zur Navigation springen

Kunsthaus Hänisch : Gedrucktes von Wales bis Witzwort

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die neue Ausstellung im Kunsthaus Hänisch zeigt die Vielfalt der Druckgrafik: Radierungen, Holzschnitte, Lithografie.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Irgendwas zwischen 120 und 150, so viele Arbeiten zieren derzeit die Wände des Kunsthauses Hänisch. Eine stattliche Zahl, die allerdings auch angemessen scheint, will die aktuelle Schau den zehn Künstlern, die sie vereint, gerecht werden. „Druckgrafische Positionen aus Wales und Schleswig-Holstein“ heißt die Ausstellung, die letzte des laufenden Jahres. Und sie bietet, das ist jetzt schon klar, jede Menge Ansatzpunkte, sich den Druckgrafiken und der Technik, die dahinter steckt, etwas mehr zu nähern.

Quetsche Witzwort und Aberystwyth Printmakers – diese zwei Gruppierungen haben sich der Druckkunst verschrieben, und so weit sie geografisch auch auseinander liegen (Kreis Nordfriesland und walisische Westküste), so nah sind sie sich in ihren künstlerischen Ansprüchen. Angeline Schube-Focke, künstlerische Leiterin im Hänisch-Haus, hat selbst berufliche Verbindungen nach Wales und räumte anlässlich der Ausstellungseröffnung zudem ein: „Druckgrafiken sind eine ganz große Leidenschaft von mir.“

Die zehn ausstellenden Künstler führte Schube-Focke der Reihe nach ein, erläuterte kurz Werdegänge und Besonderheiten, Arbeitsweisen und Exponate.

Beispiel: Reinhard Scheuble. Der Mann von der Quetsche Witzwort kennt sich aus mit Buchkunst und hatte einige seiner, hochwertigen und mitunter auch nicht ganz günstigen Bücher mitgebracht. „Der kleine Häwelmann“ etwa, ein Märchen von Theodor Storm – in Scheubles Version ein schweres Buch, handgebunden, mit Büttenpapier und der Holzschnittkunst von Gisela Mott-Dreizler. Die Kunsthaus-Besucher durften es anfassen, darin blättern, die meisten aber standen davor, fast ein bisschen zögerlich – Kunst, die berührt werden darf? Gerade mal 40 Exemplare hat Reinhard Scheuble gedruckt, Kosten pro Buch: rund 800 Euro. Seinen Zuhörern erklärte er: „Unsere Idee ist es zu zeigen, was mit Büchern eigentlich alles möglich ist.“

Oder Andrew Baldwin – ihm attestierte Angeline Schube-Focke einen „skurrilen schwarzen Humor“. Im Obergeschoss hängen seine Werke, oft in Schwarz-Weiß gehalten, wie etwa das „Welsh Mountain Sheep“, das den Blick des Betrachters fast ein wenig stur zu erwidern scheint. Oder Baldwins „Gender Studies“: eine Gegenüberstellung des balletttanzenden Mädchens und des mit Pfeil und Bogen hantierenden Jungen.

Gisela Mott-Dreizlers Holzschnitte nannte Schube-Focke „mystisch und experimentierfreudig“. Tatsächlich kann die Künstlerin leicht als diejenige gelten, die mit den intensivsten Farben spielt. In Otto Beckmanns Radierungen erkannte die Kuratorin „eine üppige Vielfalt“, in Judy Macklins „sehr viel Energie“. Und: Weitere zehn Werke hängen in der Kappelner Nikolaikirche, überwiegend Holzschnitte von Gisela Mott-Dreizler zum Themenkomplex Engel und Dämon. Im November soll sich ein Gottesdienst an diesen Arbeiten orientieren.

Überhaupt bietet das Kunsthaus einiges an Aktionen parellel zur Schau: Führungen, Künstlergespräch, zwei Kunstbuch-Matineen und einen Workshop speziell für Kinder, bei dem Weihnachtskarten gedruckt werden können. Druckgrafiken ganz handfest und anschaulich.


> „Druckgrafische Positionen aus Wales und Schleswig-Holstein“, Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53, donnerstags bis sonntag, 11 bis 17 Uhr, Ausstellungsdauer bis zum 17. Dezember

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen