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Scheggerott : Funksignale aus dem Schweinestall

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Wolfgang Kraack, Emil Johannsen und Axel Andresen sind leidenschaftliche Funker. Beim Clubhaus in Scheggerott reparieren sie gerade die Antennen.

Er ist 59 Jahre alt, von Beruf Schlosser und in seiner Heimatgemeinde Kronsgaard stellvertretender Bürgermeister. Und seit 1978 schon geht er seiner ganz besonderen Leidenschaft nach: Wolfgang Kraack ist Mitglied der Süderbraruper Funkamateure (DARC) mit dem Rufzeichen DL3LAB und seit sechs Jahren auch Vorsitzender dieses Clubs, der schon seit 65 Jahren besteht.

Derzeit verbringt er nahezu jedes Wochenende in der Clubstation auf dem Hof von Emil Johannsen – einst Bürgermeister und Amtsvorsteher – in Scheggerott. Auch er ist leidenschaftlicher Funkamateur. Johannsen mischt seit 1968 mit dem Rufzeichen DK4LI bei den Funkamateuren kräftig mit. Der 82-Jährige sagt: „Das hält jung.“ Als er 65 wurde, hängte er die Landwirtschaft an den Nagel. Schon zuvor hatte er einen leerstehenden Sauenstall für die Clubstation zur Verfügung gestellt. Dort, wo einst Ferkel das Licht der Welt erblickten, werden seit drei Jahrzehnten Signale in die Welt ausgesendet und empfangen.

Vorsitzender Wolfgang Kraack ist zurzeit so oft in der Clubstation, weil Orkan „Christian“ Ende Oktober nicht nur Bäume, sondern auch etliche der UKW- und Kurzwelle-Antennen, zwischen 15 und 30 Meter hoch, umgeknickt hatte. Das hat dazu geführt, dass nur noch ein eingeschränkter Funkverkehr möglich war und zum Teil auch noch immer ist. Also muss ordentlich repariert werden, so, wie es Zeit und Wetter erlauben. Zu Kraack und Johannsen, der selbst einmal Vorsitzender des Clubs war, hat sich auch Axel Andresen aus Twedt-Buschau gesellt. Der 47-jährige Landwirt ist seit 1986 mit dem Rufzeichen DL9LBA Clubmitglied und seit sechs Jahren der Stellvertreter von Kraack. Sie alle packen mit an, damit das Senden und Funken von Scheggerott aus möglichst bald wieder hundertprozentig funktioniert. Natürlich haben sie alle neben der gemeinsamen Clubstation auch daheim ihre eigenen „Funk-Stuben“.

Die Bilanz der drei für das vergangene Jahr sieht gut aus. Bei der deutschen Clubmeisterschaft belegten die Süderbraruper Funkamateure unter 570 Clubs den zweiten Platz. Den ersten Platz mussten sie dem Club Erding in Bayern überlassen. Die 24 Jahre zurückreichende Meisterschafts-Statistik belegt, dass die Süderbraruper stets unter den ersten Zehn waren, drei Mal sogar Erster: 1987, 1996 und 2001. Die Dauer der Wettbewerbe, bei denen die Funkamateure als Team in der Station oder als Solisten zu Hause im Einsatz sind, reicht von zweieinhalb über 24 bis zu 48 Stunden: Mit den Ohren zum Hören und den Händen auf den Tasten sind sie dann nonstop im Einsatz.

Die Blütezeit des Amateurfunks sei wohl vorbei, da sind sich Kraack, Johannsen und Andresen einig. Die Jahre, in denen der Club hundert Mitglieder zählte, sind vorüber – jetzt sind es aber immerhin noch 71. Junger Nachwuchs ist, bedingt durch Internet und das allgemein große Freizeitangebot, rar geworden. Derzeit gehören zu den Süderbraruper Funkamateuren nur zwei, die um die 20 sind. Hinzu kommt eine große Hürde: der Lizenzerwerb bei der Bundesnetzagentur.

Eine Besonderheit im Sauenstall von Johannsen ist das dort installierte Magnetometer. Es misst magnetische Unruhen. Sind die besonders extrem, können sie unter Umständen zu einem vorübergehenden Blackout im Funkverkehr führen. Damit müsse immer wieder gerechnet werden, so Kraack. Alle, die den Funk nutzen – nicht nur Funkamateure – und Bedarf an den Ergebnissen dieser Messungen haben, können sie sich aus dem Scheggerotter Sauenstall abrufen.

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