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Schlei-Bote

19. Oktober 2017 | 00:13 Uhr

Waabs : Gasthof statt Bühne und Filmset

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Dieter Kirsten und Uschi Topp haben der Glamour-Welt den Rücken gekehrt und das Restaurant „Waabs Mühle“ übernommen.

von
erstellt am 16.Jan.2016 | 13:15 Uhr

Martinique, St. Lucia, USA oder Kanada – viele Länder auf der ganzen Welt haben sie gesehen, zu Hause aber sind Dieter Kirsten und seine Partnerin Uschi Topp in Waabs. Seit Januar 2014 sind sie Eigentümer und Betreiber des Landgasthofs „Waabs Mühle“. Mit dem Einstieg in die Gastronomie haben sich die beiden einen kleinen Traum erfüllt.

Von der Pike auf gelernt haben sie das Gewerbe nicht, wenngleich Topp (62) Hauswirtschaftsmeisterin ist und Kirsten (68) im gastwirtschaftlichen Betrieb der Eltern im Erzgebirge groß wurde. Kirsten war jahrzehntelange freiberuflich als Produktions- oder Aufnahmeleiter bei Film und Fernsehen, während Uschi Topp als Sekretärin, ebenfalls in der Film- und Medienbranche, tätig war.

„Es ist eine tolle Zeit gewesen“, sagt Kirsten im Rückblick. 1956 ist seine Familie aus der DDR nach Bremen gezogen. Dort machte er eine Ausbildung zum Dekorateur und Plakatmaler. „Ein schöner Beruf, aber nicht mein Ding“, wie Kirsten nach einigen Jahren feststellte. Sein Ziel war das Theater. Über einen Bekannten, den er in der Pension seiner Mutter kennen gelernt hatte, gelang im 1969 als Bühnenhandwerker der Einstieg in das Bremer Theater. Kirsten wollte mehr, mehr eigenverantwortlich arbeiten und zog 1972 nach Berlin. An der freien Volksbühne am Halleschen Ufer fand er Arbeit, nun als Requisiteur. 1976 sollte das Theaterstück „Gorki“ verfilmt werden. „Kameramann war damals Michael Ballhaus“, berichtet Kirsten. An verschieden Drehorten in Berlin wurde gefilmt. Und es wurde jemand gesucht, der die Filmsets vorbereitet. Kirsten war zu Stelle. „Es war eine ganz andere Perspektive“, sagt er heute. Zwei Jahre lang machte er den Job und sprang auch immer mal für den Aufnahmeleiter ein. Das gefiel seinen Auftraggebern, und so wurde er selber Aufnahmeleiter. Zu seinen ersten Produktionen gehörten Folgen der Serie „Neues aus Uhlenbusch“. Gut die Hälfte der rund 50 Folgen leitete er. Dabei lernte er auch Moritz Bleibtreu als Kind kennen, der mit seiner Mutter Monica Bleibtreu oft am Set war. Inzwischen arbeitete Dieter Kirsten als sogenannter Freelancer, also freiberuflich. Er war in Berlin ebenso zu Hause wie in Hamburg und reiste zu Drehorten in aller Welt. Ein großer Kinofilm war 1995 „Stadtgespräch“. Produktionen, vor allem für öffentlich-rechtliche Sender, reihten sich aneinander. Ob die Serie „Lisa Falk – Eine Frau für alle Fälle“, oder „Onkel Bräsig erzählt“ bis hin zu Reportagen und Dokumentationen – Dieter Kirsten liebte seine Arbeit. Geschockt sei er gewesen als er Anfang des Jahres vom Tod Maja Maranows gehört habe. Mit ihr hatte er bei der ZDF-Serie „Rivalen der Rennbahn“ gearbeitet. Aber er durfte auch mal Eddie Constantine vom Flughafen abholen, ein anderes Mal fuhr er Inge Meysel in ihr Hamburger Haus.

2011 stieg Kirsten aus dem Filmgeschäft aus, war 2012 noch als Gastdozent an der Filmhochschule Hamburg tätig, aber gemeinsam mit Uschi Topp schon auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Ihr Zwischenziel war Seedorf am Borgdorfer See, nordöstlich von Nortorf. Sie hatten genug von Großstädten und lieben die Natur. Denn nur zu Hause zu sitzen oder durch die Welt zu reisen, dazu hatten sie keine Lust. Topp sagt: „Wir haben mehr als genug Urlaub gemacht.“ Denn gedreht wurde immer in den Sommermonaten, im Herbst und Winter hatten sie viel Zeit zum Reisen.

Lange spielten die beiden mit dem Gedanken, eine Fischzucht zu betreiben, hatten auch schon diverse Lehrgänge besucht, doch aus verschiedenen Gründen wurde es nichts. Von einem Filmdreh her kannte Kirsten Angeln und Schwansen und als sie Bekannte in Fleckeby besuchten, reifte bei ihnen der Wunsch, nach Schwansen umzuziehen. Gezielt suchten sie Gastronomiebetriebe und wurden in Waabs fündig. Dort erwarben sie am 1. Januar 2014 den Gasthof mit Nebengebäude.

Im Nebengebäude wollen sie nach dessen Sanierung wohnen. Zwei Monate lang renovierten und bauten sie das Restaurant um. Inzwischen bieten sie sieben Doppelzimmer und ein Einzelzimmer an. Der Gastraum wurde umfangreich modernisiert und liebevoll gestaltet. Auf der Speisekarte steht deutsche Küche, darunter etwa frischer Fisch und regionale Produkte. Bei Bedarf steht Dieter Kirsten auch in der Küche, denn Kochen hat er über alle die Jahrzehnte gelernt. Uschi Topp hat als Hauswirtschaftsmeisterin den Überblick. Ihre Entscheidung für Waabs haben sie nicht bereut. Jetzt ist aber erstmal Ruhepause, bevor am
1. März der Betrieb wieder anläuft.

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