisela Tanck aus Schönhagen. „Ich bin in ein tiefes Loch gefallen“, sagt die 75-Jährige. Ihr Mann verstarb vor fast fünf Jahren ganz plötzlich, und auch wenn ihre beiden Kinder ihr eine große Hilfe waren, stand sie vor der Bewältigung der Situation und ihres Kummers doch oft allein. Die Gespräche mit Pastor Sassenhagen seien sehr wichtig für sie gewesen, erklärt sie, und so sei auch der Kontakt zu Helga Brusgatis entstanden. „Zuwendung hilft“, weiß die Trauerbegleiterin aus Erfahrung. In Einzelgesprächen hat sie Gisela Tanck auf die Gruppe vorbereitet, in der sie irgendwann dann auch Kontakt zu Gleichgesinnten bekam. „Das hat mir geholfen, und ich bin dankbar dafür“, sagt Gisela Tanck. „Wir sehen uns einmal im Monat, und darauf freue ich mich. Wir bauen uns gegenseitig auf.“ Renate Hein aus Rabenholz stimmt ihr zu. Seit 2013 ist die 77-jährige dabei. Ihre Tochter hatte ihr von Helga Brusgatis erzählt. „Es hat mir unheimlich geholfen, so lange zu reden, bis man alles gesagt hatte. So konnte ich den Schmerz loslassen“, sagt sie.

Der Trauergesprächskreis von Pastor Sassenhagen und Helga Brusgatis war bis 2013 der Vorläufer des heutigen Trauercafés. Die beiden haben gut zusammengearbeitet, haben sich gegenseitig ergänzt. „Er hat die pastorale Seite abgedeckt, und ich hatte meine eigenen Erfahrungen“, beschreibt Helga Brusgatis. Inzwischen ist das Trauercafé für die Besucher nicht mehr wegzudenken. Die Menschen dort haben etwas gemeinsam – sie haben jemanden verloren, der ihnen viel bedeutet hat. „Manchmal weinen wir zusammen, aber wir haben auch schon viel miteinander gelacht“, beschreibt die Leiterin. Einmal im Jahr macht die Gruppe zusätzlich eine gemeinsame Fahrt auf der Schlei.

Angelika Bruhn aus Böel hatte sich nach dem Tod ihres Mannes 2014 zunächst Hilfe in Schleswig gesucht, aber die Gruppe löste sich auf, und ihre Tochter hatte ihr ein Gespräch mit Helga Brusgatis ans Herz gelegt. „Ich war zum Einzelgespräch – und es passte gleich“, erinnert sie sich. „Die Einzelgespräche sind wichtig“, findet Helga Brusgatis. Sie empfiehlt auch, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich in der Gruppe auch mit anderen Trauernden auszutauschen. „Ich hatte Angst, ich dachte, ich würde es nicht schaffen. Aber es war hilfreich und unterstützend. Wir haben alle etwa das Gleiche erlebt, die Bereitschaft ist da, dem anderen zuzuhören und Leid und Trauer untereinander zu teilen“, sagt Angelika Bruhn. Die 66-Jährige arbeitet viel mit imaginären Bildern. „Wenn wir uns treffen, habe ich immer eine große Klangschale vor Augen“, beschreibt sie. Je nach Stimmung gibt jeder einen Ton hinein. Oft sind das dunkle Töne, geprägt von Angst, Hoffnungslosigkeit oder Wut. Wenn Helga Brusgatis das Wort ergreift, kommen in Bruhns Vorstellung mit Trost, Geduld und Unterstützung die hellen Töne in die Klangschale. „So ergibt jedes Treffen für mich eine Melodie, die ich mit nach Hause nehme – und sie klingt jedes Mal anders.“

Helga Brusgatis war auch in der Hospizarbeit aktiv und begleitete Sterbende und ihre Angehörigen. „Die, die gehen, wissen, es kommt ein guter Weg. Schwer ist es für die, die zurückbleiben. Die Trauer kommt in Wellen, und jeder geht anders damit um“, sagt sie. Auch sie hat eine eigene Sicht auf das, was nach dem Tod kommt und teilt es mit den Menschen im Trauercafé. „Es geht ihnen gut, da wo sie sind, und sie bewachen uns – das hat Helga uns vermittelt“, berichtet Renate Hein.

Die meisten, die zum Trauercafé kommen, sind Frauen. „Männer tun sich etwas schwerer“, hat Helga Brusgatis erfahren. „Und wenn es ihnen besser geht, gehen sie oft wieder ihren Weg.“ Einmal hat sich im Trauercafé sogar ein Pärchen gebildet, die beiden kommen nicht mehr. Sie fangen sich jetzt gegenseitig auf. „Das ist gut so und soll so sein. Wir vergessen ja nicht die, die gegangen sind. Sie bleiben trotzdem in unserem Herzen“, sagt Helga Brusgatis.


>Das Trauercafé öffnet immer am zweiten Sonnabend im Monat. Das nächste Treffen ist am 13. Mai. Nähere Informationen direkt über Helga Brusgatis unter Tel. 01  75  /  6  63  56  32

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