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Schmiedestrasse in Kappeln : Geht’s dem Rumpelpflaster an den Kragen?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Grünen schlagen eine Alternative für das Kopfsteinpflaster vor: Die Optik bleibt erhalten, die Nutzung wird erleichtert.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 06:45 Uhr

In seiner Dezember-Sitzung hatte der Seniorenbeirat zum wiederholten Male das Kopfsteinpflaster in der Fußgängerzone und die damit einhergehende schwierige Nutzung für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator angeprangert. Damals endete die Kritik in einem Antrag des Gremiums, in dem die Stadt aufgefordert wird, einen ein Meter breiten Mittelstreifen in der oberen Schmiedestraße herzurichten, dessen glatte Oberfläche es gehbehinderten Menschen erleichtern soll, ohne zusätzliche Einschränkungen voranzukommen. Gut zwei Monate später sagt Norbert Dick (Grüne): „Das war für mich der letzte Anstoß, mich damit intensiver zu beschäftigen.“

Optisch durchaus schön, in der Nutzung nicht immer praktikabel – das ist der Zwiespalt, in dem sich das Kopfsteinpflaster seit Langem bewegt. Und gerade den zweiten Aspekt zu ändern, hält das Fraktionsmitglied der Grünen für nötig – „immerhin haben wir 30 Prozent Senioren in der Stadt“. Der Gedanke, die Schmiedestraße mittig mit glatten Platten zu versehen, entsprach allerdings nicht seinen Vorstellungen. Also hat Norbert Dick im Internet recherchiert und ist dort irgendwann bei der Stadt Konstanz hängen geblieben, die vor vier Jahren das Natursteinpflaster vor ihrem Münster geglättet und damit barrierefreier gestaltet hat. In Kurzform: Die Fugen wurden zunächst ausgeräumt, wieder verfüllt, die Steine geschliffen und abgeflammt. Enstanden sind so glatte, rutschfeste Gehspuren, die sich optisch von der sie umgebenden Pflasterung kaum unterscheiden. Kosten für 1100 Quadratmeter: 390.000 Euro. Orientiert hat sich die Stadt Konstanz dabei an einem ganz ähnlichen Verfahren, das die Stadt Basel angewendet hat und dessen Ergebnis offenbar qualitativen Ansprüchen von Behindertenverbänden genügt. Und auch Norbert Dick sagt: „Ich finde die Idee genial.“ Und was die Gestaltung betrifft auch freundlicher, als optisch stark abweichende Gehwegplatten ins Kopfsteinpflaster einzulassen. Dick: „Das halte ich eher für eine Verunstaltung.“

Mit dieser Konstanzer Idee ist der Kommunalpolitiker bei Norbert Leukert von der Bauverwaltung grundsätzlich auf offene Ohren gestoßen. „Das Verfahren ist gut“, sagt Leukert. „Das Resultat sieht sehr gut aus und ist auch gut umgesetzt worden.“ Das Aber folgt jetzt: In Konstanz kam für die Arbeiten offenbar eine umgebaute Kehrmaschine zum Einsatz, um das alte Fugenmaterial zunächst zu lockern und dann abzusaugen. „So etwas haben wir nicht“, sagt Leukert. Ohnehin spricht der Fachmann von Spezialfirmen, die entweder in Süddeutschland oder in der Schweiz ansässig sind und deren Einsatz im Norden kostspielig werden könnte. Zwar rechnet Leukert nicht damit, dass in Kappeln eine Fläche von 1000 Quadratmetern zusammenkommen würde, geht stattdessen vielmehr von geschätzten 300 Quadratmetern aus. Gleichzeitig kalkuliert er aber mit einem höheren Preis. Während in Konstanz rund 380 Euro pro Quadratmeter veranschlagt wurden, sagt Leukert über Kappeln: „Da würden wir deutlich drüber liegen.“ Seine Schätzung: „Mindestens 500 Euro.“ Ungeachtet dessen will er prüfen, ob sich die Umgestaltung der Kappelner Schmiedestraße nach Konstanzer Vorbild lohnt, und auch dem Ausschuss für Umwelt und Verkehr wird das Thema bei seiner nächsten Zusammenkunft vorgestellt. Ginge es nach Norbert Dick könnte es bei der übernächsten Sitzung dann schon eine konkrete Vorlage dazu geben. „Und wenn wir dann noch mit den Kosten hinkommen“, sagt der Grünen-Politiker, „könnte es eigentlich direkt losgehen“.

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