zur Navigation springen

Angst vor der Flut : Gelting streitet über Hochwasserschutz

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Seit der großen Flut vor zwei Jahren diskutiert Gelting über den besten Hochwasserschutz. Die Differenzen zwischen Politik und Bürgern sind allerdings groß.

Seit der Hochwasserkatastrophe in Gelting im September 2011 ist eine Diskussion darüber entbrannt, wie man solch eine Notlage künftig verhindern kann. Es gibt erhebliche Differenzen zwischen der Politik und den durch Hochwasser gefährdeten Bürgern. Aus deren Reihen hat sich die „Interessengemeinschaft Überschwemmungsgebiet Gelting und Umgebung“ gebildet, deren Vorsitzender der Makler Hans-Peter Buchholz ist.

Die IG möchte in Sachen Geltinger Hochwasserschutz mitreden. Aus diesem Grund fand jetzt eine öffentliche Info-Veranstaltung im Gasthof Gelting statt, in der es um „den bestmöglichen Schutz gegen eine Wiederholung des Hochwassers vom 4./5. September 2011“ ging. Gleichzeitig wollte die IG ihre Lösungsvariante vorstellen, die anders als die von Politik und der Mehrheit der Mitglieder des Wasser- und Bodenverbandes aussieht. Das Problem: Sie ist teurer.

Zu der Versammlung konnte Buchholz über 130 Besucher begrüßen. Er bedauerte, dass unter anderem Geltings Bürgermeister Uwe Linde nicht erschienen war. „Wir sind keine Querulanten. Was wir Ihnen präsentieren, wurde in Zusammenarbeit mit Experten erarbeitet“, betonte Buchholz. Die IG wolle verbindliche Antworten auf die Fragen: „Was wird gemacht ?“, „Wie teuer wird es ?“ und „Wer bezahlt die Rechnung ?“. Anhand einer Fotopräsentation erläuterte Buchholz die Situation in Gelting im September 2011 und den jetzt von Politik und Wasser- und Bodenverband beschlossenen Hochwasserschutz. 2011 waren innerhalb weniger Stunden 173,7 Millimeter Regen gefallen – allein zehn Millimeter entsprächen, bezogen auf die betroffene Fläche, rund 100.000 Kubikmeter Wasser. Um diese Wassermengen aufzufangen, wäre eine Umleitung notwendig gewesen. Entsprechende Lösungen seien bereits 1980 Beschlusslage gewesen, so Buchholz, „wurden aber wegen Geldmangels nicht verwirklicht“.

2011 kam erschwerend hinzu, dass der Durchmesser des Rohres, das das Wasser unter der Nordstraße durchführt, mit 1,10 Metern viel zu klein für die Wassermassen war. Die Lösung, einen Polder auf einem Gelände mit 17 Hektar Fläche im Süden oberhalb Geltings zu bauen, sei nicht ausreichend, erklärte Buchholz. Weil die Stenderuper Straße und der Süderholm weiterhin gefährdet seien, will die IG die Lösung nicht mittragen. Stattdessen schlägt sie östlich der Gemeinde einen offenen Graben um Gelting herum in Richtung Graben des Gutes Gelting vor. Dabei müsste die Nordstraße mit entsprechenden Rohrgrößen unterquert werden. Der zu schaffende Graben würde zudem eine große Wassermenge – ähnlich dem angedachten Polder – übernehmen. Und die „Bromoy“ könnte als Ausweichfläche für überschüssiges Wasser genutzt werden. Diese Lösung werde von den Landeignern unterstützt.

Buchholz bemängelte, dass bei der Polder-Entscheidung mit falschen Zahlen argumentiert wurde. Die beschlossene Lösung werde mindestens 700.000 Euro kosten. Die Mehrkosten für den IG-Vorschlag lägen bei „nur“ rund 350.000 Euro. Aber sie würden Gelting nachhaltig schützen – und damit wären auch Elementarversicherungen für die gefährdeten Regionen in Gelting wieder möglich.

In der anschließenden Diskussion kamen Gegner und Befürworter – auch lautstark – zu Wort. Lotti Mehlert bemängelte, dass in Gelting zu wenig gegen Hochwasser gemacht werde. „Wo bleibt der Bürgermeister ?“, fragte sie unter kräftigem Beifall der Anwesenden. Nabu-Vorsitzende Dagmar Struß machte klar, dass der Nabu Ostangeln und der Landesverband den IG-Vorschlag unterstützen. Die Polderlösung sei nicht ausreichend. Dagegen erklärte Nis Lorenzen, dass „beide Lösungen gleichwertig“ seien. Günter Christie wollte wissen, wie die Mehrkosten der IG-Lösung finanziert werden sollen. Buchholz sagte daraufhin, das Land habe eine Förderung zugesagt. Als strikte Gegner des IG-Vorschlags kritisierten Brigitte und Jürgen Lorenzen, dass es in Gelting überhaupt keine Lösung geben werde, wenn die gefundene nicht umgesetzt wird. Darum störe die Kritik der IG. Paul Baack brachte ein mögliches Bürgerbegehren ins Gespräch. Dem Polder jedenfalls trauten die Anwesenden mehrheitlich nicht. Das wurde in den Fragen deutlich, in denen es um die Folgen eines möglichen Polderbruchs ging.

Sigrid Kellermann brachte auf den Punkt, was wohl viele dachten: „Der Wasser- und Bodenverband soll seinen Beschluss überdenken und uns, den Mitgliedern, Informationen geben, damit wir uns eine Meinung bilden können.“ Der IG-Vorstand wurde an diesem Abend mit Beifall verabschiedet.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 05.Sep.2013 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen